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Sonnenanbeter: In einer Reihe genossen diese Störche in Weilheim die warmen Strahlen

Erstaunliche Beobachtung

Rund um Weilheim: Immer mehr Störche überwintern hier

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Der klassische Zugvogel war einmal: Immer mehr Störche verzichten auf den Flug in den warmen Süden und überwintern im Landkreis. Vogelschützer beruhigen: Die Tiere halten Kälte und Schnee aus.

Landkreis – Der Anblick hatte den Weilheimer Andreas Böttger so fasziniert, dass er am 30. Dezember sein Mobiltelefon zückte und eine Aufnahme von dem „einzigartigen Bild“ schoss: 13 Weißstörche hatten sich es sich auf dem Dach eines Bremicker-Betriebsgebäudes bequem gemacht. Störche sind derzeit im Landkreis kein seltener Anblick – trotz Winter.

Verzicht auf Flug in den Süden

Normalerweise verbringt der Weißstorch laut Landesbund für Vogelschutz (LBV) das Winterhalbjahr in Afrika. Als „Segelflieger“ ziehen die Vögel über die Türkei, Israel und Ägypten nach Ost- und Südafrika oder es geht über Spanien und Gibraltar nach Westafrika. Doch „das machen immer weniger“, sagt LBV-Storchenberater Wolfgang Bechtel aus Herrsching.

Nachfahren von Zuchtstörchen

Immer mehr Tiere schlagen sich in der Heimat durch. Circa 300 Störche überwintern im Freistaat, schätzt Bechtel. Tendenz steigend. Grund: „Das sind die Nachfahren von Zuchtstörchen.“ Die Tiere hätten keinen ausgeprägten Zugtrieb mehr. Bechtel spricht von einem „massiven Eingriff des Menschen“: Die Besucher belegen die guten Reviere, „Zugstörche haben das Nachsehen.“ Gefiederte Wintergäste leben meist rund um Weilheim und in Raisting, dank warmer Lagen und Grünland. „Bei Äckern ist es vorbei mit Störchen“, weiß der Fachmann. Im Altlandkreis Schongau überwintern sie „eher nicht“. Auf 16 bis 18 Tiere schätzt Bechtel die aktuellen Zahlen im Landkreis.

Bis zu 18 Tiere in Weilheim

Damit setzt sich eine Tendenz fort. Laut LBV überwinterten schon 2018/2019 ein paar Weißstörche in Polling, Weilheim und Raisting. Ende Februar kamen weitere Tiere an. Im Spätherbst machte Bechtel noch besonders viele Tiere aus. Um die 20 Vögel waren da, dazu einige Horstbesitzer. Kurze Zeit später sei eine Gruppe von bis zu 18 Tiere in Weilheim aufgetaucht. Nach Silvester zogen jedoch viele weiter. Der LBV-Berater weiß einen Grund: „Nach der Ballerei gibt es eine Verlagerung. Die Störche fühlen sich gestört.“

Ab 5. Januar wurden noch sechs Exemplare im Weilheimer Moos gesichtet. Laut Bechtel leben aktuell vier bis fünf Störche in Raisting sowie jeweils ein Paar in Weilheim, in Obersöchering, Oberhausen, im Pollinger Klosterhof sowie in Altenstadt und Bernbeuren. Dazu kommen mindestens vier Tiere in der Kreisstadt, die keinen Horst haben. Ob es bei dieser Population bleibt, sei unklar. „Das kann sich schnell verlagern.“

Kälte macht nichts aus

Generell macht der Winter den Tieren nichts aus. „Sie halten minus 20 Grad aus“, sagt Bechtel. Auch, weil Störche warme Schornsteine als Platz nutzen. Laut LBV können Störche Wärme besser speichern als kleinere Vogelarten. Grundsätzlich gibt der Landesbund Entwarnung: „In milden Wintern mit wenig Schnee beziehungsweise mäßigem Frost finden die Störche noch genügend Nahrung und können so auch die kalte Jahreszeit bei uns in Bayern gut überstehen.“ Auf die Reise in den Süden würden sich Weißstörche eh nur wegen der Nahrungsknappheit machen. Mäuse, Regenwürmer, Schnecken oder Fische stehen auf dem Speiseplan. Machen eine geschlossene Schneedecke und langer Frost das Leben schwer, reagieren Störche laut Bechtel flexibel: Die meisten Störche würden einfach etwas weiter in große Flussauen oder zum Bodensee, wo das Klima günstiger ist, ziehen. Deshalb erwartet er, dass die hiesige Population im Februar wegen der Witterung runter geht.

Familiensitz im Landkreis

Der Landkreis ist bei Störchen als Familiensitz gefragt: 2019 gab es laut Bechtel 24 Brutpaare mit 15 flüggen Jungen. Mit 16 Horstpaaren war Raisting die größte Weißstorch-Kolonie in Südbayern. Allerdings starben viele Küken bei dem Dauerregen im Mai (wir berichteten). Heuer wird der Experte gespannt schauen, „wie es mit den Ansiedlungsversuchen weiter geht“. Storchenpaare hatten dies erfolglos in Antdorf, Penzberg, Weilheim und Burggen versucht.

Lesen Sie auch: Traurige Entwicklung: Jungstörche sterben reihenweise - Experten kennen den Grund.

Ebenfalls interessant: Umsiedlung auf dem Dach des Stadttheaters: Kommt bald der Storchen-Nachwuchs?

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