„Schnelle Kiste“ im Wartestand: Das mobile CT-Gerät am Weilheimer Krankenhaus
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„Schnelle Kiste“ im Wartestand: Das mobile CT-Gerät am Weilheimer Krankenhaus wurde bislang bei der Diagnose von Corona-Fällen kaum benötigt.

Bilanz nach einem halben Jahr

Weilheimer Krankenhaus: Warum der millionenteure CT-Scanner für Covid-Patienten erst ein Mal zum Einsatz kam

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Seit Mai verfügt das Weilheimer Krankenhaus über ein mobiles CT-System für die Diagnose von Covid-19-Fällen. Zum Einsatz kam die 1,2 Millionen Euro teure Hightech-Leihgabe des Freistaats bislang allerdings erst ein einziges Mal. Wie kann das sein? Wir haben bei der Krankenhaus GmbH nachgefragt.

Landkreis – Von außen macht der unscheinbare graue Kasten, der seit Mai vor dem Krankenhaus in Weilheim steht, nicht viel her. Im Inneren dagegen umso mehr, denn dort verbirgt sich auf engstem Raum modernste Technik. 34 solcher CT-Systeme hatte der Freistaat im Frühjahr an ausgewählte Krankenhäuser verteilt. 1,2 Millionen Euro kostete eines dieser Hightech-Geräte, die die Diagnose von Covid-19-Fällen erleichtern sollten. Für die mobile Variante wie in Weilheim brauchte es nur vier Fundamente und einen Starkstromanschluss für die Installation. Binnen sechs Wochen hätten die Hersteller damals die Containerlösung aus dem Boden gestampft, sagt Weilheims Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Andreas Knez. „Eine Meisterleistung“ sei das gewesen.

Große Freude über kostenlose Freistaat-Leihgabe

Entsprechend groß war die Freude über die kostenlose Leihgabe. Von einer „riesigen Wertschätzung“ des Freistaats für die Krankenhaus GmbH sprach Landrätin Andrea Jochner-Weiß bei der feierlichen Übergabe im Mai, der auch der CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt beiwohnte.

Die Bilanz ein halbes Jahr später fällt auf den ersten Blick ernüchternd aus. Nur bei einem Patienten mit Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung sei der CT-Scanner bislang zum Einsatz gekommen, sagt Knez. Ein teures Vergnügen, mag man sich da denken, doch der Blick auf die nackte Zahl, er greife in diesem Fall zu kurz, betont der Ärztliche Direktor. „Man darf nicht die Situation vergessen, in der wir uns alle damals in der ersten Welle befunden haben“, erinnert er.

Über das Coronavirus sei wenig bekannt gewesen, niemand habe gewusst, was den Patienten genau fehle. Die Entscheidung, die CT-Geräte zu beschaffen, sei gefallen, weil es Hinweise aus China und Italien gegeben habe, dass das bildgebende Verfahren helfen könne, eine Infektion mit Covid-19 nachzuweisen. Der Freistaat habe hier sehr rasch reagiert, lobt Krankenhaus GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann.

Als das Gerät fertig für den Einsatz war, gab es kaum noch Covid-Fälle

Bis das Gerät jedoch schlussendlich alle Zulassungsformalitäten durchlaufen hatte und einsatzbereit war, dauerte es bis Juni. Die erste Corona-Welle war da längst am Abebben. „Wir haben es zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr benötigt, weil es kaum noch Covid-Patienten gab“, so Knez.

Doch längst läuft seit einigen Wochen die zweite Welle, die Infektionszahlen sind auch im Landkreis hoch wie nie. Dennoch herrscht im grauen Container vor der Weilheimer Klinik immer noch kein Betrieb. Knez kann das erklären. Zum einen sei mittlerweile viel mehr über das Virus bekannt, die Forschung habe in den vergangenen Monaten große Fortschritte gemacht, sagt der Mediziner. Das gelte auch für die Diagnostik. Zum anderen seien im Frühjahr viele Patienten mit einer unerkannten Corona-Infektion in die Krankenhäuser gekommen, heute würde generell viel mehr getestet, so der Ärztliche Direktor. So gebe es nur noch wenige Verdachtsfälle, in denen ein CT-Scan, der immer auch eine Strahlenbelastung für den Patienten bedeute, benötigt werde. „Das gilt etwa für Patienten, die typische Symptome haben, aber deren Test negativ ist.“

Radiologische Praxis am Krankenhaus sieht Gerät skeptisch

All diese Fälle konnten bislang in der radiologischen Praxis am Krankenhaus Weilheim untersucht werden. Das bestätigt auch der Radiologe Dr. Alexander Kamp. Schon in der ersten Welle habe dies gut geklappt, und auch bis jetzt gebe es keinen Engpass. Natürlich wisse man nicht, wie sich das Infektionsgeschehen weiter entwickle, sagt Kamp. Sollten die Corona-Fälle massiv steigen, könnte sich dies natürlich ändern. „Dann wäre das Gerät als Schutzschirm zu sehen.“

Genau das betonen auch Knez und Lippmann. Das CT-Gerät sei keinesfalls eine Konkurrenz zur radiologischen Praxis. „Es ist aber gut, dass wir es haben für den Fall der Fälle.“ Das gelte genauso für die zusätzlichen Beatmungsgeräte, die ebenfalls der Freistaat zur Verfügung gestellt habe und die seit Juni noch unbenutzt im Keller stünden. Ob sie jemals gebraucht werden, ist ungewiss. „Mit dem Wissen von heute, hätte man vielleicht in manchen Dingen anders entschieden“, sagt Knez. Dass das CT bislang noch kaum zum Einsatz gekommen sei, sei aber auch eine gute Nachricht. „Es zeigt, dass die Situation bei uns zum Glück noch nicht so schlimm ist wie in anderen Ländern.“

Steht das CT am falschen Standort?

Bleibt noch eine Frage, die auch Kamp irritiert: Nämlich, weshalb die Freistaat-Leihgabe in Weilheim und nicht am Krankenhaus in Schongau steht. Schließlich hatte die Krankenhaus GmbH schon im April angekündigt, alle Covid-Patienten fortan in Schongau konzentrieren zu wollen, um in Weilheim den Normalbetrieb wieder herstellen zu können (wir berichteten). „Das hat sich alles damals überschnitten, die Dinge haben sich überschlagen“, sagt Lippmann rückblickend. „Vier Wochen später hätten wir wahrscheinlich anders entschieden.“

Das gilt umso mehr, als dass die Schongauer Klinik wegen den jüngsten Vorfällen – zahlreiche Mitarbeiter waren bekanntlich positiv getestet worden – seit November auch offiziell als Corona-Schwerpunkt-Krankenhaus des Landkreises fungiert. „Ich will deshalb auch nicht ausschließen, dass wir das Gerät bei Bedarf noch einmal umsetzen. Dafür ist es ja eine mobile Lösung.“

Wie es nach der Pandemie mit dem CT weitergeht, das ist übrigens laut dem Krankenhaus GmbH-Geschäftsführer noch völlig offen. Möglicherweise werde es eine Dauerleihgabe.

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