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Klaus Schuster ist Mitinhaber des „Zauberberg“.   

Aktuelles Interview

Aus der Nische in die Mitte der Gesellschaft

Weilheim - Vor 35 jahren wurde der "Zauberberg" gegründet.  Klaus Schuster über die Bedeutung von „Bio“ und die Rolle des Geschäfts als Nahversorger.

Angefangen hat vor 35 Jahren alles mit einem alternativen Laden, einem Laden, der in Weilheim kritisch beäugt wurde. Heute ist der „Zauberberg“ der einzige Nahversorger in der Altstadt. Treu geblieben ist er seinem Anspruch: dem Verkauf biologisch erzeugter Lebensmittel. Ein Gespräch über „Bio“ und mehr mit Klaus Schuster, einem der drei Inhaber des „Zauberberg“.

Als vor 35 Jahren der „Zauberberg“ eröffnete, welchen Stellenwert hatte „Bio“ damals?

„Bio“ war damals ein absolutes Nischenprodukt, hatte von den Handelsmengen nur wenig Bedeutung und wurde vor allem von Menschen gekauft, denen der Effekt für die Umwelt wichtiger war als der persönliche Nutzen. Auch das Warenangebot ging mit dem damals noch geringem Interesse einher. Da war es schon etwas Besonderes, wenn man außerhalb der Sommermonate Tomaten anbieten konnte.

Welchen Stellenwert hat „Bio“ heute?

Der Stellenwert hat sich enorm verändert, und „Bio“ ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Den Einkäufern geht es nicht mehr nur um den Nutzen für die Umwelt, sondern auch um die eigene Gesundheit – wie auch die der Kinder. Deshalb beginnt bei vielen Menschen oft dann ein Umdenken in der Ernährung, sobald sie Verantwortung für ein eigenes Kind tragen.

„Bio“-Lebensmittel und Waren sind ist ja nun fast überall zu haben, was bedeutet das für ein Geschäft wie den „Zauberberg“?

Naturkostfachgeschäfte wie der „Zauberberg“ müssen sich die Mühe machen, die Unterschiede herauszustreichen. Wir handeln überwiegend mit Verbandsware, das heißt, dass die Produkte von Betrieben kommen, die von „Demeter“, „Bioland“ oder „Naturland“ kontrolliert werden. Diese Betriebe erzeugen ausschließlich und somit zu 100 Prozent Lebensmittel in Bioqualität. Dieser Qualitätsvorsprung ist gerade auch bei Produkten aus dem Ausland wichtig, weil dort auch viele Lebensmittel nach den Richtlinien des weniger strengen EU-Bio-Siegels produziert werden. Problematisch ist hier vor allem, dass auf dem gleichen Betrieb biologisch wie auch konventionell gewirtschaftet werden darf. Das sind dann oft Betriebe die nicht aus Überzeugung biologisch wirtschaften, sondern die Flächenanteile der Nachfrage anpassen.

Buchladen, Lebensmittelgeschäft und Lokal – wie kam’s zu dieser Kombination?

Dafür gibt es eine gesellschaftliche und eine persönliche Antwort. Im Gründungsjahr 1980 gab es die Buchhandlung und den Naturkostladen. Damals wie heute war für beide Geschäftszweige der Anspruch, dass es Veränderungen für eine nachhaltige Welt geben muss und unsere Gesellschaft Antworten darauf finden muss. Wenige Jahre zuvor war schließlich der erste Bericht des „Club of Rome“ erschienen, der diese Veränderungen nachdrücklich anmahnte. Persönlich gesehen reizte natürlich die Kombination, im gleichen Geschäft den Körper und den Geist mit Nahrung zu versorgen. Und diese Versorgung wurde dann mit dem 1989 eröffneten Restaurant und Tagescafé erweitert.

Die anderen Nahversorger wie „Tengelmann“ haben ihre Läden in der Innenstadt geschlossen. Der „Zauberberg“ ist nun der einzige Vollsortimenter in der Innenstadt, ist das ein hartes Brot?

Das ist – oder besser gesagt – das wird ein hartes Brot, wenn die Verbraucher die Geschäfte in der Innenstadt nur als Notversorger sehen. Hier eine Milch fürs Büro, da einen Apfel für unterwegs oder dort eine Breze in die Hand. Wer seine Einkäufe nur mit dem Auto in den Verbrauchermärkten am Stadtrand oder gar im Internet erledigt, der beraubt sich um ein Stück Lebensqualität. Lebendig bleibt unsere Innenstadt nur, wenn Weilheim hier auch weiterhin einen bunten Branchenmix zu bieten hat, und die Verbraucher diesen Lebensraum in der Stadt auch zu schätzen wissen. Sonst haben wir eines Tages nur noch Cafés, Optiker, Bekleidungsgeschäfte und Leerstände.

Wie wird sich „Bio“ entwickeln – und wie der „Zauberberg“?

Bioprodukte werden sicherlich noch eine Weile eine Nachfragesteigerung erleben. Schließlich sind wir in Deutschland ja erst bei rund sechs Prozent der bewirtschafteten Fläche und einem Pro-Kopf-Konsum von unter 100 Euro im Jahr in Sachen „Bio-Lebensmitteln“ angekommen. Natürlich bleibt unser Interesse und unser Anspruch, auch in Zukunft unseren Kunden diesen Mix aus Naturkostladen, Buchhandlung und Cafe anzubieten, um zum Nachdenken anzuregen, Gesundes zu genießen oder einfach nur anregende Gespräche zu führen. Die Themen werden nicht weniger werden.

Brigitte Gretschmann

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