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Der Busbahnhof als Weilheims neue Visitenkarte

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Von: Paul Hopp

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Festgäste bei der Einweihung des Weilheimer Busbahnhofes in Weilheim vor einem RVO-Bus.
Freude bei den Festgästen: Vom Busbahnhof angetan zeigten sich Politiker sowie Vertreter von Stadt, Bahn, RVO und Firmen. Grußworte sprachen Regierungspräsidentin Maria Els (5.v.l.), Bürgermeister Markus Loth (4.v.l.) und Landrätin Andrea Jochner-Weiß (3.v.l.). Im Bild auch die Landtagsabgeordneten Susann Enders (4.v.r.) und Harald Kühn (5.v.r.) © Ralf Ruder

Der Bahnhof Weilheim ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt im Oberland. Das Umfeld war bislang wenig einladend. Doch nun ist das Areal aufgewertet – optisch und funktionell. Der Zentrale Omnibus-Bahnhof (ZOB) wurde eingeweiht.

Weilheim - Ein Teil der mehrere Dutzend umfassenden Einweihungsgäste kam mit dem Rad; zu diesen gehörte auch Stefan Frenzl. Der Standortförderer der Stadt nutzte auch gleich einen der 360 nagelneuen, doppelstöckigen Fahrradständer. „Ein wenig gewöhnungsbedürftig“ fand er die Handhabung des Teils. Dann streifte Frenzls Blick über den neuen Busbahnhof direkt am Weilheimer Bahnhof mit seinen sieben Haltestellen (fünf davon sind überdacht) und den Bereitstellungsplätzen für die Busse (RVO, Stadtbus, Schienenersatzverkehr). „Es hat schon was Großstädtisches“, sagte Frenzl anerkennend.

Busbahnhof: Weilheim erhält damit „neue Visitenkarte“

Ähnliche lobende Töne schlugen auch die Festredner an. Mit dem Busbahnhof „erhält die Stadt einen neuen städtebaulichen Akzent“, sagte Bürgermeister Markus Loth. Der ZOB lade „geradezu ein, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen“. Er sei „zentraler Bestandteil einer der bedeutendsten Mobilitätsdrehscheiben im Oberland“. Am Bahnhof Weilheim, so Loth, gibt es an einem durchschnittlichen Werktag mehr als 9000 Ein- und Ausstiege.

Vom Bahnsteig eins sind es für die Reisenden künftig nur wenige Schritte bis zu den Bussen. Die Steige A bis E sind überdacht, bieten Sitzmöglichkeiten. Jeweils auf einem Display werden die Verbindungen und Abfahrtszeiten angezeigt. Neun Buslinien gehen von dem Areal ab. Für sehbehinderte Menschen oder solche, die nicht lesen können, besteht die Möglichkeit, sich die nächste Verbindung per Knopfdruck vorlesen zu lassen. Der Busbahnhof „ist den heutigen Anforderungen bestens gewachsen“, so Loth. „Das hat der Testbetrieb mit allen Bus-Typen in der vergangenen Woche eindeutig bewiesen.“

Busbahnhof: Kosten liegen bei 7,7 Millionen Euro

Ausdrücklich wies der Rathauschef auf die Barrierefreiheit auf dem ganzen Areal hin, auf dem sich auch eine öffentliche Toilettenanlage inklusive Wickeltisch und Behinderten-WC befindet. In der ursprünglichen Planung seien vom Bahnsteig her noch drei Stufen vorgesehen gewesen. „Da haben wir sofort interveniert“, sagte Kurt Dörr vom Agenda-Arbeitskreis „Mobilität und Verkehr“ nach dem Festakt. Mit dem jetzigen Zustand zeigte er sich zufrieden: „Es passt.“

Der Busbahnhof, stellte Loth heraus, sei „eines unserer aktuell größten Stadtentwicklungsprojekte“. Die Fläche des gepflasterten Bereichs umfasst 4300 Quadratmeter. Beim Herrichten des Baufelds wurden 15 000 Tonnen Material entsorgt. Bei Baggerarbeiten im Juni 2018 wurde eine Fliegerbombe gefunden, die, bevor die angeforderten Sprengmeister sie entschärfen konnten, zu einer weiträumigen Sperrung führte. Die Kosten für diesen ersten von insgesamt drei Bauabschnitten rund um den Weilheimer Bahnhof bezifferte Loth gestern auf 7,7 Millionen Euro. Ein erklecklicher Teil, nämlich 4,9 Millionen Euro, kommen als Förderung von Bund und Freistaat.

Maria Els, die Regierungspräsidentin der Regierung von Oberbayern, sieht in dem Busbahnhof „ein Werk, das als solches überzeugt“. Sie erinnerte daran, dass der Freistaat und die Stadt schon seit 1974 in Sachen „Städtebauförderung“ miteinander verbunden sind. Das Programm gibt es seit 1971. „Sie sind also ein Partner der ersten Stunde“, so Els. Der Busbahnhof stand schon lange auf dem Wunschzettel der Stadt. 2008 wurde die Förderfähigkeit anerkannt. 2014 „ist es dann konkret geworden“, sagte Els. Es folgten „nicht einfach Grundstücksverhandlungen“, ein Planungswettbewerb und schließlich die Bauarbeiten. Das Ergebnis „war alle Mühen wert“.

Überdachte Busbahnsteige in Weilheim am Busbahnhof im Mai 2020
Modern gestaltet: der Bereich mit den überdachten Busbahnsteigen nördlich des Bahnhofsgebäudes (hier eine Aufnahme vom Mai 2020). © ralf ruder

Für Landrätin Andrea Jochner-Weiß hat Weilheim mit dem ZOB nun „eine völlig neue Visitenkarte“. Die Einrichtung „erleichtert die Mobilität und erhöht die Sicherheit“. Jochner-Weiß verwies auch darauf, dass der Landkreis ein Mobilitätskonzept erstellt. Die Ausrichtung ist klar: „Bus- und Bahnfahren wird immer wichtiger.“

Busbahnhof: in Weilheim mit das größte Stadtentwicklungsprojekt

Die Segnung des Projekts nahmen drei Geistliche vor: Kaplan Florian Stadlmayr, der evangelische Pfarrer Corvin Wellner sowie Imam Cemil Sisman. Weller erinnerte daran, dass es bei einer Segnung auch darum geht, dass die Menschen am betreffenden Ort Gutes erfahren und Kraft finden mögen. Kaplan Stadlmayr schwang den Weihwassersprenger mit solchem Schwung, dass auch Regierungspräsidentin Els diverse Spritzer abbekam. Sie zuckte kurz, nahm den Vorfall – wohl auch angesichts der hohen Temperaturen – gelassen hin.

Die Arbeiten in Nähe des Bahnhofs werden weitergehen. Im nächsten Bauabschnitt werden die alten Radlständer südlich des Gebäudes ersetzt, dort werden 216 weitere Stellplätze errichtet, sagte Loth gestern. In der Folge rücken dann der Bahnhofplatz und die Bahnhofallee ins Blickfeld.

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