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Rot markiert der grobe Umriss des Bebauungsplans „Leprosenweg II – Erweiterung Nord“, der bis zur Bahnlinie westlich der Kohlwinklstraße reicht.
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Um dieses Areal geht es: Rot markiert der grobe Umriss des Bebauungsplans „Leprosenweg II – Erweiterung Nord“, der bis zur Bahnlinie westlich der Kohlwinklstraße reicht.

Erweiterung Leprosenweg-Nord

Weilheim: Widerstand gegen neue Gewerbeflächen bei Unterhausen

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Rund 25 000 Quadratmeter zusätzliche Gewerbeflächen will die Stadt Weilheim nördlich des Gewerbegebietes Leprosenweg schaffen. Doch gegen das Ausmaß der Pläne regt sich Widerstand von Anwohnern aus Unterhausen.

  • Die Stadt Weilheim weist derzeit 25.000 Quadratmeter neue Gewerbeflächen bei Unterhausen aus
  • Gegen den Bebauungsplan-Entwurf gibt es Proteste von Anwohnern
  • Im September wird darüber im Bauausschuss diskutiert

Weilheim – Schon 2015 hat der Weilheimer Stadtrat beschlossen, das bestehende Gewerbegebiet am Leprosenweg – in dem sich unter anderem der Wertstoffhof befindet – nach Norden zu erweitern und dafür einen Bebauungsplan aufzustellen. Anlass, so erinnert man sich im Stadtbauamt, war damals eine Bauanfrage, ob in diesem Bereich eine Unterkunft für Asylbewerber möglich wäre. Dafür sei ein Gewerbegebiet der falsche Standort, so waren sich die Lokalpolitiker einig und wollten per Bebauungsplan regeln, was dort möglich ist und was nicht. Doch dann herrschte erst mal „relativ lange Ruhe“ um das Areal, sagt Bauamts-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer. Erste Bau-Interessenten seien zwischenzeitlich wieder abgesprungen.

Ein Investor hat die Grundstücke gekauft

Nun gebe es aber einen Investor, der die beiden Grundstücke nördlich der Firma „Dr. Müller Diamantmetall“ gekauft habe und verwerten wolle. Insgesamt geht es um rund 25.000 Quadratmeter, von denen laut Kirchmayer 80 Prozent möglicher Baugrund sind. 70 Prozent dieser Fläche wiederum könnten mit Gebäuden bebaut werden. Ob es sich bei dem Investor um „Dr. Müller Diamantmetall“ handelt, verrät die Stadt nicht. Das Unternehmen selbst hat auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung nicht reagiert.

Das dürfte Sie auch interessieren: Auch hier in Unterhausen soll gebaut werden

Deutliche Reaktionen gibt es hingegen aus Weilheims Ortsteil Unterhausen, auf dessen Flur das Areal liegt. Nachdem der Stadtrat im November 2019 den Planentwurf für den Bebauungsplan „Leprosenweg II – Erweiterung Nord“ gebilligt hat, läuft derzeit die Beteiligung der „Träger öffentlicher Belange“ und der Bürger. Und unter den Anwohnern der Kohlwinklstraße, deren Grundstücke nur durch die Bahnlinie Weilheim-Augsburg von den zusätzlichen Gewerbeflächen getrennt sind, formiert sich Widerstand gegen die Pläne.

So sieht es derzeit aus: Blick vom Balkon eines Hauses an der Kohlwinklstraße auf das Feld, das Gewerbefläche wird. Links sind Gebäude von „Dr. Müller Diamantmetall“.

„Wir leben hier. Tag und Nacht. Ein Leben lang“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Betroffenen an die Stadt. Der Entwurf schaffe es nicht, den „durch die Planung ausgelösten Konflikt zwischen einer bereits bestehenden schutzwürdigen Wohnbebauung und einer ,neu herangeplanten’ Gewerbebebauung“ zu bewältigen, so monieren die Anwohner. Und weiter: „Es drängt sich fast die Vermutung auf, dass das Interesse eines Grundstückseigentümers, sein erworbenes Grünland als Gewerbegrund gewinnbringend zu vermieten oder zu verkaufen, unangemessen hoch in die Abwägung eingestellt worden ist.“

An Gewerbeflächen grenzt ein Biotop

Einer der Betroffenen ist Hans-Peter Mascha, der seit 24 Jahren mit seiner Familie an der Kohlwinklstraße wohnt. Dass es Erweiterungspläne für das Gewerbegebiet gibt, sei zu erwarten gewesen, sagt Mascha im Gespräch mit unserer Zeitung. Er kritisiert aber, dass es dabei nicht nur um die bestehende Kiesfläche direkt neben „Diamantmetall“ gehe, sondern auch das „ganze benachbarte Feld weggebaggert werden soll“ – an welches übrigens ein Biotop angrenzt.

Auch die Ausmaße der geplanten Gewerbebauten seien zu groß. Mascha wehrt sich – wie auch zahlreiche Nachbarn – gegen die „beinahe maximale Flächennutzung (70 Prozent bebaut, 90 Prozent versiegelt)“ und Giebelhöhen von 11,70 Metern: Der vorgesehene, rund drei Meter hohe Lärmschutzwall könne da kaum Wirkung zeigen. Dagegen wäre für den Anwohner eine eingeschossige Bebauung wie beim bestehenden Bürotrakt von „Dr. Müller Diamantmetall“ ein tragbarer Kompromiss. Stadtbauamts-Mitarbeiter Kirchmayer verweist dagegen auf die benachbarte Lagerhalle dieses Betriebs und das etwas weiter entfernte Post-Gebäude – und betont: Deren Wandhöhen würden auch bei den geplanten Neubauten nicht überschritten.

Anwohner monieren Fehler im Bebauungsplan

Ein weiterer Kritikpunkt der Anlieger, von denen mittlerweile an die 60 auf einer Unterschriftenliste unterschrieben haben: Im jetzigen Bebauungsplan-Entwurf seien „etliche Fehler“. Kirchmayer räumt auf Anfrage unserer Zeitung ein, dass es „ein paar Unzulänglichkeiten und Ungenauigkeiten“ darin gebe, diese würden im weiteren Verfahren ausgemerzt. Auch aus einem Gespräch mit Anwohnern, das Ende Juli vor Ort stattgefunden hat, werden sich laut Stadtbauamt „einige Modifizierungen in der Planung ergeben“. Der Bauausschuss des Stadtrates wird sich voraussichtlich in der September-Sitzung mit den Stellungnahmen zum Bebauungsplan-Entwurf befassen.

Lesen Sie auch: Das nächste Gewerbegebiet schon im Blick

Ob dabei auch grundsätzliche Zweifel der betroffenen Unterhausener thematisiert werden, ist allerdings fraglich. In Weilheim sei insgesamt eine „massive Versiegelung von Flächen“ festzustellen, „die eigentlich nicht benötigt werden“, sagt Mascha mit Verweis auf leer stehende Gebäude in anderen Gewerbegebieten. Dennoch werde eine weitere Entwicklung nördlich des Leprosenwegs nicht zu verhindern sein, weiß der Anwohner: „Aber es geht um eine Lösung, mit der alle leben können.“

Die Unterlagen

zum Bebauungsplan „Leprosenweg II – Erweiterung Nord“ liegen noch bis zum 20. August zur Einsichtnahme im Stadtbauamt aus. Interessierte können dafür unter Telefon 0881/682-421 einen Termin vereinbaren

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