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Bei diesem Einsatz in Schongau war  die professionelle Hilfe der Feuerwehr nötig.

„Wir sind keine Ersatz-Hausmeister“: Darum schieben Feuerwehren oft Einsatzfrust

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Einsatz für die Feuerwehren: Bei jedem Sturm geht im Landkreis Weilheim-Schongau irgendwo der Alarm los. Doch nicht immer ist die professionelle Hilfe nötig. 

Landkreis– „Eberhard“ war diesmal schuld. Das letzte Sturmtief, das durch den Landkreis zog, sorgte erneut für Betriebsamkeit in den Feuerwehrgerätehäusern. Wie immer bei Unwettern. 35 Einsätze meldete die Integrierte Leitstelle Oberland abends. Ärgerlich: Mindestens ein Drittel der Alarmierungen seien kein Fall für die freiwilligen Helfer gewesen, hieß es – weil ein Ast auf den Gehweg gefallen sei, habe man den Notruf gewählt.

Eine Einschätzung, die bei Landkreis-Wehren geteilt wird. Einige Kommandanten sprechen von einem Trend. Die Mehrzahl der Alarme sei berechtigt, betont zwar Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta, aber: Es gebe Fälle, „da sucht man und findet nichts“. Oder ein Ast liege dort und hätte von Verkehrsteilnehmern oder Fußgängern weggeräumt werden können. „Das ist schön ärgerlich“, sagt Sobotta. „Das muss nicht immer die Feuerwehr machen.“ Der Kreisbrandrat hat eine Entwicklung hin zu schnellen Notrufen ausgemacht. Weil jeder Alarm ernst genommen wird, rücken die Helfer aber umgehend aus. Kein Wunder, dass Sobotta kritisiert: „Wir sind nicht die Ersatz-Hausmeister.“

Beim Sturm am vergangenen Wochenende hatte die Böbinger Wehr zwar keine Einsätze, dennoch bestätigt Kommandant Peter Erhard den Trend. „Es gibt die Tendenz, dass durch die Handy-Möglichkeiten wesentlich schneller alarmiert wird.“ Mit der Folge: „Manchmal kommt man raus, und nur ein größerer Ast liegt auf der Fahrbahn.“ Erhard, auch Rathauschef, wünscht sich mehr Eigeninitiative der Bürger. „Das war früher ausgeprägter.“ Im Großen und Ganzen jedoch seien die letzten Alarme seiner Wehr berechtigt gewesen – weil übergeordnete Straßen betroffen waren.

Auch in Iffeldorf beobachtet Kommandant Matthias Ott: „Viele Leute wenden sich verstärkt an die Feuerwehr.“ Gerade bei Unwettern. „Sie sehen ein Hindernis und rufen uns.“ Zum Glück halte sich dieses Verhalten in Iffeldorf in Grenzen.

Die Penzberger Wehr nimmt einen Spitzenplatz im Landkreis ein. 194 Einsätze gab es 2018, im Schnitt zählt Kommandant Christian Abt jährlich um die 200 Alarme. Bei „Eberhard“ gab es acht Einsätze. „Das komplette Programm.“ Abt hatte eigens zehn Kräfte für vier Stunden in Bereitschaft gehalten. Ob ein Notruf sinnvoll ist, „liegt im Blickwinkel des Betrachters“, hat Abt („Das passiert ganz, ganz selten“) Verständnis für manchen Alarm, der sich als harmlos herausstellt. „Das darf man keinem übel nehmen. Der Anrufer hat wirklich Angst. Aber wir beobachten vor Ort anders.“

Falschalarmierungen durch verängstigte Bürger sind das eine, Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen das andere. Weil es immer mehr dieser Einrichtungen gibt, steigt die Zahl der Alarme. Doch die Technik spielt öfters verrückt. „Das muss man akzeptieren“, zuckt Kreisbrandrat Sobotta mit den Schultern. Allerdings dürfen die Retter diese Einsätze dem Hausbesitzer in Rechnung stellen. Bei neuen Anlagen wird schon mal ein Auge zugedrückt, so Sobotta. Ansonsten kann es teuer werden: In Penzberg sieht die Kostensatzung bei Fehlalarmen immerhin 500 Euro vor. Denn die Wehr rückt immer mit einem kompletten Löschzug aus. Sicher ist sicher.

Ein kleines Gerät wird für noch mehr Arbeit sorgen, ist sich Penzbergs Kommandant Abt sicher: Rauchmelder. Diese sind seit einiger Zeit Pflicht. „Uns werden verstärkt Fehlalarme ins Haus stehen“, sagt er. „Aber es ist gut, dass es sie gibt.“ Von drei Alarmen 2018 war nämlich einer richtig knapp gewesen: Bei einem Wohnungsbrand im August an der Wankstraße rettete der Warnton einem Mann das Leben.

Ein Alarm taucht im Sommer in allen Statistiken auf: „unklare Rauchentwicklung.“ Vorzugsweise in Waldgebieten. Vor Ort stellt sich heraus, dass es sich um ein Holzerfeuer handelt. Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta: „Im Vorbeifahren wird die Feuerwehr alarmiert.“

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