Auszeichnung unter Pandemie-Bedingungen: Weilheims Stadtoberhäupter mit den Trägern der Weilheimer Ehrenpreise 2020 – (v.l.) 2. Bürgermeisterin Angelika Flock, Helga und Jos Huber (Kulturpreis), 1. Bürgermeister Markus Loth, Elisabeth Doll (Umweltpreis) mit Ehemann Michael, Ingeborg Krabler, Annette Kochanowski und Sabine Schneider (Sozialpreis) sowie 3. Bürgermeister Alfred Honisch.
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Auszeichnung unter Pandemie-Bedingungen: Weilheims Stadtoberhäupter mit den Trägern der Weilheimer Ehrenpreise 2020 – (v.l.) 2. Bürgermeisterin Angelika Flock, Helga und Jos Huber (Kulturpreis), 1. Bürgermeister Markus Loth, Elisabeth Doll (Umweltpreis) mit Ehemann Michael, Ingeborg Krabler, Annette Kochanowski und Sabine Schneider (Sozialpreis) sowie 3. Bürgermeister Alfred Honisch.

Stadtrat verleiht Ehrenpreise

Weilheims Kulturpreisträger hat eine dringende Bitte an den Stadtrat

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Wenigstens diese Tradition konnte die Pandemie nicht rauben: Wie gewohnt und doch auf ungewohnte Art wurden in der Weihnachtssitzung des Stadtrates der Umwelt-, der Sozial- und der Kulturpreis der Stadt Weilheim verliehen. Jos Huber dankte für Letzteren mit einem Geschenk – und einer großen Bitte.

  • Maler Jos Huber bekam am Donnerstag in der Stadthalle den Weilheimer Kulturpreis 2020
  • Der Umweltpreis ging an Kräuterpädagogin Elisabeth Doll
  • Mit dem Sozialpreis wurde die Fairtrade-Gruppe der Oberlandschulen Weilheim geehrt

Weilheim – Keine Musik, kein heimeliger Kerzenschein: Die Weihnachtssitzung des Stadtrates, sonst betont atmosphärisch gestaltet, ließ heuer kaum Feststimmung aufkommen. Die traditionelle Verleihung der Ehrenzeichen an besonders engagierte Bürger fiel gänzlich den Pandemie-Bestimmungen zum Opfer; sie wird laut Bürgermeister Markus Loth nachgeholt, „sobald es Corona wieder erlaubt“. Wenigstens der Umwelt-, der Sozial- und der Kulturpreis, dotiert mit je 1000 Euro, konnten am Donnerstagabend in der Stadthalle überreicht werden – mit Abstand, Maske und Vorsicht: Urkunde, Scheck und Blumen mussten sich die Preisträger jeweils selbst von einem Tisch nehmen...

Herzlich waren immerhin die Worte der Rathaus-Chefs. 2. Bürgermeisterin Angelika Flock ließ das leidenschaftliche Wirken von Umweltpreisträgerin Elisabeth Doll plastisch werden, 3. Bürgermeister Alfred Honisch seine Bewunderung für die mit dem Sozialpreis geehrte Fairtrade-Gruppe der Oberlandschulen spüren (siehe unten). Und 1. Bürgermeister Markus Loth rühmte das künstlerische Wirken, das Engagement und nicht zuletzt die Großzügigkeit von Kulturpreisträger Jos Huber.

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1993 mit seiner Ehefrau Helga von München an die Ammer gezogen, habe Jos Huber von Anfang an dazu beigetragen, „dass der Kunststandort Weilheim nicht nur in den vergangenen Jahrhunderten, sondern auch in der Gegenwart vielfach beachtet wird“, so Loth. Der Maler war im Jahr 2000 Mitgründer des Kunstforums Weilheim, schuf 2010 zwölf Bilder zur Geschichte beider Orte für den Weilheim-Pollinger Jubiläumskalender, unterstützte großzügig den Förderverein zur Sanierung des Stadtmuseums – das für ihn „der kulturelle Mittelpunkt des Pfaffenwinkels“ ist.

