Der Weilheimer Jürgen Weishaupt ist als Trommler beim Auftakt der Fußball-EM in Rom - und hängt dabei hoch in der Luft.
+
Der Weilheimer Jürgen Weishaupt ist als Trommler beim Auftakt der Fußball-EM in Rom - und hängt dabei hoch in der Luft.

24 Meter hoch hängt er an Drahtseilen

Weilheimer tritt bei Eröffnung der Fußball-EM als Trommler auf - und hängt dabei vom Stadiondach

  • Katrin Kleinschmidt
    vonKatrin Kleinschmidt
    schließen

Jürgen Weishaupt war früh klar, dass es mit der Fußballer-Karriere für ihn wohl nichts wird. Und doch hat es der Weilheimer nun zur Europameisterschaft geschafft. Der 51-Jährige tritt als Trommler auf – vom Stadiondach hängend. In 24 Metern Höhe.

Weilheim/Rom – Es ist dieser heilige Rasen. Jenes Grün, auf dem Andreas Brehme am 8. Juli 1990 Deutschland ins Glück schoss. Ins Fußball-Glück, zum Weltmeistertitel. Auf diesem heiligen Rasen im Olympiastadion in Rom (Italien) hat nun auch Jürgen Weishaupt gestanden. „Und mal dran geschnuppert“, sagt der Weilheimer und lacht.

Er ist bestens gelaunt, als ihn die Heimatzeitung am Telefon hat. Kein Wunder: Weishaupt hat’s zur Fußball-Europameisterschaft geschafft. Er ist beim Auftaktspiel am Freitag dabei. Nicht als Zuschauer. Auch nicht als Fußballer – „da war schon früh klar, dass ich das nicht schaffe“. Aber als Musiker. Weishaupt tritt als Teil einer Trommler-Akrobaten-Gruppe am morgigen Freitag bei der Eröffnungsfeier auf. „Team Extreme Performance on Air“ nennt sich die internationale Truppe, die kurz vor der Partie zwischen Italien und der Türkei in die Luft steigt (Spielbeginn: 21 Uhr).

Zwei Drahtseile werden am Stadiondach befestigt - und Weishaupt hängt dran

Ja, richtig, in die Luft. Denn Weishaupt und elf andere Trommler werden dann an jeweils zwei Drahtseilen, befestigt am Stadiondach, nach oben gezogen, bis zu 24 Meter hoch. Sechs Musiker in der Nordkurve, die anderen – darunter Weishaupt – in der Südkurve. „Wie an Marionetten-Fäden.“ Trommelnd werden die Musiker dann in unterschiedliche Höhen gezogen, so entstehen verschiedene Bilder. Schnell geht’s dabei zu, kündigt Weishaupt an. „Wir erreichen fast das gleiche Tempo wie im freien Fall.“

Eine Situation, auf die sich Weishaupt in Weilheim nur schwer vorbereiten konnte. „Die Performance an den Seilen können wir hier erst vor Ort üben“, sagt er. Dafür reiste er am Montag nach Rom. Zur Mittagszeit am Dienstag sollte er eigentlich das erste Mal in den Seilen hängen. Stattdessen telefonierte er mit der Heimatzeitung. „Hier geht gerade ein biblisches Gewitter herunter“, erzählt er. „Das Wasser trieft von den Decken, der Rasen ist pitschnass.“ Die Probe verschoben. Weishaupt blieb gelassen.

Bei der Probe wurde das Bild gestern aufgenommen: Drei Trommler hängen im Olympiastadion von Rom an Seilen in schwindelnder Höhe. Jürgen Weishaupt ist in der Mitte.

Der Auftritt in der Luft ist für ihn nicht ganz neu. Vier, fünf Mal – ganz sicher ist er sich nicht – hat er in den vergangenen 15 Jahren schon solche Auftritte bei verschiedenen Veranstaltungen mitgemacht. Zuletzt vor elf Jahren. Er weiß, was auf ihn zukommt. Und dass vor allem die ersten „Seiltänze“ ein flaues Gefühl im Magen verursachen. „Deshalb ist immer ein Ersatzmann dabei, falls jemand ausfällt.“ Denn gute Trommler gebe es viele, sagt Weishaupt. „Aber Trommler, die sich das trauen, nicht.“ Einige hätten in der Vergangenheit nach den ersten Proben wieder hingeworfen.

Auftritt bei Fußball-EM ist ein Traum für den Weilheimer

Weishaupt will es durchziehen. Für den Fußballfan ist ein Auftritt bei der Europameisterschaft ein Traum. „51 Jahre alt musste ich dafür werden, um zur EM fahren zu können“, sagt er. Dass das wirklich klappt, weiß er selbst erst seit wenigen Wochen. Die erste Anfrage liegt schon eine Zeit lang zurück, doch die Organisatoren der EM warteten mit den Verträgen ab – wegen der Corona-Pandemie.

Für Weishaupt bedeutete das, dass er in den vergangenen drei Wochen täglich üben musste. Selbst im Familienurlaub. Damit das Musizieren und die Choreografie an den Drahtseilen sitzen, „muss man super vorbereitet sein, das muss ins Knochenmark übergehen“. Zwischendurch schickte er Videoaufnahmen an den Choreografen, der dann wiederum Tipps gab, was anders gemacht werden muss. So vorbereitet musste das Team in Rom nur noch an der Feinabstimmung arbeiten.

Während am Dienstag nur Trockenübungen möglich waren, hingen die Musiker schließlich am Mittwoch erstmals in den Seilen. „Ich habe mich gefühlt wie der Ball beim Abschlag“, sagt Weishaupt danach und lacht. Die Höhe macht dem Weilheimer nichts aus – die kennt er vom Klettern und Wandern. An das schnelle Hoch und Runter muss er sich hingegen wieder gewöhnen. „Das ganz entspannte Lächeln hatte ich diesmal wohl noch nicht“, vermutet er. Am Freitag aber, da soll’s sitzen.

Weilheim-Penzberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare