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Symbolfoto.

Aktuelles Interview mit Dr. Karl Breu

„Wir müssen den Hausarzt-Bereich stärken“

Landkreis – Laut Ärzteatlas liegt die Versorgung des Landkreises mit Medizinern weit über dem vorgeschriebenen Maß. Trotzdem gibt es – gerade bei Fachärzten – Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr. Darüber haben wir mit Dr. Karl Breu, dem Vorsitzenden des ärztlichen Kreisverbandes, gesprochen.

Wer legt eigentlich die Kriterien für den Versorgungsgrad an Ärzten fest?

Dr. Karl Breu: Grundlage ist die die Bedarfsplanungsrichtlinie, so heißt das offiziell, nach der die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) in Abstimmung mit den Krankenkassen den Plan für Bayern festlegt. Die Richtlinie gibt es seit 1990, damals gab es eine Ärzteschwemme. Ziel war, die Zulassung zu begrenzen.

Laut den aktuellen Zahlen ist der Landkreis bestens versorgt mit Haus- und Fachärzten, tatsächlich aber müssen Patienten bisweilen monatelang auf einen Termin beim Facharzt warten. Wie erklären Sie sich das?

Breu: In unserem Landkreis haben wir statistisch in allen Bereichen eine Überversorgung. Ein Beispiel: Die Versorgung bei uns im Landkreis mit Psychotherapeuten liegt statistisch bei über 210 Prozent, trotzdem dauert es bis zu einem halben Jahr für ein Erstgespräch. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) hat darauf reagiert, jetzt gibt es wenigstens innerhalb von drei Monaten ein Erstgespräch – allerdings nicht mehr unbedingt im selben Landkreis. Da kann es passieren, dass ein Burggener nach Garmisch-Partenkirchen fahren muss. Das geht eigentlich nicht. Aus diesen Gründen sind sich alle Fachleute und auch der Gesetzgeber einig, dass diese Bedarfsplanungsrichtlinie überarbeitet werden muss. Der Gesundheitsminister hat jetzt den Auftrag dafür erteilt.

Wie beurteilen Sie persönlich die Lage, wo gibt es Probleme?

Breu: Probleme macht besagte Richtlinie. Tatsache ist, dass die Bevölkerung immer älter wird und daher die ärztliche Behandlung immer intensiver werden muss. Außerdem wird die Medizin weiblicher. Bei den jungen Ärzten gibt es schon heute mehr Frauen, das tut der Medizin gut. Gleichzeitig braucht es neue Arbeitszeitmodelle. Gerade jene die Kinder haben, wollen nicht mehr als Hausärztin 70 Stunden pro Woche arbeiten oder im Krankenhaus Bereitschaftsdienste schieben. Die haben – wie auch unsere jungen Kollegen – eine andere Lebensplanung. Noch gibt es genügend Hausärzte, auch auf dem Land. Aber der Altersdurchschnitt der Hausärzte liegt bei 56 Jahren. Und in Zukunft wird es immer schwieriger, einen Nachfolger zu finden. Deshalb gibt es jetzt auch immer mehr Arbeitsgemeinschaften wie Zweit- oder Gemeinschaftspraxen. Um Hausärzte auf das Land zu bekommen, muss dort auch die Infrastruktur stimmen. Wir sind da mit den Bürgermeistern in regelmäßigem Austausch.


Warum siedeln sich nicht mehr Ärzte bei uns an?

Breu: Weil sie es schlichtweg nicht dürfen. Ohne Zulassung dürfen sie keine Kassenpatienten behandeln. Einen krassen Fall gibt es im Landkreis Landsberg. Es gibt eine Ärztin, die gerne dorthin will, die Gemeinde will das auch und hat sogar schon Räume geschaffen. Nur die KVB will das noch nicht. Um diesen Fall kümmern wir uns von der „Gesundheitsregion plus“ jetzt mit.

Der Altersdurchschnitt bei Fach- und Hausärzten liegt teilweise deutlich über 50 Jahre, was passiert in zehn Jahren?

Breu: Wir müssen was tun für den Nachwuchs. Einige ältere Kollegen haben schon jetzt verlängert, weil sie keinen Nachfolger finden. Wir müssen das Studium praxisnäher gestalten und den Hausarzt-Bereich stärken. Der Numerus clausus fürs Medizin-Studium müsste modifiziert, der Zugang leichter werden, um mehr Studenten zu bekommen. Neben der Abiturnote sollten auch soziale Kompetenzen und berufliche Vorerfahrungen berücksichtigt werden.

Johannes Thoma

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