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Schongau, Peißenberg, Weilheim: Alle wollen das Zentralkrankenhaus

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Von: Sebastian Tauchnitz, Elke Robert

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Zentralkrankenhaus Schongau Weilheim
Mit jeder Menge freier Flächen direkt am Klinikgelände versucht die Stadt Schongau, bei den Gutachtern zu punkten. © Herold/ Archiv

Die Untersuchung möglicher Standorte für den Neubau eines Zentralkrankenhauses war weitestgehend abgeschlossen, als der bevorstehende Bürgerentscheid alle Planungen auf Eis legte. Doch wie standen bislang die Chancen von Weilheim, Peißenberg und Schongau?

Landkreis – Es wäre ohne Zweifel das größte Bauvorhaben, das der Landkreis jemals in Angriff genommen hat – der Bau eines neuen Zentralkrankenhauses. Vor fast einem Jahr, als das Thema erstmals im Kreistag diskutiert wurde, hatte es noch geheißen, vergleichbare Bauvorhaben andernorts würden bis zu 500 Millionen Euro kosten. Wenn man sich jetzt vor Augen führt, dass die Baupreise allein heuer um bis zu 25 Prozent gestiegen sind und noch Jahre vergehen werden, bis wirklich mit dem Bau begonnen werden könnte, ahnt man, dass die tatsächlichen Kosten noch einmal deutlich höher liegen würden.

Zentralkrankenhaus soll für möglichst viele Menschen im Landkreis schnell erreichbar sein

Das könnte für die Stadt oder Marktgemeinde, die am Ende den Zuschlag bekommen würde, jahrelangen Baulärm, jede Menge zusätzlichen Verkehr und sicher eine Menge Ärger bedeuten. Aber am Ende hätte man das einzige Krankenhaus des Landkreises direkt am Ort.

Da möchte man meinen, dass sich die möglichen Standorte nach Kräften öffentlich ins Zeug legen, um das Krankenhaus zu sich zu holen. Doch nachdem Schongau mit einer öffentlichen Bewerbung vorpreschte, melden sich Peißenberg und Weilheim erst jetzt zu Wort.

Das Gutachten, das die Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH in Auftrag gegeben hatte, weist klar einen Bereich aus, in dem idealerweise das Zentralkrankenhaus errichtet werden sollte, um für möglichst viele Bewohner des Landkreises schnell erreichbar zu sein. Dieser Korridor reicht ungefähr von Peißenberg über Polling bis in den Süden von Weilheim. Schongau wird in diesem Zusammenhang nicht genannt. Dennoch reichte der Stadtrat eine entsprechende Bewerbung ein.

Zentralkrankenhaus: „An Schongau kann man nicht vorbei“

„An Schongau kann man nicht vorbei“: So hatte es im Juli ein Stadtrat der Lechstadt formuliert. Schongau wirft alles in die Waagschale, was man zu bieten hat, um für den Plan B gewappnet zu sein, sollten die Bemühungen, das Krankenhaus Schongau in der bisherigen Form zu behalten, scheitern.

Als eines der großen Argumente für den Standort Schongau wird die Verfügbarkeit eines geeigneten Grundstücks angegeben – direkt nördlich des jetzigen Klinikums. Nur 25 Prozent der Fläche befänden sich in privater Hand, Gespräche seien geführt, der Erwerb angeblich unkompliziert. Der große Teil der fünf Hektar sei in „öffentlicher Hand“, eine gemeinsame Fläche von Stadt und Landkreis, wie es heißt, und damit sofort verfügbar. „Das Grundstück eignet sich hervorragend für einen Klinikneubau“, wird in den Bewerbungsunterlagen ausgeführt. Der Stadtrat hatte bereits Ende Mai vorsorglich beschlossen, dass kurzfristig ein Bebauungsplan aufgestellt werden könnte.

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Standort Schongau: Verlängerung der Pfaffenwinkelbahn?

Der Standort Schongau wird als äußert attraktiv dargestellt, im direkten Umfeld seien neue Wohngebiete in der Planung (Südliches Eichenfeld“ und genossenschaftliches Wohnen im Gebiet „Blumenschule“), die städtische Infrastruktur sei gut. Was die Erschließung und Anbindung anbelangt, gebe es in Schongau alle Möglichkeiten, inklusive der Perspektiven einer neuen „Bahnstation Krankenhaus“, wenn man die Pfaffenwinkelbahn verlängere. Auch die Bahnanbindung nach Norden mit der mittelfristigen Reaktivierung der Fuchstalbahn wird genannt.

Die Stadt Schongau legt außerdem dar, dass sich ohne Krankenhaus in Schongau im westlichen Teil des Landkreises eine viel zu große Lücke auftue, während im Osten die Klinikdichte groß sei. Ein Problem, ausreichend Fachpersonal nach Schongau zu bekommen, sieht man nicht.

