Ein Luftreiniger, der in einer Schule in Niedersachsen installiert wurde.
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Ein Luftreiniger, der in einer Schule in Niedersachsen installiert wurde.

Zahlen sollen andere

Luftreiniger an allen Schulen: Scharfe Kritik an Söder-Vorschlag

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
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Ministerpräsident Markus Söder will alle Klassenräume schnellstmöglich mit Luftfiltern ausstatten. Zahlen soll aber nicht der Freistaat. Im Landratsamt ist man wenig begeistert.

Landkreis – In der Theorie ist die Sache klar: Die Delta-Variante des Corona-Virus ist im Landkreis angekommen. Sie breitet sich, wie die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, besonders schnell in den Schulen aus, sobald dort die Infektionen auftreten.

In den Schulen, deren vornehmliche Maßnahme zum Schutz der Kinder und Jugendlichen auch anderthalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie vornehmlich aus regelmäßigem Stoßlüften und einer weitreichenden Maskenpflicht besteht.

Nun setzt sich in der Politik auf breiter Front die Erkenntnis durch, dass in allen Klassenzimmern Luftreiniger aufgestellt werden sollen, damit im Herbst und Winter, wenn die vierte Corona-Welle ziemlich sicher kommt, die Schüler nicht wieder bei arktischen Temperaturen in der Zugluft sitzen sollen.

Söder will Luftreiniger in allen Klassenräumen - Zahlen will er sie aber nicht

Ministerpräsident Markus Söder macht Druck: „Wenn das nicht freiwillig funktioniert, müssen wir uns eine Verpflichtung überlegen“, sagte er unserer Zeitung. Und verweist auf entsprechende Förderprogramme.

Da kann der Kämmerer des Landratsamtes Weilheim-Schongau, Norbert Merk, nur lachen. „Es gab ein Förderprogramm in diesem Zusammenhang“, sagt er auf Anfrage des Weilheimer Tagblatts. Die darin vom Freistaat bereitgestellten Mittel hätten gerade mal so ausgereicht, um in allen Klassenzimmern der weiterführenden Schulen, für die der Landkreis zuständig ist, CO2-Ampeln einzubauen. Diese messen die Luftqualität und zeigen an, wann gelüftet werden muss.

„Da sind, auf den gesamten Freistaat gesehen, einige Mittel übrig geblieben“, so Merk. Und dieses Geld könne jetzt für den Einbau von Luftreinigern verwendet werden. Das Problem: „Das Geld reicht nie und nimmer“, sagt Merk. Er rechnet vor: Wenn alle Klassenzimmer in den Schulen des Landkreises mit Luftreinigern ausgestattet werden sollen, „dann reden wir von rund 450 Geräten, die beschafft und eingebaut werden müssen“.

Scharfe Kritik an Markus Söder (CSU): Ministerpräsident bringt teuren Vorschlag - zahlen sollen andere

Mit der reinen Beschaffung der Geräte sei es aber nicht getan, so Merk weiter. Denn wenn man derartige Luftreiniger in die vorherrschende Altbausubstanz der Schulen im Landkreis integrieren wolle, dann „reden wir auch über aufwändige Bauarbeiten, über Wanddurchbrüche und Verkabelung“, meint der Kreiskämmerer. Daher rechne er mit Kosten von 4000 bis 6000 Euro pro Klassenzimmer – insgesamt also für die rund 450 Räume mit einer Summe von 2,5 Millionen Euro.

„Wenn jetzt der Freistaat ein seriöses Förderprogramm in dieser Sache auflegen würde – und da reden wir von Zuschüssen im Bereich zwischen 50 und 80 Prozent“, so Merk, dann könne man die Sache prinzipiell sicher angehen, selbst wenn die generelle Wirksamkeit dieser Luftreinigungsanlagen unter Experten immer noch umstritten sei. Dann würde man eine entsprechende Beschlussvorlage in den Kreistag einbringen, der müsse entscheiden. Und selbst wenn das Gremium grünes Licht geben würde, „braucht man sich keine Illusionen zu machen, dass die Luftreiniger anschließend binnen weniger Wochen eingebaut sein können“, so Merk weiter.

Kritik an Södervorschlag: Luftreiniger ja, aber dann muss der Freistaat aufkommen

Beschaffungen dieser Größenordnungen müssen europaweit ausgeschrieben werden. Das dauere Monate. Zudem brauche man Firmen, die die Montage übernehmen. „Seriös wäre, wenn man sagt, dass die entsprechenden Anlagen dann eventuell im kommenden Sommer – also 2022 – eingebaut werden könnten“, so der Kämmerer.

Selbst dann wäre noch unklar, wer die laufenden Kosten für Strom, Wartung und Reinigung der Luftfilter übernehmen würde. „In Bayern gilt nach wie vor das Konnexitätsprinzip“, so Merk knapp im Gespräch mit der Heimatzeitung. Will meinen: Wenn Ministerpräsident Söder wünsche, dass in allen Schulen Luftreiniger installiert werden, müsse der Freistaat auch die dafür anfallenden Kosten übernehmen.

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