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In Corona-Zeiten werden bei der „Weilheimer Tafel“ bereits gepackte Tüten mit Lebensmitteln ausgegeben. 

Weilheimer „Tafel“ verteilt fertig gepackte Tüten

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Die Corona-Krise trifft auch die „Weiheimer Tafel“. Unter anderem können Lebensmittel nicht mehr in der zuvor bewährten Manier ausgegeben werden.

Weilheim– Schon in Nicht-Krisen-Zeiten hat Eva-Maria Muche genug damit zu tun, dass es jeden Donnerstag am evangelischen Gemeindehaus eine „Tafel“ für bedürftige Weilheimer gibt. In Zeiten der Corona-Krise hat sich die Situation noch verschärft, denn plötzlich hat der allergrößte Teil der altgedienten Mitarbeiter abgesagt – aus Angst, sich bei der Essensausgabe mit dem Virus zu infizieren. „Die meisten unserer Stamm-Mitarbeiter sind wegen Corona zu Hause geblieben“, sagt Muche. Der Großteil der angestammten Helfer gehöre durch das Alter zur Risikogruppe. Vielen war es zu gefährlich, weiter bei der Essensausgabe der „Weilheimer Tafel“ mitzuarbeiten. Von sonst 75 Helfern seien nur 15 weiter für Tafel-Dienste zur Verfügung gestanden, sagt Muche.

Zum Glück habe sich eine Gruppe Jugendlicher aus dem Jugenddekanatsbüro gemeldet und Hilfe angeboten und das Problem des Personalmangels sei behoben gewesen. Neben ihnen hätten etliche Weilheimer angerufen, die nun wegen Kurzarbeit oder aus anderen Gründen mehr Zeit gehabt hatten und das Bedürfnis, die „Tafel“ zu unterstützen.

Über diese Angebote habe sie sich sehr gefreut, sagt Muche, aber aus organisatorischen Gründen habe sie sich für die Gruppe Jugendlicher entschieden: „Für den Betrieb ist es entschieden einfacher, wenn auch in Krisenzeiten immer die gleichen kommen“, sagt Muche. Ansonsten müssten schlicht zu viele Helfer jedesmal neu angelernt werden. Und die Jugendlichen seien jeden Donnerstag zuverlässig da gewesen und hätten dann auch den ganzen Tag mitgearbeitet. So musste keine Essensausgabe der Weilheimer „Tafel“ ausfallen. Inzwischen haben sich auch einige der Stamm-Helfer wieder zurückgemeldet und möchten wieder einsteigen.

Anders als viele befürchtet hatten, haben die Weilheimer Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte der „Tafel“ die ganzen Wochen über genug Lebensmittel gespendet. „Eigentlich ist die Menge geblieben“, sagt Muche. Dennoch musste in Corona-Zeiten einiges geändert werden. Die „Tafel“ findet vor dem Tafelladen, im evangelischen Gemeindehaus an der Weil-heimer Apostelkirche statt. Verändert habe sich auch die Art, wie die Lebensmittel an die Kunden weitergegeben werden. Wegen des Infektionsschutzes sind die Organisatoren in Weilheim dazu übergegangen, Lebensmitteltüten zu packen und nicht, wie sonst, die Waren im Tafelladen auszulegen, die die Kunden auswählen können. So sei der „Tafel“-Einkauf viel schneller erledigt als in der Vergangenheit. „Das dauert pro Kunde zwei bis drei Minuten“, sagt Muche. Beim Warten ist ein Sicherheitsabstand von zwei Metern einzuhalten. Wer seine Tüte erhalten hat, muss den Hof unmittelbar wieder verlassen.

Die meisten Dinge haben sich also auf die veränderten Bedingungen eingespielt bei der „Weilheimer Tafel“. Doch kürzlich haben sich Muche und ihre Helfer richtig geärgert: „Irgendjemand hat uns nachts zwölf Plastikmüllsäcke mit Klamotten vor die Tür gestellt.“ Für solche Spenden sei die „Weilheimer Tafel“ generell die falsche Stelle und in Corona-Zeiten noch viel mehr. „Am Ende des Tages müssen wir dann noch die Klamotten entsorgen“, sagt Muche: „Wir sind keine Entsorgungsstelle.“

Auch nicht für längst abgelaufene Lebensmittel, die auch immer wieder bei der „Weilheimer Tafel“ abgegeben würden. „Lebensmittel nehmen wir gerne, wenn sie sich zumindest noch im Bereich des Haltbarkeitsdatums befinden“, sagt Muche.

Über die Nahrungsmittel, die das Haltbarkeitsdatum noch nicht überschritten haben, freuen sich Muche und ihre Helfer. Seit Beginn der Corona-Krise komme jeden Donnerstag eine Frau vorbei, die ein Paket mit Lebensmitteln abstelle, sage, dass sie in diesen Zeiten etwas für Bedürftige spenden wolle, und wieder gehe. „Das ist super“, sagt Muche. Die Spender sollten, wenn möglich, vor der Essensausgabe kommen, da während des laufenden Betriebs schlicht zu viel los sei, um die Spenden entgegenzunehmen.

„Weilheimer Tafel“:

Die Essensausgabe der „Weilheimer Tafel“ findet jeden Donnerstag von 13.30 bis circa 15 Uhr im Hof vor dem „Tafel“-Laden im evangelischen Gemeindezentrum an der Apostelkirche in Weilheim statt. Lebensmittel-Spenden sind willkommen, sollten aber abgegeben werden, bevor die Essensausgabe an die Kunden beginnt.

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