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Mit auf der Bühne des Stadttheaters saß das Publikum bei „Gretchen 89ff.“ mit Daniela Voß und Uwe Kosubek (hier als „Der alte Haudegen“). Regie führte Marion Niederländer. 

 „Stadttheater im Off“ bot  „Gretchen 89 ff.“

Der Komik so nah

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Weilheim - Weilheims „Stadttheater im Off“ bot mit „Gretchen 89 ff.“ kurzweiligen Genuss. Und die Zuschauer waren ganz dicht am Geschehen.

Weilheim – So nah ist man den Darstellern im Weilheimer Stadttheater noch nie gekommen. Was nicht nur daran lag, dass die Zuschauer bei „Stadttheater im Off“ gleich mit auf der Bühne sitzen – so nah, dass sie die Zigarette, die im Stück geraucht wird, mitinhalieren. Nahe kam man den Schauspielern am Wochenende auch im psychologischen Sinne: Lutz Hübners Komödie „Gretchen 89ff.“, die das „Ateliertheater München“ zwei Abende lang in Weilheim spielte, lässt pointiert hinter Kulissen und Maske blicken, an Proben eines durchschnittlichen Stadttheaters teilnehmen. Geübt wird Goethes „Faust“, Seite 89 folgende: die „Kästchenszene“, in der Gretchen nach ihrer ersten Begegnung mit Faust nach Hause kommt, sich unwohl fühlt, beim Umkleiden ein Schmuckkästchen findet... Berühmte Szene, einfache Szene... – von wegen!

Acht Varianten der kleinen Goethe-Szene exerzieren Daniela Voß und Uwe Kosubek in Hübners Erfolgsstück durch, entfalten dabei eine kabarettistische Typologie von Schauspieler- und Regisseurs-Charakteren. Da ist die Anfängerin, frisch von der Schauspielschule, die sich mit naiver Inbrunst in die Rolle und dramatisch auf die Knie schmeißt. Wie anders wirkt die Szene bei der rotbestiefelten Diva, die schon empört im Provinztheater ankommt... Auch das Spektrum der Regie ist breit gefächert – vom „Freudianer“, für den der Text voller sexueller Anspielungen steckt, über den „alten Haudegen“, der vor lauter Anekdoten aus seinem Theaterleben kaum zum Proben kommt, bis zum „Operettenkarl“, der alles ganz leicht nimmt („wenn man’s im Blut hat, spielt sich’s von allein“).

All das sind Paraderollen für Voß und Kosubek, die mit viel Tempo und gleichviel Genauigkeit, mit Leidenschaft und mitreißender Komik Typ für Typ auskosten. Es wirkt so leicht, ihr Spiel mit den Klischees, und ist doch große Kunst. Schnell gilt’s zwischen Charakteren und Stimmungen, zwischen Abgrund und fröhlichem Kiekser zu wechseln – stets nur ein paar Armlängen vom Publikum entfernt. Rasch hatten sich die gut 40 Besucher am Freitagabend an diese Nähe gewöhnt, waren gewonnen vom Charme des Stücks und der Darsteller, glucksten und genossen. Ein paar Plätze waren noch frei; noch muss sich herumsprechen, welch wunderbares Angebot dieses „Stadttheater im Off“, dieser Nebenraum fürs Experimentellere – und in diesem Fall auch fürs Urkomische – ist.

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