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Ausstellungsstück aus Weilheim: Ehrenschützenmeister Ludwig Reitzer mit der historische Kanone. 

Historisches Ausstellungsstück der FSG Weilheim

Weilheimer Salutkanone nachgebaut

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  • Andrea Gräpel
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An einer historischen Salutkanone der FSG Weilheim bestand über die Landkreisgrenze hinaus Interesse: Ein Tüftler aus Andechs baute das Ausstellungsstück nach. 

Weilheim – Im Einsatz ist die Salutkanone, die im Hauseingang der „Schießstätte“ in der Schützenstraße steht, schon lange nicht mehr. „Sie ist eine Leihgabe der Veteranen, die keinen Platz dafür hatten. Hätten wir sie nicht genommen, wäre sie vermutlich irgendwann beim Alteisen gelandet“, sagt Ludwig Reitzer, Ehrenschützenmeister der „Königlich privilegierten Schützengesellschaft“ (FSG) Weilheim.

Unter dem Bild eines Kanoniers der Veteranen hat das historische Stück einen Ehrenplatz bekommen. „Früher haben die Veteranen damit Schüsse zu Beerdigungen abgegeben“, sagt Reitzer, „aber danach war sie nicht mehr in Gebrauch.“ Beim historischen Festzug im Jahr 1988 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Weilheim sei die Salutkanone von den Artilleristen mitgezogen worden, erinnert er sich. Doch Schüsse seien auch dort nicht mehr abgegeben worden.

Ungewöhnliche Anfrage aus Andechs

Im Jahr 2006 erhielt Reitzer dann eine ungewöhnliche Anfrage aus dem Nachbarlandkreis. Der Böllerschütze Erwin Schölderle aus Andechs kontaktierte die Schützengesellschaft wegen eines besonderen Anliegens. Schölderle, Mitglied im Veteranen- und Soldatenverein Erling-Andechs mit Sprengstoffschein, hatte auf dem Grundstück eines ehemaligen Kollegen ein historisches Kanonenrohr gefunden. Mit dem Fundstück wollte er die Salutkanone Schraube für Schraube nachbauen – und zwar nach Vorbild des Weilheimer Modells. „Wirklich überrascht hat mich seine Anfrage nicht“, sagt Reitzer, „wir haben in Weilheim natürlich versucht, ihm zu helfen.“

Gelungene Nachbildung: Böllerschütze Erwin Schölderle aus Andechs mit der fertigen Salutkanone. 

Doch wie war der Tüftler aus Andechs überhaupt darauf gekommen, die Schützengesellschaft zu kontaktieren? Zunächst einmal hatte er sich für sein Projekt auf Spurensuche begeben und dabei herausgefunden, dass die Werkstatt, in der das Kanonenrohr einst gegossen worden ist, heute noch existiert. Zwar unter einem anderen Namen, doch das Auftragsbuch aus alten Zeiten ist erhalten geblieben. Dort stieß Schölderle auf die Anfertigung, die heute bei den Schützen in Weilheim steht. Sie war baugleich mit der, zu der das gefundene Kanonenrohr passte.

Nur die Unterlagen fehlten

In Weilheim wurde „das Original“, wie es Reitzer nennt, daraufhin auseinandergeschraubt. „Den Verschluss hat er zum Nachbauen mitgenommen“, sagt der Ehrenschützenmeister. Nicht nur die altertümliche Salutkanone selbst hat auf dem Gelände der „Schießstätte“ einen Platz gefunden. Auch die dazugehörigen Kartuschen, der Riemen und das Pulvermaß werden in einem hölzernen Kasten in den Räumen des Schützenmuseums, das seit 1995 von der FSG betrieben wird, aufbewahrt. „Nur Unterlagen, von wann genau die Salutkanone stammt, hatten die Veteranen nicht für uns“, sagt er.

Bis Schölderle die nachgebaute Salutkanone fertiggestellt hatte, verging allerdings noch einige Zeit. Zu Beginn des neuen Jahres präsentierte er sie schließlich unter anderem der Redaktion des Starnberger Merkur. Vorerst bleibt die Kanone in Privatbesitz. Sobald die technische Abnahme erfolgt ist, wird sie aber auch beim Böllerschießen zum Einsatz kommen.

Gegenleistung für die Hilfsbereitschaft

Ludwig Reitzer hat von der Fertigstellung aus der Zeitung erfahren. „Auf dem Foto habe ich die Kanone gesehen“, sagt er, „der einzige Unterschied, der mir auf dem Bild aufgefallen ist, ist, dass er etwas mehr Holz verbaut hat.“ Als Gegenleistung für ihre Hilfsbereitschaft hat die FSG Weilheim von Schölderle noch ein Detail über ihr Ausstellungsstück erfahren. „Er konnte uns sagen, wie alt die Kanone ist: Sie stammt aus dem Jahr 1925“, so Reitzer. Seiner Ansicht nach sei der Bau gelungen. „Ich muss zu Herrn Schölderle jetzt wirklich noch einmal die Verbindung aufnehmen“, sagt er.

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