Lange Autoschlangen bilden sich derzeit wieder an der zentralen Teststation auf dem Volksfestplatz.
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Lange Autoschlangen bilden sich derzeit wieder an der zentralen Teststation auf dem Volksfestplatz.

Weilheim-Schongau

Seit Samstag: Corona-Tests wieder gratis - großer Ansturm auf Teststationen

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
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  • Theresa Kuchler
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Seit Samstag gibt es wieder kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger. Das sorgt für einen Ansturm an den Teststationen.

Landkreis – Diesen Anblick gab es schon länger nicht mehr an der Zentralen Teststation des Freistaats Bayern auf dem Weilheimer Volksfestplatz: Auto reiht sich an Auto. Der Bedarf an PCR- und Schnelltests ist immens. Das liegt an der vierten Corona-Welle, die derzeit so schlimm im Landkreis wütet wie noch nie, aber auch daran, dass zumindest die Schnelltests für die Bürger wieder kostenlos sind.

„Wir haben heute 188 Leute durchgeschleust“, sagt der verantwortliche Arzt an der Teststation, Dr. Wilhelm Fischer, auf Anfrage der Heimatzeitung. Darunter seien 57 kostenlose Schnelltests gewesen. Diese seien organisatorisch vergleichsweise einfach abzuwickeln. Kompliziert sei es indes bei den 131 PCR-Tests, die gestern genommen wurden.

Unüberschaubar ist, wann ein Anrecht auf einen kostenlosen PCR-Test besteht - Kontrolle raubt Zeit

„PCR-Tests werden hier nur von Menschen genommen, die keine Symptome aufweisen. Und nur dann, wenn sie für die Patienten kostenlos wären“, so Fischer. Wer also einen PCR-Test für den Diskobesuch braucht, den schicken die Mitarbeiter des Testzentrums weg. Ansonsten gäbe es mittlerweile eine unüberschaubare Zahl an Regeln und Vorschriften, wann jemand Anrecht habe, sich kostenlos PCR-testen zu lassen. „Wir müssen bei jedem einzelnen nachprüfen, ob eine Berechtigung vorliegt“, so der Arzt weiter. Das dauere deutlich länger als zuvor.

Auch die Labors arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Das liegt auch daran, dass die Quote der positiven PCR-Test-Ergebnisse deutlich höher liegt als noch im Sommer. „Damals, als sich alle Reiserückkehrer gratis PCR-testen lassen konnten, waren rund zwei Prozent der Ergebnisse positiv. Heute sind es rund 30 Prozent“, so Fischer weiter.

In Apotheken ist die Nachfrage nach Tests stark gestiegen - auch seitens Geimpfter

Seit der Neuauflage der kostenlosen Corona-Bürgertests ist der Andrang auf das Testangebot in den Apotheken gestiegen. Von „massiv mehr Tests“ spricht Dr. Philipp Kircher, Apothekensprecher des Landkreises, im Vergleich zu den Vorwochen. Als die Antigen-Schnelltests am 11. Oktober kostenpflichtig wurden, haben sich plötzlich deutlich weniger Probanden auf das Virus testen lassen. „Jetzt geht es Schlag auf Schlag wieder hoch“, schildert Kircher die Nachfrage seit dem Wochenende. Allein in der von ihm betriebenen Teststation in Peißenberg seien am Samstag 100 bis 200 Schnelltests durchgeführt worden. „Der Preis ist also definitiv ein ausschlaggebendes Argument.“ Vor allem kämen nun wieder diejenigen zum Testen, die Gewissheit darüber haben wollen, das Virus nicht weiterzugeben – wobei der Impfstatus keine bedeutende Rolle spielt.

Kircher zufolge seien unter den Probanden nämlich sehr viele Immunisierte, „vor allem welche im gehobenen Alter“, die schlichtweg einen Impfdurchbruch befürchten. Hinzu kommen freilich die Menschen ohne Impfung, die für die Arbeit oder Freizeitaktivitäten einen offiziellen Antigen-Schnelltest mit negativem Ergebnis vorlegen müssen.

Wie oft sich jemand kostenlos testen lässt, ist kaum zu kontrollieren

Ob geimpft oder nicht: Jedem Bürger steht pro Woche mindestens ein kostenloser Antigen-Schnelltest zur Verfügung. In der Praxis ließe sich aber kaum kontrollieren, wie häufig sich eine Person tatsächlich testen lässt, so Kircher. „Dazu fehlt die technische Möglichkeit.“ Man müsse daher auf die Vernunft und Solidarität der Menschen vertrauen, das kostenlose Angebot nicht auszureizen.

Noch im Oktober wollten viele Apotheken ihr Testangebot deutlich reduzieren, nachdem die Nachfrage so drastisch zurückgegangen war. Nun müssen die Kapazitäten wieder hochgefahren werden. „Das ist für Apotheken schwieriger als für Testzentren“, weiß Kircher. Vor allem in Hinblick auf eine etwaige 2Gplus-Regel, bei der auch Geimpfte und Genesene ein negatives Schnelltest-Ergebnis vorlegen müssen, würde das eine hohe Belastung bedeuten. „Wenn jeder einen Test braucht, wird die Infrastruktur an ihre Grenzen kommen“, befürchtet der Apothekensprecher.

Noch keine Beschlüsse zur Ausweitung der Testoptionen im Landkreis

Das Landratsamt sieht die Lage derweil nach Aussagen der Pressestelle noch entspannt: „Derzeit bauen wir erst einmal auf die sofort verfügbaren Testangebote durch das bayerische Testzentrum, in den bestehenden Teststellen und in den Apotheken. Weitere Maßnahmen stimmen wir gerade in der Führungsgruppe Katastrophenschutz ab. Das kann auch eine Ausweitung der Testoptionen im Landkreis beinhalten. Konkrete Beschlüsse dazu sind aktuell jedoch noch nicht gefasst“, hieß es dazu gestern auf Anfrage. Aktuell bestehe damit „schon ein flächendeckendes Angebot an kostenlosen Bürgertestungen“. Jeder, dessen Schnell- oder Selbsttest positiv ist, habe Anspruch auf einen PCR- Test. Dieser könne entweder am Volksfestplatz oder aber auch beim Hausarzt durchgeführt werden – kostenfrei. Diese Testoption könne aktuell immer noch kurzfristig angeboten werden. Das Landratsamt wies darauf hin, dass man sich auch schon bei einem positiven Schnelltest in Quarantäne begeben muss.

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