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Dreigesang der frechen Art: (v.l.) Burgi, Bärbi und Moni Well am Freitagabend im Weilheimer Stadttheater. 

„Wellküren“ im Stadttheater

Stubnmusi gegen die Idiotisierung

Die „Wellküren“ präsentierten sich im ausverkauften Stadttheater  witzig und bissig wie eh und je. Sie machten quasi Stubnmusi gegen die Idiotisierung.

Weilheim – Dass die Damen auch nach 32 Jahren auf der Bühne nichts von ihrer Schlagkraft verloren haben, muss „der Impresario“ als erster erfahren. Die gewohnt weit ausholende Begrüßung Wolfgang Ramadans, der sein Abo-Publikum auf die außerordentliche Qualität seiner Veranstaltungen im allgemeinen wie auf die kommenden Highlights im besonderen hinzuweisen pflegt, wird von einem Tuba-Ton aus der Kulisse recht unsanft unterbrochen. Darauf gibt Ramadan die Bühne frei. „Danke für dieses spitzenmäßige warm-up! Die Stimmung ist im Arsch…“ Einen Auftritt so zu eröffnen, das bringt nur Moni, die sprachgewaltigste der „Wellküren“, fertig. Dafür kennt und liebt sie das Publikum. Denn ihre ebenso flinke wie spitze Zunge verschont nichts und niemanden.

Eben dieser direkte Blick auf Geschehnisse in der nächsten wie näheren Umgebung, also etwa von Oberschweinbach bis nach Franken, und die schonungslose Benennung der Dinge, so wie sie nun mal sind, ist das Erfolgsrezept der Well-Schwestern: hinschauen, analysieren, kritisieren – ganz gleich ob es sich um einen Vorgang zuhause oder in der großen Politik handelt. Dem schnarchenden Gatten wird hier die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wie dem „Steigbügelhalter der AfD“ (Dobrindt) oder der wie ein Damoklesschwert über Bayern schwebenden Katastrophe eines fränkischen Ministerpräsidenten.

Während Moni den Hauptwortanteil bestreitet, sich gerne auch richtig in Rage redet, ist Bärbi die Sanfte, die Diplom-Sozialpädagogin, die für alles und jedes die passenden Globuli parat hat, und Burgi die Pragmatische, Ausgleichende, die die Enkelkinder mit Schweinsbraten beglückt („weil die geh’n auf die Waldorfschul“) und die aufbrausende kleine Schwester auszubremsen versucht. Und wenn diese ihr beim vorsichtigen Versuch, zwischendrin auch mal zu Wort zu kommen, sofort über den Mund fährt, nimmt sie das in stoischer Gelassenheit hin. Man könnte sich vorstellen, dass die Rollenverteilung zuhause in der Großfamilie Well schon vor 50 Jahren so ausgesehen hat.

Die Musik, genauer die Stubnmusi, sei das einzige Mittel der Eltern Hermann und Gertraud gewesen, um die 15-köpfige Kinderschar zu bändigen, erzählen die Schwestern. Und so können diese alle singen und etliche Instrumente spielen. Stubenmusik eigne sich sogar als Verhütungsmittel, hätten die Eltern gemeint. „Do hob i ma denkt: Die miassn’s ja wissn“, so Monis sarkastischer Kommentar. Aber auch als Reaktion auf den Rechtsruck sei sie das probate Mittel: STUGIDA – also „Stubnmusi gegen die Idiotisierung des Abendlandes“ – lautet die Lösung. Wenn man althergebrachte bayerische Weisen mit kritischen, frechen Texten so umwerfend präsentiert, wie das die „Wellküren“ fertigbringen, dann mag man der harmlosen Stubnmusi tatsächlich eine Sprengkraft zutrauen.

Im ausverkauften Weilheimer Stadttheater geht das Publikum jedenfalls begeistert mit. Obwohl die „Wellküren“ eigentlich gar nicht mehr nach Weilheim kommen wollten. Beim letzten Gastspiel hier, vor drei Jahren, seien ihnen während des Auftritts hinter der Bühne die Geldbeutel gestohlen worden. „Aber ihr ward’s es ja net, ihr ward’s ja herin“, beschwichtigt Moni. Und so bleibt die Stimmung ungetrübt; die ehrlichen Weilheimer dürfen sich über die grandiose Bearbeitung der Klaviersonate A-Dur („Die hot der Mozart unsrer Mutter in Salzburg selber geb’n“) ebenso freuen wie über ein Potpourri, das vom Bayrischen Defiliermarsch über Beethovens Fünfte bis zur Bayernhymne reicht.

Als die unvermeidlichen Nonnentrompeten „La Paloma“ anstimmen, tobt der Saal. Das grandiose „Stubn-Musical“, das Bayern zeigt, wie es war, ist und vielleicht sein wird, setzt noch eins drauf: Während sich die Alpha-Männer der CSU gegenseitig demontieren, eröffnet die Ilse das nächste Münchner Oktoberfest. O’zapft is!

Nächster Termin

beim „Kabarett-Abo“ im Weilheimer Stadttheater: Henning Venske mit „Summa Summarum“ am Freitag, 23. März, 20 Uhr. • Außer der Reihe präsentiert Veranstalter Wolfgang Ramadan am Freitag, 23. Februar, 20 Uhr, im Stadttheater einen Abend mit Autor Andreas Altmann und der Express Brass Band: „Gebrauchsanweisung für das Leben“. Karten gibt’s beim Medienhaus-Ticketservice in der Sparkasse am Weilheimer Marienplatz (0881/686-11) sowie im Internet unter www.kartenengl.de.

Sabine Näher

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