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Weilheim in neuem Licht: Mit spektakulären Installationen und poetischen Performances lockte das 2. Lichtkunst-Festival am Freitag- und Samstagabend über 20000 Besucher in die Altstadt.
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Zweites Lichtkunst-Festival

Weilheim wieder im besten Licht

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Faszinierende Kunstprojekte, wohl weit über 20 000 Besucher an zwei Abenden – und keine störenden Zwischenfälle: Das 2. Weilheimer Lichtkunst-Festival in der Altstadt war in jeder Hinsicht ein Erfolg.

WeilheimEhe Weilheim leuchten konnte, war es am Freitag- und Samstagabend ungewohnt finster in der Altstadt. Viele Straßenlampen waren abgeschaltet, Schaufenster extra verdunkelt worden. Fast gespenstisch wirkte der Marienplatz kurz vor 19 Uhr, obwohl dort schon hunderte Schaulustige warteten, dass Philipp Geist, der künstlerische Leiter des Festivals, die riesigen Projektoren in Gang setzt und damit nicht nur das Stadtmuseum und die markanten Fassaden auf der gegenüberliegenden Seite tanzen lässt, sondern auch den Boden in einen lebendigen Lichtraum verwandelt.

Mit „weilheim fades“ setzte Geist seine magische Multimedia-Installation der Festivalpremiere vor zwei Jahren fort: Der Rahmen war gleich, wurde aber mit teils neuen Inhalten gefüllt. So ließ der 42-Jährige zum sphärischen Electro-Soundtrack des Berliner Musikers Lukas Taido mal meditative, mal dramatische Bilder entstehen, die manchen Besuchern schon wohlvertraut waren – und neuerlich faszinierten.

„Lasst euch alle verzaubern vom Licht!“, rief Geist, der in Weilheim aufgewachsen ist, in Berlin lebt und weltweit aufsehenerregende Projekte verwirklicht, am frühen Freitagabend bei der Eröffnung im Festivalstadel, den die Familie Lutz wieder zur Verfügung gestellt und den die Helfer vom Verein „Lichtkunst Weilheim“ mit großem Aufwand eingerichtet hatten. Es gehe „nicht nur um Effekte, nicht um eine Show, sondern darum, den Ort zu verwandeln“, fügte der Künstler an – und traf damit genau den Geist dieses Festivals. Obwohl schon am Freitag tausende Menschen – und am Samstag noch tausende mehr – durch die für Autos gesperrten Straßen und Gassen streiften, obwohl auf der stets randvollen „Plaza“ am Kirchplatz fröhlich gefeiert und dem großen gastronomischen Angebot gefrönt wurde, behielt dieses „Event“ den Charakter eines kleinen, feinen Kunstfestivals.

Dafür sorgten insbesondere die poetischen Performances des Berliners „Theater Anu“. An sechs Ecken der Altstadt boten die Schauspieler Licht- und Schattenspiele, tanzten, erzählten Märchen oder Sagen – und waren angetan von der „schönen, positiven, konzentrierten Stimmung“ der Zuschauer, so das Fazit von Regisseur Stefan Behr. In der alten Pöltner Kirche ließ sich das Publikum auch auf den größtmöglichen, durchaus herausfordernden Gegensatz zur landläufigen Lichtkunst ein: einen großen, tiefschwarzen Würfel, der im Altarraum schwebte und in dessen Inneren laut dem Konstanzer Künstler Boris Petrovsky sechs 500 Watt-LED-Strahler brannten – von außen unsichtbar.

Ausgerechnet diese seiner „drei Kammern“ nannte Petrovsky „Die grelle Kammer“. Zwei weitere waren im Festivalstadel zu sehen, den Julian Mayer wieder in konstant-markantes Rot getaucht hatte, und im Stadtmuseum. In Letzteres wurden per Staffel-Stäbchen-System immer nur 40 Gäste gleichzeitig gelassen, und doch zählte Museumsleiter Dr. Tobias Güthner allein am Freitag schon über 800 Besucher. Schlangen bildeten sich auch beim Küchenstudio an der Pöltnerstraße, wo Zwölftklässler des Gymnasiums Weilheim „Experimentelle Fotografie zwischen Physik und Kunst“ präsentierten – und alle Interessierten mitexperimentieren ließen.

Große Hingucker im Freien waren natürlich die Projektionen auf historische Bauten. László Bordos aus Budapest, ein weltweit gefragter Star der Szene, hob mit seinem vierminütigen Videomapping am Gattingerhaus die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt auf. Und die Dießener Videokünstlerin Vanessa Hafenbrädl projizierte mystische Nixenwesen auf den Löwenturm am Mittleren Graben – den auch mancher Weilheimer dadurch zum ersten Mal wirklich wahrnahm.

Die Besucher waren aus weitem Umkreis, ja ganz Deutschland gekommen, wie die Veranstalter an den Infoständen feststellten. Neben dem Kern von 20 Ehrenamtlichen halfen rund 100 weitere Freiwillige mit. Größer, so die Bilanz von Programmleiterin Gabriele Zelisko, dürfe das Festival gar nicht mehr werden. Ohnehin müsse man „nachdenken, wie man das ein drittes Mal stemmen könnte“, sagte Zelisko: „Das nimmt eine Dimension an, die auf ehrenamtlicher Basis nicht mehr leistbar ist.“ Doch die Motivation für eine dritte Ausgabe sei angesichts des Erfolgs „auf jeden Fall da“.

Warum überhaupt ein solches Festival, warum so großer Aufwand für zwei Abende? Darauf gab Stefan Behr („Theater Anu“) beim Künstlertalk im Festivalstadel eine gute Antwort: Auch ein 70. Geburtstag in der Familie werde ja nicht ein Jahr lang gefeiert. „Aber wir brauchen solche Feste, gemeinsame Erzählungen und Erfahrungen.“ 

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