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Der Regenschirm reicht nicht. Zahlreiche Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände machten am Dienstag auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Region aufmerksam.

Wohnungsnot im Landkreis: Lustige Aktion trifft bittere Realität

Mit einer originellen Aktion machten Gewerkschaften und Arbeitsnehmerverbände am Dienstagabend auf die grassierende Wohnungsnot im Landkreis Weilheim-Schongau aufmerksam.

Weilheim – „A trockn’s Platzl für alle“ hielten am Montagabend eine Gruppe von Leuten den Passanten entgegen, die über den Weilheimer Marienplatz gingen. In der durchsichtigen Tüte war ein – wirklich trockenes – Weihnachtsplätzchen.

Es war aber keine Werbeaktion für Weihnachtsgebäck, das Plätzchen hatte eine ganz andere Bedeutung, wie man an der Installation am Brunnen sehen konnte. Dort lag ein Mann in einem Bett, einen Schirm aufgespannt zum Schutz gegen Niederschläge.

Mit dem trockenen Plätzchen war ein Dach über dem Kopf gemeint, das nicht mehr für alle eine Selbstverständlichkeit ist. Zum Plätzchen gab’s noch eine Weihnachtskarte mit einen Gruß aus der Bayerischen Verfassung, Artikel 106: „Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung“, und der weitergehenden Forderung: „S’Wohna miass ma uns leistn kenna!“

Mit der Aktion wollten der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Industriegewerkschaft Metall, die Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“, die Katholische Arbeiterbewegung, die Katholische Betriebsseelsorge und die Christliche Arbeiter-Jugend auf ein Problem aufmerksam machen, das von Politikern ignoriert wird, wie Natascha Almer erklärt.

Es geht um den Mangel an Wohnungen und die in Folge steigenden Mieten. Ein weiteres Problem sieht die Gewerschaftssekretärin im Missverhältnis zwischen Niedriglöhnen und Mieten. Viele Menschen, die Vollzeit arbeiten, könnten sich keine familiengerechte Wohnung mehr leisten. Sie und ihre Kollegen fordern daher, bis 2025 in Bayern mindestens 50 000 Sozialwohnungen mit langer Bindungsfrist zu bauen.

Zudem sollten die Wohnungen so gebaut werden, dass sie etwa durch Neuzuordnung von Räumen bei verändertem Bedarf vergrößert oder verkleinert werden können. Als nicht hilfreich sieht Almer den Hinweise eines Bürgers an, dass die Mieten in Weilheim im Vergleich zu denen in München niedrig seien. Auch seinen konstruktiv gemeinter Vorschlag, die Weilheimer Geringverdiener und Rentner könnten auf ein Dorf im Hinterland umziehen, um Miete zu sparen, sieht sie skeptisch.

Es kämen dann für Berufstätige die Kosten für das Pendeln in die Stadt hinzu. Und für Rentner gebe es auf dem Dorf oft nicht die notwendige Infrastruktur. Eine wirkliche Lösung sei nur der Bau von Sozialwohnungen.

Text: Alfred Schubert

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