Bis 2035 soll Weilheim nach Ansicht des Klimaausschusses klimaneutral sein.  Foto: Gronau/Archiv
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Bis 2035 soll Weilheim nach Ansicht des Klimaausschusses klimaneutral sein.

Debatte im Klimaausschuss

Wie wird Weilheim bis 2035 klimaneutral?

  • Magnus Reitinger
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Im Jahr 2035 soll Weilheim klimaneutral sein – diese Zielmarke fordert der Klimaausschuss des Stadtrates. Um das Ziel auch zu erreichen, müsse die Stadt „umgehend“ einen Klimaschutzmanager einstellen. Und für den hätte man dann gleich mal ein paar Aufgaben...

Weilheim – Dass es so rasch eine so dezidierte Beschlussempfehlung für den Stadtrat geben würde, danach sah es in der jüngsten Sitzung des Klimaausschusses zunächst gar nicht aus. Mit viel Hin und Her – und durchaus bedenkenswerten Argumenten – wurde eine Debatte fortgesetzt, die bereits beim vorhergehenden Treffen begonnen hatte: Soll die Stadt ein sehr umfassendes Klimaschutzkonzept erstellen lassen, das aber in der konkreten Umsetzung womöglich zu schwammig ist? Oder lieber einen Energienutzungsplan, der genau die Verbräuche in der Stadt beackert, dafür aber größere Zusammenhänge und Themen wie den Verkehr außer Acht lässt?

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Für Letzteres warb die „Energiewende Oberland“ (EWO), die zwischenzeitlich von der Stadt um Rat gefragt worden war. Ein Energienutzungsplan sei kostengünstiger und vom Verwaltungsaufwand her unkomplizierter, befand EWO-Geschäftsstellenleiter Stefan Drexlmeier in seiner Stellungnahme. Er empfahl der Stadt, sich auf die Themenfelder „Wärme“ und „Strom“ zu konzentrieren und hier konkrete Projekte umzusetzen – zumal man in Weilheim beim Thema „Mobilität“ bereits „sehr weit fortgeschritten“ sei.

Manuel Neulinger: „Beim Thema Mobilität schon sehr weit fortgeschritten“

Insbesondere Vertreter von BfW und CSU fanden diese Argumentation einleuchtend – ohne ein tiefer gehendes Klimaschutzkonzept von vornherein auszuschließen. Doch mit einem Energienutzungsplan komme man wohl zu rascheren Ergebnissen. Dagegen pochten Grüne, ÖDP und SPD auf einen „umfassenderen Ansatz“ und „fundierteres Wissen“. Er glaube zum Beispiel nicht, „dass wir beim Thema Mobilität schon sehr weit fortgeschritten sind“, betonte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger.

Ottmar Back, der neue Sprecher des Agenda-21-Arbeitskreises „Energie und Klimaschutz“, attestierte der Stadt, dass sie sich in Sachen Klimaschutz schon bestens bemühe. „Aber ich sehe viel Nachholbedarf im privaten und gewerblichen Sektor“, so Back: „Viele würden etwas tun, aber dazu braucht es Sachkompetenz, Initiative und Unterstützung von der Stadt“, etwa durch einen Klimaschutzmanager. Mehrere Redner riefen zudem in Erinnerung, dass es bereits eine umfangreiche Liste mit möglichen Klimaschutzprojekten auf Stadt-Ebene gebe – erstellt von den Initiatoren des Bürgerantrags zur Ausrufung des „Klimanotstands“, den vor einem Jahr 570 Weilheimer unterzeichnet hatten und der überhaupt erst zur Gründung des Klimaausschusses führte.

Saika Gebauer-Merx will nicht, dass jede Kommune ein eigenes Konzept erarbeitet

Dass es ja für den Landkreis Weilheim-Schongau bereits ein Klimaschutzkonzept gebe, führte FDP-Stadträtin Saika Gebauer-Merx ins Feld. Deshalb bringe es nichts, wenn zusätzlich „jede Kommune ein eigenes Konzept erarbeitet“. Weilheims Stadträte, die zugleich dem Kreistag angehören, sollten stattdessen parteiübergreifend beantragen, dass das Klimaschutzkonzept des Landkreises aktualisiert und optimiert werde, so Gebauer-Merx. Und die Stadt selbst solle „loslegen mit einem Energienutzungsplan“.

Praktisch von allen Wortmeldungen floss schließlich etwas in die Beschlussempfehlung für den Stadtrat ein – die sämtliche Klimaausschuss-Mitglieder unterstützten: Die Stadt Weilheim solle „umgehend“ einen Klimaschutzmanager einstellen (eine solche Stelle zu schaffen, hatte man prinzipiell schon Anfang des Jahres besprochen). Dessen erste Aufgabe soll sein, das Klimaschutzkonzept des Landkreises „auf die Verhältnisse der Stadt Weilheim herunterzubrechen“ sowie einen eigenen Energienutzungsplan auf den Weg zu bringen – mit einem großen Ziel: Bis 2035 solle die Stadt Weilheim „Klimaneutralität erreichen“.

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