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Stimmungsvolle Kulisse, doch hinter der Fassade brodelt es: Die Wirte GbR erklärte ihren Ausstieg aus der aktuellen Organisationsstruktur der „Französischen Woche“ in Weilheim. 

Paukenschlag in Weilheim

Wirte steigen aus „Französischer Woche“ aus

Für einen Paukenschlag sorgten zum Abschluss der 30. „Französischen Woche“ die Wirte: Sie schmissen hin. Die Organisation ist ihnen zu wenig professionell. Die Stadt zeigt sich in einer ersten Reaktion überrascht, der Gewerbeverband geschockt.

Weilheim – Die Französische Woche stand bislang organisatorisch auf drei Beinen: Der Gewerbeverband, die Stadt Weilheim und die Wirte GbR stemmten das Fest, das im Rahmen der Städtepartnerschaft von Weilheim und Narbonne jeweils Anfang Juli stattfindet. Dass es in diesem Trio durchaus verschiedene Interessen und auch Spannungen gibt, ist nicht neu. Dass die Wirte, die in einer GbR organisiert sind, nun aber hinschmeißen, erwischte Stadt und Gewerbeverband kalt. Jutta Liebmann, Leiterin des Amtes für Standortförderung, Kultur & Tourismus im Rathaus, zeigte sich „überrascht“, Thomas Grün namens des Gewerbeverbandes „geschockt“.

In der Stellungnahme der Wirte, die von Florian Instinsky, Davide Carbone, Dr. Norbert Vidal, Michael Daisenberger, Franz Zwerger, Franziska Glas und Leopold Glas unterzeichnet wurde, heißt es, dass die Wirte GbR zu dem Entschluss gekommen sei, „aus der ,Französischen Woche’, in der aktuellen Organisationsstruktur mit der Stadt Weilheim, dem Gewerbeverband und der Wirte GbR“ auszusteigen. Als Grund werden „unterschiedlichste Vorstellungen in Bezug auf die Zusammenarbeit, Organisation und Durchführung“ des Festes genannt. Und weiter: „Die Durchführung eines Festes in dieser Größenordnung bedarf höchster Professionalität von seiten aller Beteiligten, welche so immer weniger gegeben war“.

Davide Carbone, einer der beiden Geschäftsführer der GbR stellte gestern fest, „dass es keine gravierenden Gründe“ für den Ausstieg gab. Die Wirte hätten aber alle wachrütteln wollen, die an der „Französischen Woche“ beteiligt sind. „Wir brauchen mehr Kommunikation, und wir brauchen klare Kommunikation“, so Carbone. Es gehe um das Fest der Weilheimer und die Richtung, in die es gehen soll. Die Wirte möchten es nicht sprengen, aber auch niemandem im Wege stehen, so Carbone.

Davon, dass die Wirte eine solche Bombe platzen lassen, war am Sonntag noch nichts zu spüren. Laut Sabine Fenner-Wegener vom Städtepartnerschaftsbüro war die 30. „Französische Woche“ ein Erfolg– aus Sicht der Stadt, der Wirte und der Gäste aus Frankreich. Insgesamt, so ihr Resümee, das auf einer Umfrage basierte, seien die Wirte zufrieden gewesen, so Sabine Fenner-Wegener. Die Stimmung sei heiter und entspannt, die Anzahl der Besucher „wie im letzten Jahr“ gewesen – „sowohl abends als auch mittags“.

Die Delegation aus der Partnerstadt Narbonne mit der Vize-Bürgermeisterin Evelyne Rapinat sei sehr zufrieden gewesen mit der Organisation, „besonders, wenn es hieß, sich schnell und effizient an Situationen anzupassen“. Aus Sicht der Stadt Weilheim war die 30. „Französische Woche“ demnach „eine rundum gelungene Veranstaltung“, abgesehen von „zwei Vorfällen von Sachbeschädigung“.

In einer ersten Reaktion auf den Schritt der Wirte stellte Standortförderin Jutta Liebmann fest: „Auch wenn der Zeitpunkt der Kündigung durch die Wirte für uns als Stadt überraschend gewählt wurde, begrüßen wir die Anregung, dass die Organisationsstruktur der ,Französischen Woche’ neu überdacht wird“. Zudem, so Liebmann, biete das die Möglichkeit, das Konzept zu überarbeiten und das französische Angebot zu erweitern. Thomas Grün vom Gewerbeverband, dem Träger der „Französischen Woche“, versteht die Klagen der Wirte über mangelnde Professionalität nicht. Die Arbeitssitzungen im Rathaus seien immer sehr produktiv gewesen und harmonisch verlaufen. Die Wirte hätten im Übrigen freie Hand gehabt, „der Gewerbeverband hat sich in deren Konzepte nie eingemischt“, so Grün zur Heimatzeitung.

Nach Einschätzung von Uta Orawetz, Veranstaltungsreferentin des Stadtrates, treffen bei der „Französischen Woche“ mehrere Interessen aufeinander, darunter der politische Gedanke der Städtepartnerschaft einerseits und die kommerziellen Interessen der Wirte andererseits. Dazu komme, dass drei Organisatoren am Werk seien.

Nach Einschätzung von Thomas Grün kann nur „ein klärendes Gespräch“ zwischen allen Beteiligten weiterführen. Laut Uta Orawetz muss der Ausstieg der Wirte bei der für Ende Juli geplanten Nachbesprechung Thema sein. Und auch die Wirte signalisieren: „Für konstruktive Gespräche über die Zukunft der ,Französischen Woche’ mit den Verantwortlichen der Stadt ist die Wirte GbR jederzeit bereit“, heißt es in der Mitteilung. Denn „Weilheims schönstes Innenstadtfest“ wolle die Wirte GbR mit ihrer Entscheidung nicht in Frage stellen. Und Jutta Liebmann stallt fest: „Sicher ist, die Französische Woche wird es auch in 2018 geben“.

gre

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