Der Inhalt der Unterlagen ist über die Internetseite der Stadt einsehbar – wenn auch aus Gründen des Datenschutzes nicht ganz vollständig. Wie berichtet, will man nun auch landkreisweit für den Erhalt beider Krankenhäuser in Schongau und Weilheim kämpfen, immerhin 8303 Bürger unterstützen einen Bürgerentscheid, weit mehr als nötig.

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Gemeinde Polling gibt der Krankenhaus GmbH einen Korb

Die Gemeinde Polling hat der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH derweil per Gemeinderatsbeschluss eine Abfuhr erteilt. Und damit nicht nur den Krankenhaus-Bau, sondern auch eine mögliche Wiedereinrichtung eines Bahnhalts im Ort ausgeschlagen. Denn eine Erreichbarkeit per Zug wird als Voraussetzung betrachtet, schließlich würden im neuen Zentralkrankenhaus höchstwahrscheinlich mehr als 1000 Mitarbeiter tätig sein.

Ist Peißenberg der ideale Standort für das Zentralkrankenhaus?

Die könnten auch künftig nach Peißenberg fahren, um dort im Zentralkrankenhaus zu arbeiten. Allerdings hält sich der Enthusiasmus bei Bürgermeister Frank Zellner, bislang im überschaubaren Rahmen. So kritisierten seine eigenen Ratsmitglieder, mit welcher Wortwahl er damals die Peißenberger Bewerbung verkündet hatte: Man könne nichts fordern, sondern der Landkreis müsse letztlich die beste Lösung für die gesamte Region finden, erklärte Zellner damals im Pressegespräch.

Mittlerweile findet er deutlichere Worte: „Wir bewerben uns als idealer Standort für den Bau des neuen Zentralkrankenhauses“, stellt er im Gespräch mit der Heimatzeitung klar. Er verweist auf das Gutachten, dass einen Standort bei Peißenberg empfohlen habe. Man habe der Krankenhaus GmbH eine große Fläche angeboten, die im Osten der Marktgemeinde zwischen der Bundes- und der Staatsstraße liegen würde. Sie würde sich zumindest teilweise im Besitz der Gemeinde befinden und erfülle die Kriterien. Dazu gehört eine Größe von 50 000 Quadratmetern plus mögliche Erweiterungsflächen.

Für die Bewohner des Landkreises sei Peißenberg der ideale Standort, weil er zentral liegt, so Zellner. Zudem sei es über die Bundesstraße und die Ortsumgehung sehr gut zu erreichen, verfüge über gleich zwei Bahnhöfe und einen kostenlosen Bus, der bei Bedarf auch ein Zentralklinikum ansteuern würde. Nicht zu vergessen: „Die Peißenberger stehen hinter dem Vorhaben“, so Zellner.

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Zentralkrankenhaus in Weilheim: „Wir sehen das Thema relativ unaufgeregt“

Die Weilheimer fremdeln da schon deutlich mehr mit jedweder Form von Neubau und Flächenversiegelung, räumt der Dritte Bürgermeister Alfred Honisch ein, der in Vertretung von Markus Loth zum Gesprächstermin erschienen war. „Wir sehen das Thema relativ unaufgeregt“, sagte Honisch. Schließlich sei Weilheim das Oberzentrum und da sei es natürlich, dass man da seinen Hut in den Ring werfe.

Der Stadtrat habe sich öffentlich zur Bewerbung bekannt und anschließend im Geheimen zwei mögliche Standorte bestimmt. Beim Studium der Unterlagen für die Bürgerbefragung zu den Umfahrungsvarianten in Weilheim war Bürgern aufgefallen, dass an der Eichtweide ein sehr großes Areal als „Gemeinbedarfsfläche“ ausgewiesen wurde. Da wurde spekuliert, dass hier das neue Zentralkrankenhaus entstehen könnte.

Zentralkrankenhaus Weilheim Schongau
Dicht an dicht präsentiert sich die Bebauung rund um das heutige Krankenhaus in Weilheim. © Ralf Ruder/Archiv

Honisch mochte weder bestätigen noch dementieren, dass es sich um einen der beiden Standorte handele, und verwies auf die nichtöffentlichen Beschlüsse. Für die Kreisstadt spreche die noch bessere Schienenanbindung, auch die Flächen seien überzeugend, ist sich Honisch sicher. „Wir verlassen uns auf die Neutralität der Gutachter“, meinte er.

Am Ende müsse die Entscheidung stehen, die am besten für den Landkreis sei. „Wir buttern seit etlichen Jahren riesige Summen in die Krankenhaus GmbH. Geld, das dem Landkreis für andere nötige Vorhaben fehlt. Geld, das die Gemeinden über die Kreisumlage bezahlen müssen“, so Honisch.

Daher müsse der Standort nüchtern danach ausgewählt werden, wo eine erfolgreiche (und kostendeckende) Betreibung des Zentralkrankenhauses für die nächsten Jahrzehnte am wahrscheinlichsten möglich wäre.

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