Probe für „Die Weilheimer Stückl“ auf der Freilichtbühne neben der Hochlandhalle: Regisseurin Yvonne Brosch mit den Darstellern (v.l.) Anita Kurzrock, Barbara Röllnreiter, Joachim Heberlein, Sebastian Schmederer (sitzend), Hans Stibich und Ingo Remesch sowie Regieassistentin Natalie Seitz. Nicht im Bild ist Klaus Kriegisch, der ebenfalls mitspielt.
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Probe für „Die Weilheimer Stückl“ auf der Freilichtbühne neben der Hochlandhalle: Regisseurin Yvonne Brosch mit den Darstellern (v.l.) Anita Kurzrock, Barbara Röllnreiter, Joachim Heberlein, Sebastian Schmederer (sitzend), Hans Stibich und Ingo Remesch sowie Regieassistentin Natalie Seitz. Nicht im Bild ist Klaus Kriegisch, der ebenfalls mitspielt.

„Teatro Coronato“ in Weilheim

„Weilheimer Stückl“ kommen auf die Freilichtbühne

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Sie sind weitum bekannt, die „Weilheimer Stückl“. Doch auf der Bühne waren sie seit über 50 Jahren nicht mehr zu erleben. Nun ist es endlich wieder soweit: Weilheims Festspielmacher inszenieren sie beim „Teatro Coronato“ – und erinnern damit an den 100. Geburtstag von Autor Christian Buck.

Weilheim – Es gibt sie in so einigen Ortschaften: die gewitzten Geschichten über illustre Vorfahren, die sich für besonders schlau hielten und doch eher besonders dumm anstellten. Als „Schildbürgerstreiche“ sind sie (und mit ihnen das fiktive, längst sprichwörtliche Städtchen Schilda) besonders bekannt geworden. Und Hirschau in der Oberpfalz feiert eine lokale Variante, die „Hirschauer Stückl“, seit langem mit eigenen Festspielen – die übrigens Weilheims Theatermacher Yvonne Brosch und Andreas Arneth auf die Bühne brachten.

Und auch Weilheim hat es mit solchen Erzählungen zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Der einstige Grundschulrektor und Heimatdichter Christian Buck hat ein Dutzend davon in den 1960er Jahren aufgeschrieben und im Verlag Friedl Brehm veröffentlicht. Noch ehe sie auf einer hiesigen Bühne landeten, spielte das Camerloher Gymnasium in Freising schon 1967 eine Schuloper „Weilheimer Stückl“ mit Texten nach Josef Hofmiller und Musik von Theo Brand – die nach einer Schulspielwoche sogar in Ausschnitten vom Bayerischen Rundfunk übertragen wurde.

Legendäre Aufführung im Jahr 1969

In Weilheim selbst erinnert seit 1986 zwar der „Stückl-Brunnen“ des Bildhauers Kurt Speckbacher vor dem Kaufhaus Rid an einige der Schwänke. Und wann immer der Stadtrat eine umstrittene Entscheidung fällt, ist von einem „neuen Weilheimer Stückl“ die Rede. Doch auf eine Bühne schafften es die historischen Stückl hier kaum. Legendär ist zwar die Aufführung als Singspiel durch den Liederkranz-Orchesterverein (den heutigen Weilheimer Chorkreis) im November 1969 – für das Christian Bucks Texte mit Brands Musik kombiniert wurden. Das war’s dann aber praktisch bis heute. Nur das bekannte Stückl mit dem Ochsen auf der Stadtmauer – der dort das Gras fressen sollte, das Hinaufziehen per Schlinge um den Hals jedoch nicht überlebte – wurde 2010, zu Weilheims 1000-Jahr-Feier, noch mal vom Heimat- und Trachtenverein gespielt.

Dabei haben mehrere Weilheimer Stückl längst solchen Klassiker-Status, dass man sich fragt, warum sie nicht viel öfter auf die Bühne gebracht werden. „Bucks Stücke sind immer nur einmal gespielt worden“, wundert sich auch Weilheims früherer 2. Bürgermeister Ingo Remesch. So ging es nämlich auch dem Bühnenstück „Die gewonnene Stadt“, das Buck 1988 zum 750-jährigen Jubiläum der Weilheimer Stadterhebung geschrieben hat. Für „Die Weilheimer Stückl“ aber hat Remesch den entscheidenden Anstoß gegeben, dass diese nun endlich wieder zur Aufführung kommen – beim „Teatro Coronato“ auf der Freilichtbühne neben der Großen Hochlandhalle. Fünf Vorstellungen sind davon geplant; Premiere ist diesen Freitag, 23. Juli.

Ein paar Anspielungen auf heutige Weilheimer

Ingo Remesch steht dabei selbst auf der Bühne. Er ist einer von sieben Weilheimer Laiendarstellern, mit denen Yvonne Brosch Bucks „Stückl“ inszeniert, neben Anita Kurzrock, Barbara Röllnreiter, Joachim Heberlein, Klaus Kriegisch, Sebastian Schmederer und Hans Stibich. Für die Ausstattung sorgt Andreas Arneth. Und nicht nur das: Der Bühnenbildner und Leiter des Weilheimer Stadttheaters hat Bucks einzelne Szenen zu einem knapp einstündigen Gesamt-Stück komponiert – und so behutsam wie gewitzt einige Aktualisierungen samt Anspielungen auf heutige Weilheimer eingebaut.

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Von Christian Bucks Original geht dabei nichts verloren. Im Gegenteil. Mit den Aufführungen will das „Teatro“-Team auch explizit an den 100. Geburtstag des Heimatdichters und -philosophen erinnern. Zugleich jährt sich dessen Tod heuer zum 25. Mal. Und der Premierentag 23. Juli war der Hochzeitstag des Ehepaars Buck, weiß Stadtarchivar Joachim Heberlein – der in den Stückl-Aufführungen übrigens den Bürgermeister gibt.

So darf man sich schon mal freuen auf die historischen und die heutigen Weilheimer auf der Bühne: Wie sie sich hektisch mühen, das Tageslicht in Säcke zu füllen, um es ins Rathaus zu bringen, bei dessen Bau man die Fenster vergessen hat. Oder wie sie versuchen, die Stadtpfarrkirche zu verrücken, weil die Gasse zwischen ihr und Altem Rathaus so eng ist, dass zwei Betrunkene nachts kaum aneinander vorbeikommen... Und um den Ochsen auf die Mauer zu ziehen, so viel sei verraten, packt auch reichlich Prominenz mit an.

Magnus Reitinger

Aufführungen

von „Die Weilheimer Stückl“ sind am 23., 24. und 25. Juli sowie am 7. und 8. August, jeweils um 20.30 Uhr, auf der Freilichtbühne an der Großen Hochlandhalle (bei Regen im Stadttheater). Karten gibt es per E-Mail an info@stadttheater-weilheim.de oder unter Telefon 0152/565 70 359. Nähere Infos, auch zum weiteren Programm: www.teatro-coronato.de.

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