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Begrüßungsrunde: Zu Beginn des Neujahrsempfangs fanden sich zusammen, von links: Frank Dittmann, Marion Lunz-Schmieder, Dr. Bernd Fabritius, Harald Kühn, Andrea Jochner-Weiß, Angelika Flock und Alexandra Bertl. 

Neujahrsempfang der CSU Weilheim

Alle sprachen das Thema „Asyl“ an

Weilheim - „Asyl“ ist überall Thema. Bei der CSU forderte der Vorsitzende des „Bundes der Vertriebenen“ eine „klare Differenzierung“ bei Flüchtlingen. 

Marion Lunz-Schmieder, Vorsitzende der CSU-Fraktion im Weilheimer Stadtrat, war hörbar stolz, als sie beim Neujahrsempfang der CSU im „Haus der Begegnung“ sagte, dass die heimische CSU auf allen Ebenen vertreten sei: vom Ortsverein bis zum Bundesminister. Und so gab es bei der zweistündigen Veranstaltung, zu der rund 120 Besucher gekommen waren, sechs Grußworte und einen Vortrag. Alle hatten als Schwerpunkt das Thema „Asyl“ und wie es weitergehen soll.

Dabei gab es vom Ortsvorsitzenden Frank Dittmann, der einen jungen Senegalesen betreut, und von Lunz-Schmieder Dank für die rund 160 Ehrenamtlichen, die sich in Weilheim um rund 380 Asylbewerber kümmern. Landrätin Andrea Jochner-Weiß sagte, dass derzeit 1750 Flüchtlinge sowie 100 unbegleitete Jugendliche im Landkreis leben. Jede Woche kämen 55 neue Flüchtlinge dazu. „Das kann so nicht weitergehen“, so Jochner-Weiß, „die Stimmung droht zu kippen“. Sie brach aber auch eine Lanze für die Asylbewerber: „Gehen Sie auf die Leute offen zu! Glauben Sie nicht alles, was Sie über Asylbewerber hören, hinterfragen sie es! Bisher haben wir sehr sehr wenig Probleme mit unseren Asylbewerbern“, appellierte sie an die Besucher.

Bezirksrätin Alexandra Bertl berichtete, dass der Bezirk Oberbayern rund 120 Millionen Euro für junge unbegleitete Flüchtlinge über 18 Jahre bereitstelle und auch viele Asylbewerber wegen ihrer Traumatisierung in die psychiatrischen Kliniken aufgenommen würden. Der Landtagsabgeordnete Harald Kühn forderte, dass die Asylsituation „regelbar bleiben muss“ und dankte Alexander Dobrindt für seinen Vorstoßzu „Obergrenzen“.

Dobrindt selbst sagte unter dem Applaus der Anwesenden dazu: „Wenn sich keine Lösung in Europa findet, muss es eine deutliche nationale Lösung geben“. Ein bisschen kokettierte der Verkehrsminister auch wieder mit dem Thema „Umfahrung Weilheim“: „Es wird seinen richtigen Gang gehen, darauf können Sie sich verlassen“, deutete er an.

Mit Andeutungen hielt sich der Hauptredner des Abends, Dr. Bernd Fabritius, nicht auf, als er mit leichtem Siebenbürger Einschlag – Fabritius ist Spätaussiedler – über „Wie viele kommen noch? Aktuelles zur Asylpolitik“ sprach. Eine seiner Kernaussagen lautete, dass er die von der CSU geforderte Obergrenze „von 200 000 Menschen, die wir gerne aufnehmen“, für „großzügig“ halte.

„Wer, wenn nicht wir Vertriebenen und Spätaussiedler soll das menschliche Leid und die Tragödie von Flucht und Vertreibung denn nachvollziehen können?“, fragte Fabritius. Es war ihm aber wichtig, „klar und deutlich“ herauszustellen, „dass eine Vergleichbarkeit der Flüchtlingsproblematik von heute und daraus erwachsenden Integrationsherausforderungen mit Flucht und Vertreibung der Deutschen vor 70 Jahren und deren Aufnahme nicht gegeben ist“. Die Heimatvertriebenen damals seien „Binnenvertriebene im eignen Land“ gewesen – mit derselben Sprache, den gleichen Werten und meist dem gleichen christlichen Glauben, so Fabritius.

Heute hingegen kämen die Flüchtlinge „aus völlig anderen Kulturen“, deswegen müsse hinterfragt werden, wie viele „wir aufnehmen können, ohne das Wesen unserer Gesellschaft in eine Richtung zu verändern, die wir nicht wollen“. Das deutsche Asylrecht, so Fabritius, „ist ausschließlich für Schutzbedürftige da“. Wer sein Heimatland freiwillig verlasse, falle nicht darunter.

Fabritius forderte eine „nachhaltige Bekämpfung der Vertreibungsursachen und der Vertreiber“; eine europäische Solidarität zur Bewältigung des Leides „dennoch vorhandener Opfer von Flucht und Vertreibung“; eine klare Differenzierung zwischen diesen Menschen und jenen, die aus wirtschaftlichen Gründen fliehen, sowie „eine klare Position zum Schutz unserer Wertekanons und unserer Identität, die nicht zur Disposition stehen“.

Brigitte Gretschmann

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