Die eigene Kunstfertigkeit habe sich der heute 85-Jährige vor allem durch intensive Studien der „Alten Meister“ erworben, erklärte Loth. Huber vereine „Gesellschaftskritik, Schönheit und manchmal augenzwinkernde Ironie zu wunderbaren aktuellen Kunstwerken“ – die auch im Münchner Haus der Kunst schon zu sehen waren. Für sein „herausragendes Schaffen“ und das Wachhalten der Erinnerung an die großen Weilheimer Künstler der Vergangenheit wurde Huber 2015 bereits mit dem Georg-Petel-Preis ausgezeichnet.

Der Kulturpreis 2020 sei ihm „eine große Ehre und riesige Freude“, sagte Huber gerührt bei der jetzigen Auszeichnung. Als Dank schenkte er der Stadt sein Gemälde „Die Weilheimer Verkündigung“ – und gab der Ratsrunde seinen „innigsten Wunsch“ mit: noch erleben zu dürfen, „dass Sie, meine Damen und Herren, unser Museum repräsentativ und großzügig erneuern, damit dieses Kleinod in neuem Glanz erstrahlt“.

Umweltpreis für Kräuterpädagogin Elisabeth Doll

„Aus all Ihrem Engagement spricht die Liebe zu unserer Umwelt und die Begeisterung für die Kräfte der Natur“ – so würdigte 2. Bürgermeisterin Angelika Flock die Umweltpreisträgerin Elisabeth Doll. Auf ihrem Biobauernhof in Marnbach, dem Wieshof, führe die Kräuterpädagogin alle Interessierten durch ihren Heilpflanzen-Lehrgarten und zwei historische Gärten. Sie stelle „Essige, Liköre, Kräutersalz und andere Köstlichkeiten aus den geernteten Schätzen“ her, biete Kochkurse in ihrer Naturküche, wecke im Rahmen des städtischen Ferienprogramms auch bei Kindern „die Lust an Selbstgemachtem“. Als langjährige Vorsitzende des Vereins für Gartenkultur Marnbach-Deutenhausen engagiere sich Doll bei der Pflege öffentlicher Flächen und berate andere Gartenbesitzer. Motto: „Traue keinem Garten, in dem kein Unkraut wächst.“ Auch als 1. Vorsitzende der Vereinigung „Gartenbäuerinnen und Kräuterpädagogen Oberland“ und Aktive im Netzwerk „Gartenwinkel-Pfaffenwinkel“ gebe sie ihr Wissen und ihre Begeisterung weiter. Regelmäßige Saatgut- und Pflanzentauschmärkte auf dem Wieshof helfen zudem, die biologische Vielfalt zu erhalten, betonte Flock. So sei Elisabeth Doll nach einhelliger Meinung des Stadtrates „prädestiniert“ für den Umweltpreis – „in Anerkennung ihrer hervorragenden Verdienste im Umwelt- und Naturschutz“.

Sozialpreis für die Fairtrade-Projektgruppe der Oberlandschulen 

„Die Schülerinnen und Schüler tragen mit jeder ihrer Aktionen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika bei“, seien somit „Multiplikatoren der gesellschaftlich stark zunehmenden Forderung nach einem weltweit fairen Handel“ – so begründete 3. Bürgermeister Alfred Honisch in seiner Laudatio die Vergabe des Sozialpreises 2020 an die Fairtrade-Projektgruppe der Privaten Oberlandschulen Weilheim. Um den Titel „Fairtraide-Stadt“ erhalten zu können, habe man 2016 eine Schule vor Ort als Partner gesucht, die Oberlandschulen hätten diese Idee begeistert aufgenommen. Erste Aktionen der neu gegründeten Fairtrade-Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Lehrerin Sabine Schneider waren 2017 der Verkauf „fairer“ Nikoläuse an der Schule sowie „faire“ Geschenkpäckchen für die Weilheimer Tafel. Viele weitere Projekte folgten, die AG schuf einen eigenen Kiosk an der Schule, „auch das Lehrerkollegium hat seine Konsumgewohnheiten entsprechend umgestellt“, so Honisch. 2018 bekam die Schule den Titel „Fairtrade-School“, was 2020 für weitere zwei Jahre erneuert werden konnte. Mit Schneider nahmen ihre Kollegin Annette Kochanowski und Schulleiterin Inge Krabler den Sozialpreis entgegen. „Ich verspreche Ihnen“, sagte Letztere in ihrer Dankesrede: „Wir machen weiter mit unserer Arbeit.“

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