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Große Pläne im Weilheimer Westen: Neubau mit Zahnklinik, Café und mehr

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Von: Magnus Reitinger

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Anstelle dieses Hauses am kleinen Platz an der Ammerstraße ist ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus geplant.
Anstelle dieses Hauses am kleinen Platz an der Ammerstraße ist ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus geplant. © Gronau

Große neue Pläne im Weilheimer Westen: An der Ecke Wessobrunner Straße/Ammerstraße soll ein vierstöckiger Neubau mit Zahnklinik, kleiner Kita, Tagescafé und Wohnungen entstehen. Der Bauausschuss ist überwiegend begeistert – doch es gibt auch Vorbehalte.

Weilheim – Der Antragsteller ist wohlbekannt in Weilheim – doch bislang nicht unbedingt als Bauherr. Das Grundstück, um das es geht, gehört dem Ingenieur Gerd Berchtold, der einst die „Bürger für Weilheim“ (BfW) mitgegründet hat und in der Umfahrungsdiskussion der vergangenen Jahre als Verfechter eines Kurztunnels unter der B 2 in Erscheinung trat. Das seit längerem teils leer stehende, teils als Möbellager genutzte Gebäude südlich des kleinen Platzes an der Ecke Wessobrunner Straße/Ammerstraße ist Berchtolds Elternhaus; er selbst ist dort sogar geboren. Und für dieses Areal hat der 68-Jährige jetzt große Pläne.

Der Ingenieur möchte dort ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus errichten, das die Form der gegenüberliegenden Bebauung an der Ammerstraße aufnimmt und ähnlich wie diese zum Platz hin abgewinkelt wird. Das Baufeld würde damit größer, als es der Bebauungsplan „Ammerstraße/Wessobrunner Straße“ bisher vorsieht. Zusätzlich soll im südwestlichen Grundstücksbereich ein Baufeld für ein kleineres Mehrfamilienhaus (mit zwei Vollgeschossen plus Dachgeschoss) ausgewiesen werden.

Im größeren, direkt an der Ammerstraße liegenden Gebäude will Berchtold Räume für eine Zahnklinik schaffen, zu deren Ärzteteam auch seine Tochter gehört: Dem MVZ („Medizinisches Versorgungs-Zentrum für Zahnmedizin“) soll ein Imbiss-Café angegliedert sein, das zugleich als Klinikkantine dient, sowie eine kleine Kindertagesstätte –denn eine der Ärztinnen ist auf Kinderbehandlungen spezialisiert.

Nach Berchtolds Angaben wird sich das Gebäude hinsichtlich Heiz- und Stromenergie komplett selbst versorgen – ein Feld, auf dem der Ingenieur bereits gute Erfahrungen gesammelt hat: Neben seinem eigenen Wohnhaus an der Eichtweide habe er mittlerweile in Oderding ein „besseres Modell“ mit neueren Technologien erstellt, berichtet der Bauherr. Dieses Haus sei „total Energie-autark“ und versorge zudem noch zwei Elektroautos mit je 25.000 Kilometern Fahrleistung im Jahr „locker“ mit. Ein Erfolg, der ihn bewogen habe, auch das geplante Wohn- und Geschäftshaus an der Ammerstraße entsprechend auszulegen.

Für „einzigartig und zukunftsweisend“ wurde dieses Konzept im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates befunden. Der nötigen Bebauungsplan-Änderung für das größere Baufeld hat das Gremium in der jüngsten Sitzung mehrheitlich zugestimmt. Städtebaulich sei nichts dagegen einzuwenden, hieß es seitens des Stadtbauamtes. Die übrigen Vorgaben – etwa die Geschossigkeit, die Dachneigung und die Errichtung einer Tiefgarage – würden mit der Planung eingehalten. BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek sieht in den vorgelegten Plänen „eine Aufwertung für den Stadtteil“. Die Garagen für das Haus im hinteren Grundstücksbereich müssten jedoch so situiert werden, dass es für die Zufahrt weniger Fläche und Versiegelung braucht.

Auf die Bremse trat hingegen Luise Nowak: Das Baurecht werde durch diese Planung „fast verdoppelt“, sagte die Grünen-Vertreterin. Deshalb solle die Stadt erst zustimmen, wenn sie eine Satzung zur Beteiligung von Investoren an den Folgekosten erstellt hat. „Das kann bis Jahresende dauern“, antwortete Stadtbaumeisterin Andreas Roppelt-Sommer. Und es wäre ihrer Ansicht nach „falsch, hier damit zu beginnen“. Das Vorhaben sei „klassische Nachverdichtung“, die Planung „städtebaulich sehr gelungen“. Auch der Platz vor dem jetzigen Gebäude – der ein echter Treffpunkt sei – werde damit aufgewertet.

Auch die meisten Bauausschuss-Mitglieder hielten die Folgekosten-Diskussion bei diesem Projekt für „fehl am Platz“ (wie es SPD-Vertreter Horst Martin formulierte). Er verstehe Nowaks Anliegen, betonte Stefan Zirngibl (CSU), doch wäre es „unbillig“, das Vorhaben deshalb ein Dreivierteljahr aufzuschieben – zumal es an sich unstrittig sei. Von einer „Phantomdiskussion“ sprach Bürgermeister Markus Loth (BfW): Da in diesem Falle ja bereits Baurecht besteht, würde das Ganze „wahrscheinlich nicht mal unter eine solche Folgekosten-Regelung fallen“.

So segnete der Ausschuss die Bebauungsplan-Änderung letztlich ab – gegen die Stimmen von Luise Nowak und Alfred Honisch (Grüne).

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