Riesenandrang herrschte zwischenzeitlich an der zentralen Teststation auf dem Volksfestplatz in Weilheim. Sie wird von der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH betrieben
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Riesenandrang herrschte zwischenzeitlich an der Zentralen Teststation auf dem Volksfestplatz in Weilheim. Sie wird von der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH betrieben.

Landkreis Weilheim-Schongau verlängert Verträge

Wie geht’s weiter mit dem Impf- und dem Testzentrum?

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
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Die vierte Welle rollt und spätestens mit dem Schulbeginn in der kommenden Woche ist zu befürchten, dass die Infektionszahlen im Landkreis weiter steigen. Die Zukunft des Test- und des Impfzentrums war allerdings lange unklar. Jetzt herrscht endlich Klarheit.

Landkreis – Zuletzt wuchs im Impfzentrum in Peißenberg die Nervosität. Der Vertrag, den der Landkreis mit dem Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Oberbayern zur Betreibung des Impfzentrums geschlossen hatte, sollte Ende September auslaufen. Für die Mitarbeiter eine schwierige Lage, wie der Leiter des Impfzentrums, Christian Achmüller, bereits vor einigen Wochen sagte. Denn niemand wusste, ob, wie und wie lange es weitergeht, ob er ab Anfang Oktober noch einen Job hat oder nicht.

Mittlerweile ist die Vertragsverlängerung allerdings unter Dach und Fach gebracht worden. Das bestätigte Kreiskämmerer Norbert Merk auf Anfrage der Heimatzeitung. „Der Vertrag wurde in der vergangenen Woche unterzeichnet und läuft bis zum 30. April 2022“, so Merk. An Standort und Angebot in Peißenberg soll sich seiner Aussage nach nichts ändern, auch die Konditionen hätten sich nicht geändert. Will meinen: Das Impfzentrum in Peißenberg bleibt geöffnet, parallel dazu entsenden die Johanniter auch weiterhin ihre mobilen Impfteams. Diese sollen in den kommenden Wochen verstärkt die Drittimpfungen besonders gefährdeter Bewohner in den Senioren- und Pflegeeinrichtungen des Landkreises durchführen, aber auch „niederschwellige“ Impfangebote unterbreiten.

Derartig „niederschwellige“ Angebote sind einerseits die Impfaktionen in einzelnen Gemeinden wie am Samstag in Ingenried. „Niederschwellig“ soll aber auch das Angebot in Penzberg sein, wo die Johanniter in der Stadthalle neben einer Teststation auch eine Impf-Außenstelle betreiben. In der Hoffnung, dass sich der eine oder andere, der zum Test will, spontan umentscheidet und impfen lässt.

Eine genaue Impfquote für den Landkreis lässt sich nicht benennen. Das liegt daran, dass nur Impfzentrum und niedergelassene Ärzte verlässlich ihre Impfzahlen an das Landratsamt melden. Werden Menschen hingegen vom Betriebsarzt oder außerhalb des Landkreises geimpft, tauchen sie nicht zwangsläufig in der Statistik des Landratsamtes auf. So lässt sich nur mit Sicherheit sagen, dass (Stand gestern) durch das Impfzentrum in Peißenberg 40 339 Erstimpfungen durchgeführt wurden. 37 199 Menschen erhielten bereits ihre Zweitimpfung. Und seit Montag wurden die ersten 58 Auffrischimpfungen durchgeführt. Bei den niedergelassenen Ärzten im Landkreis waren es 138 Drittimpfungen. Sie haben 37 425 Menschen vollständig geimpft.

Derzeit hat die Nachfrage nach Corona-Impfungen im Landkreis stark nachgelassen. Experten rechnen allerdings damit, dass die Zahl der Impfwilligen Anfang Oktober wieder zunehmen wird.

Denn ab dann müssen Ungeimpfte nach derzeitigem Stand der Planungen die vorgeschriebenen Corona-Tests aus eigener Tasche bezahlen. Wie genau das ablaufen soll, ist nach Recherchen der Heimatzeitung bislang allerdings noch vollkommen unklar.

Kurz nach Aufgabe der Impfpriorisierung standen die Menschen Schlange vor dem Impfzentrum in Peißenberg, um sich ihre Corona-Impfung geben zu lassen.

Fakt ist allerdings, dass das Bayerische Testzentrum auf dem Volksfestplatz in Weilheim noch bis mindestens Ende des Jahres weiterbetrieben wird. Kreiskämmerer Norbert Merk bestätigte auf Anfrage der Heimatzeitung, dass die Verträge mit der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH, die das Testzentrum betreibt, vorerst bis zum 31. Dezember laufen. Bis dahin sollen dort sowohl PCR- als auch Schnelltests angeboten werden.

„Da die kalte Jahreszeit vor der Tür steht, haben wir drei neue Container beschafft, damit die Tests im Warmen stattfinden können“, so Merk. Wie das genau ablaufen soll, konnte er allerdings nicht sagen. Auch Isa Berndt, die Pressesprecherin der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH, war bei diesem Thema überfragt. Allerdings berichtete sie, dass auch beim Testzentrum am Schongauer Krankenhaus, das derzeit in Zelten unter freiem Himmel eingerichtet wurde, mittlerweile Überlegungen laufen, wie man die Mitarbeiter vor den kalten Temperaturen in Herbst und Winter schützen kann. „Die geltenden Regeln sind eindeutig“, so Berndt. Und diese besagen, dass den Mitarbeitern eine Arbeitstemperatur zwischen 15 und 30 Grad garantiert werden muss. Die „wilden“ Zeiten aus dem vergangenen Herbst und Winter, als die Mitarbeiter teils bei klirrender Kälte das Testzentrum im Freien betrieben haben, sind offenbar vorbei.

Vollkommen unklar ist derweil weiter, wer ab 1. Oktober für einen Test bezahlen muss und wer nicht. Auch die Höhe der zu erwartenden Kosten und die Abrechnungsmodalitäten sind noch völlig offen. Fakt ist aber, dass jeder, der nicht geimpft ist und Veranstaltungen in Innenräumen besuchen möchte, in denen die 3G-Regel gilt, einen aktuellen Test vorlegen muss, den er selbst bezahlt hat – auch beim Restaurant- oder Kneipenbesuch.

Wie bei so vielen Regeln in Zeiten der Corona-Pandemie ist auch hier noch alles im Fluss. Übrigens auch bei den Vertragsverlängerungen zum Impf- und zum Testzentrum. Denn Kreiskämmerer Norbert Merk gibt offen zu, in beide Verträge einen „Notausgang“ eingebaut zu haben. Bislang streckt der Landkreis die Kosten für Impf- und Testzentrum zwar vor, holt sich das Geld dann allerdings vom Freistaat zurück. Dabei handelt es sich um erhebliche Summen. So heißt es, dass allein für das Impfzentrum und seine Mitarbeiter rund eine halbe Million Euro pro Monat fällig werden. Sollte der Freistaat nun aus der Finanzierung aussteigen, kann der Landkreis die Notfallklausel in den Verträgen ziehen und die Einrichtungen notfalls auch kurzfristig dichtmachen.

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