Streiken unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen: Joachim Loch (links), Lokführer aus Weilheim, und seine Kollegen.
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Streiken unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen: Joachim Loch (links), Lokführer aus Weilheim, und seine Kollegen.

„Für unsere Fahrgäste tut es mir leid“

Lokführer aus Weilheim verteidigt den GDL-Streik: „Wir fordern nichts Unmögliches“

  • Elena Siegl
    VonElena Siegl
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Joachim Loch (35) aus Weilheim ist seit knapp sechs Jahren Lokführer. Er streikt unter anderem für ein besseres Gehalt und will auf die Arbeitsbedingungen aufmerksam machen.

Landkreis – Seinen Beruf, Lokführer, übt Joachim Loch aus Weilheim sehr gerne aus, betont er. Der 35-Jährige hat seine Ausbildung vor sechs Jahren gemacht, fährt seitdem Züge quer durchs Oberland und Tirol. Das vergleichsweise kleine Netz, auf dem er tätig ist, umfasst die Strecken München-Innsbruck, Tutzing-Kochel, Oberammergau-Murnau und Garmisch-Partenkirchen-Vils (Stadt). „In seinem Führerstand ist man sein eigener Chef und trägt die Verantwortung für die Fahrgäste“, beschreibt Loch, was ihm an seinem Beruf besonders gefällt.

Allerdings liege auch manches im Argen. Wie tausende andere Bahnangestellte, hat er seine Arbeit am Donnerstag darum erneut niedergelegt. „In diesen Tarifverhandlungen fordern wir nichts Unmögliches oder gar Unsummen“, sagt Loch. Als Mitglied der GDL stehe er ganz klar hinter der Gewerkschaft, die sich unter anderem für eine Lohnerhöhung um 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro einsetzt. „Wir möchten, dass uns unsere Betriebsrente nicht gekürzt wird, dass das Gehalt angemessen angepasst wird, wie es ja auch bereits im öffentlichen Dienst geschehen ist und, dass auf die Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht wird“, sagt Loch.

GDL-Streik: Jeder Arbeitstag beginnt für Lokführer zu einer anderen Zeit

Einen richtigen „Arbeitsalltag“ haben er und andere Lokführer nicht. Jeder Tag sehe anders aus, die Schichten beginnen ganz unterschiedlich zu jeder Tages- und Nachtzeit. Mal startet Loch in der Früh um 4, ein anderes Mal um 14 oder gar erst um 20 Uhr – oder zu ganz anderen Zeiten. „Es gibt keine Regelmäßigkeit, wie zum Beispiel eine Woche Frühschicht und eine Woche Spätschicht. Einen ordentlichen Schlafrhythmus bekommt man so leider nicht“, schildert Loch.

Für seine Schichten bekomme er eine Vorplanung für die kommenden sechs Wochen, in der alle Arbeitszeiten und freien Tage eingetragen sind. „Es gibt allerdings auch Schichten, die nicht vorab vergeben wurden, sondern erst ein paar Tage im Voraus mitgeteilt werden“, erklärt Loch. Immerhin um den Schichtplan herum lasse sich das Privatleben gut planen.

GDL-Streik: Tarifverträge für alle Bahnbeschäftigten

„Sollte allerdings mal etwas Unvorhersehbares geschehen, ist man in diesem Beruf immer darauf angewiesen, die Schichten mit einem Kollegen tauschen zu können“. Das sei nicht einfach. Ruhezeiten sowie die Schichten der Kollegen müssen schließlich berücksichtigt werden. „Ein großer Aufwand, der nicht immer umsetzbar ist, wie ich selbst schon erlebt habe, als ich zu einer Beerdigung musste“, sagt Joachim Loch.

Es sei wichtig, dass die Tarifverträge auch nicht nur für die Lokführer ausgehandelt werden, sondern für alle Arbeitnehmer im direkten Bahnbetrieb. „Egal ob die Mechaniker in den Werkstätten, die Rangierer, die Fahrdienstleiter, die Zugbegleiter und viele weitere – all diese Arbeitnehmer braucht es, um den Bahnbetrieb am Laufen zu halten und somit haben sie alle einen ordentlich ausverhandelten Tarifvertrag verdient“, sagt Joachim Loch. Er sei stolz „Teil einer so solidarischen und starken Gewerkschaft zu sein.“ Auch der Großteil seiner Kollegen stehe hinter den Forderungen der GDL. „Das sieht man unter anderem daran, dass sich tausende Mitglieder an den Streiks beteiligen und die Zustimmung bei der Urabstimmung lag immerhin bei 95 Prozent“, so Loch.

Lokführer kann Ärger von Fahrgästen nachvollziehen

Den Ärger der Fahrgäste über den Streik, vor allem von Pendlern, kann er nachvollziehen. „Unser Ziel ist definitiv nicht unseren Fahrgästen hier in irgendeiner Weise Unannehmlichkeiten zu bereiten aber als Arbeitnehmer bleibt mir nun mal nur meine Arbeitskraft, die ich niederlegen kann“, sagt Loch. Dies bedeute im Umkehrschluss leider, dass sich Züge verspäten oder ausfallen.

Joachim Loch hat von Fahrgästen, mit denen er während den beiden Streikwellen gesprochen hat, aber auch viele positive Rückmeldungen bekommen. „Fahrgäste, die auf uns zukommen und sich dafür interessieren, warum wir streiken, zeigen doch sehr schnell Verständnis für die gesamte Situation“, sagt Loch. Das Unverständnis vieler komme aus seiner Sicht durch eher einseitige Berichterstattung und negative Schlagzeilen über den GDL-Bundesvorsitzenden Klaus Weselsky und die Lokführer zustande, die „ja bloß mehr Geld wollen“, wie es oft heiße. Allerdings bestehe die GDL bei weitem nicht nur aus Lokführern. Auch die Forderungen sind umfassender. Loch: „Wie gesagt, für unsere Fahrgäste tut es mir Leid, aber würden sie alle in dieser Situation sein, würde wahrscheinlich jeder von Ihnen dasselbe tun.“

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