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Zeitschriften aus aller Herren Länder bot Thomas Neumann in der Bahnhofsbuchhandlung an. Er muss den Laden schließen.

Bahnhofsbuchhandlung muss schließen

Um 14 Uhr ist Schluss

Weilheim - Am Bahnhof in Weilheim geht am Dienstag eine Familientradition zu Ende: Thomas Neumann muss die Bahnhofsbuchhandlung nach 50 Jahren schließen. Er hätte gern weitergemacht.

Weilheim – „Wir haben schon ein Gebot abgegeben, im Rahmen des wirtschaftlich Vertretbaren“, so Thoma Neumann über den Grund dafür, dass die Bahnhofsbuchhandlung, die er und seine Frau Christine betreiben, am Dienstag schließen muss. Für die Räumlichkeiten am Bahnhof, die von der „DB Station und Service“ neu ausgeschrieben wurden, hat ein anderer Bewerber mehr geboten. Ihren letzten Ladenschluss machen Thomas und Christine Neumann am 29. Dezember schon um 14 Uhr.

Neumann war zwölf Jahre alt, als sein Vater, der schon in Berlin und München in der Verlagsbranche gearbeitet hatte, nach Weilheim zog – alt genug, um sich noch an die ganze Geschichte des im Mai 1962 gegründeten Familienbetriebs zu erinnern. „Es war ursprünglich ein Bahnhofskiosk“, so Neumann, „den mein Vater dann zu einer begehbaren Bahnhofsbuchhandlung erweitert hat.“ Er war damals einer der ersten in Bayern, die diese Modernisierung wagten. „In der Fachwelt ist die Unterscheidung wichtig“, so Neumann, „aber bei den Weilheimern war es noch lange der Zeitungskiosk am Bahnhof. Er hat so zum täglichen Leben gehört, dass er schon zum Begriff geworden war.“

Die Erweiterung zum Selbstbedienungsladen folgte 1963. „Dieser Verkaufsraum zählt zur Zeit zu den modernsten Bahnhofsbuchhandlungen im Land Bayern“, berichtete das „Weilheimer Tagblatt“ am 17. August 1963. Und weiter heißt es: „In einem in Deutschland bisher wenig bekannten, sogenannten Sägezahnregal-System, wird das umfassende Sortiment von Zeitungen, Zeitschriften, Fachblättern, fremdsprachlichen Journalen und Taschenbüchern übersichtlich angeboten.“ Auch Papier und Schreibwaren gab es damals. Und wer ein Buch nicht kaufen wollte, konnte es auch ausleihen. Geöffnet war die Bahnhofsbuchhandlung „an Werk- und Sonntagen von morgens sechs bis 21 Uhr durchgehend“.

Als die Neumanns nach Weilheim kamen, gab es im Bahnhof auch noch eine Gaststätte, und der Zeitungskiosk war in dem kleinen Anbau. „Hier war ursprünglich das Fenster, durch das die Zeitungen verkauft worden sind“, sagt Neumann und zeigt auf ein Schaufenster. Dann weist er auf den Eingang zur ehemaligen Damentoilette und dorthin, wo der Wartesaal und die Bahnhofswirtschaft waren. Es hat sich viel geändert in den vergangenen 50 Jahren.

Der neue Pächter der Bahn ist Michael Ganter aus Prien am Chiemsee. Er will ab 2. Januar für eine Übergangszeit von zwei Monaten in Containern neben den Fahrradständern einen Laden betreiben bis die Räume im Bahnhof umgebaut sind.

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ sieht den Pächterwechsel kritisch. „Wahrscheinlich verdient ,DB Station und Service’ damit ein paar Euro mehr, und dafür wird dann auch das Ende einer Traditionsfirma in Kauf genommen“. Erst kürzlich hat sich die Bahn laut „Pro Bahn“ unbeliebt gemacht, als sie im Murnauer Bahnhof einen Getränkeautomaten „zum Nachteil des Cafés im Bahnhof aufstellen ließ“.

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