Sie ließ Geldbeutel mitgehen 

Rentnerin (74) muss ins Gefängnis

Eine Rentnerin aus Weilheim muss für fünf Monate ins Gefängnis. Sie hatte 120 Euro aus einem Geldbeutel gestohlen. Die hohe Strafe erklärt sich aus dem langen Vorstrafenregister der Frau.

Weilheim –  Die 74-jährige Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen. Laut Anklage soll sie im Oktober vergangenen Jahres in den Geschäftsräumen der VR-Bank Werdenfels in Weilheim aus einem Geldbeutel, den ein Bankkunde dort versehentlich hatte liegen lassen, das gesamte Bargeld in Höhe von 120 Euro entwendet haben. Die in der Geldbörse befindlichen Karten rührte die Angeklagte nicht an. Anschließend warf sie den Geldbeutel in einen Briefkasten der Stadt Weilheim. Dies wertete die Vorsitzende Richterin des Amtsgerichts Weilheim, Christiane Serini, als strafmildernd.

„Es ist schon noch ärgerlicher, wenn auch alle Karten weg sind“, sagte sie. Aber die verzweifelten Versuche des Verteidigers, die Tat seiner Mandantin zu leugnen, verärgerten die Richterin. Denn ein Polizeibeamter zeigte Videos, die von zwei Überwachungskameras in der Bank zu dem Zeitpunkt der Tat aufgenommen wurden.

Darauf ist eindeutig die Angeklagte mit ihrem Mann zu sehen. Der Mann deutet auf einen Gegenstand auf einem Tisch am Kontoauszugsdrucker. Die Frau nimmt die Geldbörse, schaut hinein und holt etwas heraus. Dann verschwinden die beiden aus der Bank.

Anhand eines zeitlichen Abgleichs konnte bewiesen werden, dass nur einige Minuten zuvor der Besitzer der Geldbörse 100 Euro am Automaten abgehoben hatte und dann noch seine Kontoauszüge holte, wo er seinen Geldbeutel liegen ließ. Den Verlust hatte er nur wenige Minuten danach in einem Lottogeschäft in Weilheim bemerkt. „Ich bin sofort zurück zur Bank, aber der Geldbeutel war schon weg“, sagte er vor Gericht.

Der Verteidiger monierte die leicht unterschiedlichen Zeitangaben auf den Kontoauszügen in Abgleich mit denen auf den Videos. „Das ist ja hier völlig lebensfremd“, schimpfte die Richterin. Der geringe Zeitunterschied von Kontoausdrucker und Kameraüberwachung sei erklärbar und vollkommen irrelevant, so die Richterin. Auch der Hinweis des Verteidigers, dass man ja nicht genau wissen könne, ob der Mann auf dem Video auch wirklich der Ehemann sei, war in den Augen der Richterin abwegig. Denn der Polizeibeamte, der das Ehepaar vernommen hatte, konnte den Mann eindeutig identifizieren.

Auf die Schliche gekommen sind die Ermittler der Frau, da sie Kundin der Bank ist und nahezu zeitgleich mit dem Besitzer der Geldbörse ihre Bankgeschäfte erledigte.

Die Richterin brauchte eine gewisse Zeit, um das Vorstrafenregister der Rentnerin vorzulesen. Siebzehn Eintragungen lagen vor, meist wegen Diebstahls. Im letzten Fall stand sie wegen Betrugs in 86 Fällen vor dem Weilheimer Amtsgericht. Die Bewährung ist noch offen.

„Irgendwann ist auch mal Schluss“, meinte die Richterin nach ihrem Urteil. Die Frau muss nun für fünf Monate ins Gefängnis.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © MZV-Archiv

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