Geplatzte Wasserleitungen sorgen für massive Schäden an vielen Häusern.
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Geplatzte Wasserleitungen sorgen für massive Schäden an vielen Häusern.

Myrjam Ochoa arbeitet für die Heimatzeitung, lebt aber seit Jahren in Houston

Winterchaos in Texas: Unsere Korrekturleserin berichtet

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Während die Menschen im Landkreis Weilheim-Schongau ein Bilderbuch-Wochenende bei herrlichstem Frühlingswetter erlebten, leiden Teile des Südens der USA unter vollkommen ungewohnter Eiseskälte. Mittendrin unsere Mitarbeiterin Myrjam Ochoa, die seit einigen Jahren in Houston/Texas lebt und von dort aus die Heimatzeitung Korrektur liest.

Landkreis/Houston – Normalerweise. Denn in dieser Woche musste sie gleich mehrfach absagen: die Kältewelle im normalerweise auch im Winter angenehm warmen Texas sorgte für Stromausfälle, Versorgungsengpässe und eingefrorene Wasserleitungen.

Stadt hat vor Stromausfällen gewarnt

Bereits Anfang letzter Woche schrieb sie an die Redaktion: „Bei uns ist hier der Winter eingebrochen, wir erwarten hier bis zu minus 12 Grad und bis zu 15 Zentimeter Schnee. Das ist für Bayern natürlich nicht wirklich viel, jedoch für hier äußerst ungewöhnlich. Hinzu kommt Eisregen. Da hier die Stromleitungen zumeist oberirdisch sind, hat die Stadt vor massiven Stromausfällen in den nächsten Tagen gewarnt. Nur um diese außergewöhnlichen Umstände mal einzuordnen: Die meisten Menschen hier haben noch nie solche Temperaturen erlebt haben und die wenigsten können sich überhaupt an Eis und Schnee erinnern – 2005 lag ein bisschen Schnee, vermutlich ein halber Zentimeter, 1973 und 1965 waren es knapp drei Zentimeter.

Hunderte Meeresschildkröten brachte man ins Warme.

Alle haben nur Sommerreifen und fahren auch sonst wie die Berserker, das gilt für ganz Texas. In Fort Worth im Norden, wo das Winterwetter eher ankam, gab es zahlreiche Unfälle mit mehr als 100 beteiligten Fahrzeugen, Toten und Verletzten.

Brücken und Straßen wurden gesperrt

Deshalb wurden nicht nur die Brücken und großen Straßen gesperrt, sondern auch die sogenannte ,Disaster Declaration’ ausgerufen. Die Häuser sind nicht wirklich für kalte Temperaturen gebaut, schon gar nicht in den ärmeren Vierteln. Die meisten Geschäfte, Restaurants, Unternehmen und die Schulen (Online-Unterricht findet statt) sind für die nächsten Tage geschlossen, Notfall-Nachrichten auf allen elektrischen Geräten warnen die Leute, alle Fahrten wenn möglich zu unterlassen. Die vielen Obdachlosen der Stadt konnten mit den Bussen umsonst Downtown fahren, wo das große Convention Center für die kommende Woche für sie geöffnet wurde und Schutz, Kleidung und Essen bietet. Die Obdachlosen hier besitzen hier meist nur Shorts, T-Shirt und Flip Flops.“

Myrjam Ochoa arbeitet von Texas aus für uns.

Es sah also schon vorher danach aus, dass es hart werden würde. Aber es kam noch härter. Am Freitag meldete sich unsere Mitarbeiterin noch einmal aus Houston: „Das Gröbste haben wir hier wohl überstanden. Der Strom ist zurück, zumindest hier im Haus, die Heizung geht wieder, nur das Internet noch nicht. Es ist mir aber gelungen, mich mit einem externen Anbieter zu verbinden. Aber noch immer haben Tausende hier seit Sonntag keinen Strom. Es ist noch immer bitterkalt. Jene, die Strom haben und jetzt heizen können, haben das Problem, dass nun die gefrorenen und dadurch geplatzten Wasserleitungen auftauen. Somit kommt nun das Wasserproblem, manche ersaufen förmlich darin, andere haben eben gar keines. Die Nationalgarde ist in Houston im Einsatz, verteilt kostenloses Trinkwasser.

Die Leute sind verzweifelt auf der Suche nach Läden, die warmes Essen anbieten konnten, oder zumindest einen heißen Kaffee. Die zuständige Energie-Firma hatte keine Vorsorge getroffen, Windräder, die rund zehn Prozent Anteil an der Energieproduktion hier in Texas haben, Solarpanels und selbst die fossilen Kraftwerke waren billig gebaut, ohne jeglichen Winterschutz.

Lange Schlangen bilden sich in Texas an den Trinkwasser-Ausgabestationen.

Besonders hart wird es jene Texaner noch im Nachhinein treffen, die einen ungünstigen Vertrag mit dem Energieanbieter haben. So gibt es viele, die keinen Festpreis haben, sondern bei denen sich der Preis sich am Markt orientiert. Das ist im Normalfall günstiger. Aber nun ist die Nachfrage hoch und das Angebot knapp. So gehen die Preise durch die Decke. Das kann durchaus mehrere tausend Dollar für eine Woche Strom ausmachen.

Im Zoo von San Antonio erfroren zahlreiche Primaten, den Farmern verdursten die Rinder, weil diese sich ganzjährig im Freien aufhalten – Seen und Tränke waren zugefroren. Räum- und Streufahrzeuge gibt es nicht, die Lebensmittelgeschäfte waren erst geschlossen, weil es keinen Strom gab, jetzt sind die Regale leer, weil die gesamte Kühl- und Tiefkühlware verdorben ist. Ein Bekannter von mir hat es perfekt beschrieben: „In Texas eine Energiekrise zu haben, ist, wie in einem übervollen Supermarkt zu verhungern“, schreibt Myrjam Ochoa.

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