Am Trinkwasserbrunnen an der „Weilheimer Schule“ in Kagnigbara/Togo.
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Am Trinkwasserbrunnen an der „Weilheimer Schule“ in Kagnigbara: Die Verantwortlichen vor Ort verlangen laut Uta Orawetz einen „Minimalbetrag“ pro Bottich Wasser für die Dorfkasse, aus der sie nötige Reparaturarbeiten künftig selbst bezahlen wollen – ein Musterbeispiel von Nachhaltigkeit.

Brunnen und Speisung an „Weilheimer Schule“

Weilheimer Hilfe in Togo trägt Früchte

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Erstmals Trinkwasser aus einem eigenen Brunnen, zudem täglich eine warme Mahlzeit für alle 300 Schüler: Die Projekte rund um die „Weilheimer Schule“ in Togo sind gut angelaufen, der Pandemie zum Trotz. Zeit für ein Dankeschön an alle Unterstützer in Weilheim, finden die Initiatoren – und haben noch so manche Idee.

Weilheim – Wie viel Lebensqualität es bedeutet, endlich Trinkwasser aus einem Brunnen vor Ort schöpfen zu können, das ist für Mitteleuropäer, die an fließendes Wasser aus zahlreichen Hähnen im und ums Haus gewöhnt sind, wohl kaum vorstellbar. Doch für die Bewohner des abgelegenen togoischen Dorfs Kagnigbara ist er ein Quantensprung, der Trinkwasserbrunnen, den Weilheimer Bürger über den Verein „Togohilfe“ finanziert haben – als Folgeprojekt der Anfang 2020 eröffneten „Weilheimer DERPART-Schule“. Auch die ist den vielen Spendern aus Weilheim zu verdanken, die Unternehmerin und Ex-Stadträtin Uta Orawetz in den vergangenen dreieinhalb Jahren für ihr Hilfsprojekt begeistern konnte.

Entsprechend groß ist der Dank aus Togo. Er drückt sich in einem Brief aus, den Orawetz vor wenigen Wochen von Asabo Haratoukou bekommen hat. Der Mittdreißiger, der aus Kagnigbara stammt und heute leitender Regierungsmitarbeiter ist, schreibt aus der Hauptstadt Lomé in „tiefer Dankbarkeit“ von all dem Ermöglichten in Kagnigbara: vom Schulgebäude mit drei Klassenräumen, Büro und einfachen Toiletten, von „der Ausstattung mit dem ganzen erforderlichen Material“, der „kürzlich fertiggestellten Bohrung zu Gunsten der Schüler und ihrer Eltern“ und von der Schulkantine, die gerade erstellt werde. „Möge der allmächtige Gott und die Geister aller unserer Vorfahren immer über Sie wachen und diese Partnerschaft stärken, die zwischen uns besteht, und mögen sie Ihnen die erforderliche Gesundheit schenken und viel Glück“, beendet Haratoukou den Brief. Dankesworte und Wünsche, die „allen Spendern gelten“, wie Orawetz kürzlich bei einem Pressegespräch gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Anja Böhm betonte.

Schulspeisung an der „Weilheimer Schule“ in Kagnigbara: Mit 50 Euro kann ein Schulkind ein ganzes Jahr lang versorgt werden.

Wie die in Maisach ansässige „Togohilfe“, welche die Projekte umsetzt und kontrolliert, legen die Weilheimerinnen großen Wert auf Nachhaltigkeit. Die begonnene Schulspeisung – für viele der 300 Kinder in Kagnigbara „fast die einzige Ernährung“ – ist vorerst bis Sommer gesichert, dann ist wieder laufend Unterstützung nötig. Mit 50 Euro kann ein Schulkind ein ganzes Jahr lang versorgt werden; eine Hilfe, die bereits 15 Weilheimer dauerhaft leisten. Infos zu dieser Förderung des KISS-Programmes (Abkürzung für „Kinderschulspeisung“) liegen in Orawetz’ Reisebüro Simader am Marienplatz auf. Aber auch für Einzelspenden sind die Initiatorinnen dankbar. Eine kleine Hilfe ist auch der Kaffee aus Togo, der im Reisebüro erhältlich ist und von dem pro Packung ein Euro an die „Togohilfe“ geht.

Auch Patenkinder vermittelt die „Togohilfe“ – wobei es sich um „wirklich bettelarme Kinder“ handelt, für die „dringender Handlungsbedarf“ besteht, so Orawetz. Im Betrag von 35 Euro pro Monat ist nun auch eine Krankenversicherung für die Kinder enthalten: „eine sehr gute und wichtige Sache“, meint Böhm, die tief beeindruckt von ihrem Patenkind in Kagnigbara erzählt.

Ein Zukunftswunsch der Initiatorinnen ist, dass mit Geld aus Weilheim auch Bäume gepflanzt werden können, die in dem togoischen Dorf dringend nötig wären: als Spender von Schatten und von Früchten. Außerdem hofft Orawetz, dass bald auch eine Partnerschaft zwischen einer hiesigen Schule und der „Weilheimer Schule“ in Kagnigbara entsteht. Dabei gehe es weniger um Spenden, betont sie, sondern vor allem um „Kulturaustausch“. Denn dass solche Entwicklungsprojekte beide Seiten bereichern, das erlebt sie seit drei Jahren selbst – voller Dankbarkeit.

Spenden

für die Weilheimer Projekte in Kagnigbara sind direkt an die „Togohilfe e.V.“ möglich – Bankverbindung: IBAN DE 34 7005 3070 0031 0399 10 (Sparkasse Fürstenfeldbruck). Wichtig sind dabei Stichworte wie „Schulspeisung“ oder „Weilheim“. Info: www.aktionpit.de.

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