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Wohin mit dem Wachstum im Oberland?

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Wohnhäuser in Hamm
Immer mehr Menschen suchen immer mehr Wohnraum im Oberland. Doch wohin mit ihnen? © IMAGO / Hans Blossey

Das Oberland ist schön, gut an München angebunden und wirtschaftlich stark. Entsprechend wollen hier immer mehr Menschen leben. Den Siedlungsdruck in geordnete Bahnen zu lenken, ist ein Ziel des Regionalplans, der aktuell für das Oberland – also auch für den Landkreis Weilheim-Schongau – fortgeschrieben wird.

Von Andreas Steppan

Bad Tölz-Wolfratshausen – Über den aktuellen Stand in Sachen Regionalplan berichtete jetzt Cornelia Drexl, Regionsbeauftragte bei der Regierung von Oberbayern, in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses in Bad Tölz. Zu überlegen sei, wo „Siedlungsüberschüsse“ am sinnvollsten hin sollten. Am besten, so Drexl, sollten Wohngebiete dort entstehen, wo es eine gute Anbindung an den ÖPNV gibt, speziell rund um Bahnhöfe. „So lässt sich Autoverkehr vermeiden.“ Innerhalb einzelner Gemeinden solle sich das Wachstum auf Hauptorte konzentrieren, wo es schon eine gute Infrastruktur gibt. Das beugt einer Zersiedelung vor.

94 Kommunen in vier Landkreisen

Ein solcher übergreifender Entwicklungsplan bedarf der Abstimmung. Der Planungsverband hatte nun 94 Kommunen in den vier Landkreisen um Stellungnahmen gebeten. Neben Zustimmung seien auch Kritikpunkte zurückgekommen, berichtete Drexl. So hätten sich einige Kommunen gegen Eingriffe in ihre Planungshoheit gewehrt, mit dem Argument: „Die Kommunen kennen die Bedingungen vor Ort am besten.“

Zudem verdeutlichte die Anfrage laut Drexl bestimmte Spannungsfelder: Stadt versus Land, West versus Ost, Münchner Speckgürtel versus abgelegener Regionen. „Es gab die Furcht, dass Orte erster und zweiter Klasse entstehen könnten, und Nebenorte einen Attraktivitätsverlust erleiden.“

Die Regionalbeauftragte hatte insgesamt 49 Kommunen für eine „verstärkte Siedlungsentwicklung“ vorgeschlagen, davon 13 als „regionale Entwicklungsschwerpunkte“ und 36 „optionale Bereiche mit Entlastungsfunktion“. Aus letzterer Gruppe hätten elf Kommunen geantwortet, sie hätten „kein Interesse an verstärkter Siedlungsentwicklung“. Nur zwei Kommunen hätten sich gemeldet, die gerne in diese Kategorie aufgenommen werden wollen.

Prozess als „riesige Chance“

Josef Niedermaier, Vorsitzender des Planungsverbands und Landrat von Bad Tölz-Wolfrathausen, bezeichnete den Prozess als „riesige Chance“. Insbesondere gelte es, zwei große Themen unserer Zeit zusammenzuführen. „Ich erlebe in Bürgerversammlungen, dass die gleiche Person erst aufsteht und sagt: ,Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum‘, und danach fordert: ,Wir müssen Flächen sparen‘“. Niedermaiers Folgerung: „Da haben wir gesellschaftlichen Diskussionsbedarf.“

Überrascht sei er gewesen, in welch kurzer Zeit sich im Landkreis Wohnraum für über 1000 ukrainische Geflüchtete gefunden habe. Es sei eine Tatsache, „dass wir viel Wohnraum haben, der aber leer steht oder verkehrt genutzt wird“. Auch der Eberfinger Bürgermeister Georg Leis erklärte: „Wir haben innerorts noch viel Flächenpotenzial.“

Bürger wollen weder bauen, noch Grundstücke hergeben

Auf welche Schwierigkeiten man dabei stößt, berichtete Leonhard Wöhr, der Bürgermeister von Weyarn. Seine Gemeinde habe einen Kataster mit freien Flächen entwickelt und die Grundeigentümer angeschrieben, ob sie vorhätten, dort zu bauen, oder bereit wären, die Flächen zu verkaufen. Ergebnis: „100 Prozent haben weder das eine noch das andere vor, sondern wollen ihre Grundstücke vorhalten. Viele schreiben: ,Das geht die Gemeinde gar nichts an.‘“

Zum Thema Siedlungsschwerpunkte an Stellen, die an den ÖPNV angebunden sind, meldete sich der Kochler Bürgermeister Thomas Holz. „Nur weil in einem Ort jetzt kein Bus fährt, heißt das nicht, dass das in 30 Jahren auch noch so ist“, sagte er.

Neue Wohngebiete auch für ländlichen Bereich

Übergeordneten Steuerungsbedarf sah hingegen Peter Erhard, der Bürgermeister von Böbing. Er verwies darauf, dass durch verstärktes Homeoffice auch abgelegene Wohnlagen attraktiver geworden seien. Daher steige der Druck, auch dort neue Wohngebiete auszuweisen. „Es entlastet uns, dass wir nicht jeden Weiler zum Siedlungsgebiet erklären müssen.“

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