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Wenn die Umfahrung durchs Dorf geht

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Von: Kathrin Hauser

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Eine Frau mit Kinderwagen steht am Straßenrand und wartet.
Langes Warten an der Straße gehört derzeit zum Alltag in Hohenpeißenberg. © ralf ruder

Weil die Hohenpeißenberger Umfahrung erneut gesperrt werden musste, damit dort der rutschende Hang befestigt werden kann, rollen Lastwagen, Autos und Motorräder nun wieder mitten durch den Ort. Ein Besuch in dem verkehrsgeplagten Dorf.

Die junge Frau steht und steht und steht. Und wartet. Das einzige, was sich bewegt, ist ihr Kopf, den sie mal nach rechts, mal nach links wendet. Sie hält den Griff des Kinderwagens, in dem ihre kleine Tochter sitzt, fest umklammert. Autos, Lastwagen und Motorräder rauschen von rechts und links an den beiden vorbei. Es ist laut. Die Fahrzeuge sind wie an einer Perlenkette aufgezogen. Nur selten gibt es eine Lücke. Juliane Waimann weiß, dass sie noch eine Weile an der Hauptstraße in Hohenpeißenberg warten muss, bis sie die Straße überqueren kann. „Es ist furchtbar“, sagt sie. Sie muss fast schreien, um den Verkehrslärm zu übertönen. „Wir brauchen meist mindestens eine viertel Stunde, wenn wir über die Straße wollen.“

Waimann und ihre Familie sind besonders betroffen, weil sie direkt an der Hauptstraße in Hohenpeißenberg leben. „Es ist echt abartig und eine große Belastung“, sagt sie. Auf der Straße rollt der Verkehr unterdessen weiter. Lastwagen, Wohnmobile, Motorräder, Autos aller Fabrikate und Hersteller. Viele kommen aus dem Landkreis, sehr viele aus anderen Regionen. Die Fahrzeuge sind wie an einer Schnur aufgereiht. Ein ständiges Brummen, Auf- und Abschwellen des Motorlärms liegt in der Luft. Es stinkt nach Abgasen. Nur selten reißt der Fahrzeugstrom von einer Seite ab. Noch seltener kommt weder von rechts noch von links ein Auto. Dann herrscht kurze, wohltuende Stille.

Diese sei bis vor ein paar Wochen, bis die B472 erneut gesperrt werden musste, die Regel gewesen, sagt Waimann. „Wenn die Umgehung geöffnet ist, dann ist es hier angenehm“, sagt sie. Sie hoffe darauf, dass die Bauarbeiten bald abgeschlossen seien und der Verkehr wieder auf die Umfahrung zurückgeleitet werden könne. „Damit wir mal wieder etwas anderes hören als das hier“, sie macht eine Bewegung Richtung Straße. Dann geht Waimann weiter, Richtung Ortsmitte. Sie will es an anderer Stelle versuchen, über die Straße zu kommen.

Stephan Fendl hat es schon geschafft. Er hat die Straßenseite bereits gewechselt. Er wohnt im „Schächen“ und spaziert gerade mit seinem Hund Filou an der Hauptstraße entlang Richtung Bahnhofstraße. „Man merkt es gewaltig, dass die Umgehungsstraße gesperrt ist. Es ist wirklich krass. Es ist extrem laut.“ Er habe den Straßenlärm nicht nur vor sondern auch in seiner Wohnung. Dort mit offenem Fenster telefonieren oder sich unterhalten zu wollen: „keine Chance“, sagt Fendl. Immerhin ebbe der Verkehr nachts ein wenig ab. „Es ist im Grunde eine Katastrophe“, sagt er.

Ein Mann steht am Straßenrand und hält einen Hund auf dem Arm.
Die Anwohner leiden unter dem vielen Verkehr in Hohenpeißenberg. © ralf ruder

Vor drei Jahren ist er hierher an die Hauptstraße in Hohenpeißenberg gezogen, nachdem er viele Jahre in München gelebt hatte. Dort sei es im Vergleich zu dem, was er hier vor der Haustür habe, ruhig gewesen. Kurz nach dem Umzug sei die Umgehungsstraße von Hohenpeißenberg für den Verkehr freigegeben worden. „Das war super“, sagt Fendl. Die Lage der Wohnung in Hohenpeißenberg mit Bergblick sei abgesehen vom Straßenlärm und -gestank, die derzeit beherrschend sind, „ein Traum.“

Wenn es Fendl zu laut wird, dann flüchtet er in seinen Wohnwagen, der auf einem ruhigen Campingplatz steht. Er habe sich noch an die Zeiten erinnert, in denen es die Umfahrung nicht gab, „aber, dass es so krass wird, damit habe ich nicht gerechnet.“ Nachdem die Umfahrung nur relativ kurze Zeit offen war, bevor es die ersten Schäden gab, fürchtet er immer wieder Komplettsperrungen für die Zukunft. Das einig Gute sei, dass Filou, der erst ein paar Wochen alt ist, gut an Verkehrslärm gewöhnt habe und nicht schreckhaft sei. Dann geht er mit Filou weiter. Weg von der Straße, den Ohren mal ein paar Augenblicke Ruhe gönnen.

Nur der große Holz-Obelix liegt wie immer gemütlich vor dem Rathaus an der Hauptstraße im Gras und lässt die Autos, Lastwagen, Wohnmobile und Motorräder gelassen an sich vorbeiziehen. Ihm scheint die zusätzliche Verkehrslast nichts auszumachen Er hat – Lärm und Gestank zum Trotz – die Arme hinter dem Kopf verschränkt – und schläft.

Auf der Hauptstraße fließt der Verkehr weiter. Es brummt und vibriert, als ein ein großer Lastwagen vorbeizieht. Er überholt einen der wenigen Radler, die heute dort fahren. Der Radfahrer sieht neben dem Lastwagen aus wie ein Winzling. „Wir haben viel Verkehr momentan“, sagt auch Petra Sprenger-Prestele. Sie wohnt in Hohenpeißenberg und muss, wenn sie in den Ortskern fahren möchte, von einer Nebenstraße auf die Hauptstraße einbiegen. „Da stehe ich zurzeit oft ewig“, sagt sie. Vor allem im Feierabendverkehr sei es eine Katastrophe. Wenn die Umgehungsstraße nicht gesperrt sei, sei es kein Problem, auf die Hauptstraße einzubiegen.

Alle hoffen auf ein baldiges Ende der Bauarbeiten auf der Umfahrung, die wegen eines ins Rutschen geratenen Hanges nun für mehrere Wochen voll gesperrt war. Ende der Woche soll die Straße wieder freigegeben werden. „Dann kehrt endlich wieder Ruhe ein“, sagt Waimann.

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