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Fantasievoll und künstlerisch wie die Textvorlage sind Freia Unzickers Bild-Interpretationen der „Carmina Burana“ – hier die Malerin vor ihrem zehn Meter langen Ölgemälde. 

stadtmuseum weilheim  

Die „Carmina Burana“, ein Augenschmaus

Weilheim- Die "Carmina Burana" ist eigentlich etwas für die Ohren. Im Stadtmuseum Weilheim  ist sie aber auch ein Augenschmaus. 

Leicht meint man ja, über die „Carmina Burana“ schon fast alles zu wissen, schließlich wird Carl Orffs Vertonung hinlänglich oft aufgeführt. Doch die Ausstellung „Carmina Burana“ von Freia Unzicker ist alles andere als eine Doppelung. Neben dem Kunstgenuss inspiriert die Schau im Stadtmuseum auch zur frischen Neugier auf das zugrunde liegende Ur-Werk, die 226 „Lieder aus Beuren“, von denen Orff nur 24 verwendete.

Fast als eine Art Inhalts-Übersicht hat die Malerin die Textquelle in 16 farbige Bilder übersetzt, die im Erdgeschoss zu sehen sind. Jede der Darstellungen verweist auf wesentliche Elemente der Strophen und Gedichte. Die beginnen mit der Kritik am damaligen prasserischen Papsttum und leiten über Frühlings-Metaphern zum Thema des Sommers und der Liebe. Laudator Ruprecht Volz attestierte an dieser Stelle zwar eine Überlegenheit der geistigen Liebe, doch gleich darauf greift Unzickers Bilderzyklus geradewegs ins pralle Leben: Die fantasievollen Illustrationen zur Wirkung des Weines – mal kleine Figuren und Szenen, mal Symbole und grafische Strukturen – ergänzen sich annähernd zu einem Wimmelbild, worin selbst noch die gegensätzlichen Wirkungen des Alkohols auf die Libido erfasst sind.

Schmunzeln ist also fast unvermeidbar in dieser Ausstellung, genauso aber auch Reflektieren, denn zusätzlich zum Detailreichtum legt Unzicker in ihrer Bilderfolge zwei weitere Gedankenstränge an. Die von Bild zu Bild weiter schreitenden Regenbogenfarben zeigen sowohl die Abfolge der menschlichen Lebenszyklen als auch der Erdzeitalter, wobei das abschließende Bild, dunkellila gefärbt, jeweils für das Ende im Geistigen steht.

Zwei Jahre habe sie allein auf das Studium der Textquelle verwendet, sagt die aus Pfarrkirchen stammende und in München lebende Malerin. Der fertige Zyklus war 2015 bereits in Benediktbeuern zu sehen. Zum Zyklus gehören auch golden getuschte Textauszüge auf sehr besonderen „Papieren“: handgeschöpft aus Pflanzenfasern aus allen Ecken Europas – sie symbolisieren die vielen Quellen, aus denen die rund 780 Jahre alten Studentenlieder geschöpft waren: lateinische Antike, griechische Sagen, mittelalterliche Kirchenwelt, südfranzösische Minne, mittelhochdeutsche Schankstuben-Seligkeit...

Ein aufliegender Textband lädt zum Schmökern im Original – und ein zehn Meter langes Ölgemälde im Obergeschoss fasst den „großen Zug“ der Beurer Lieder noch einmal in einer schwungvollen, leicht naiv abstrahierten Ganzheit.

Zu sehen

bis 14. Februar im Stadtmuseum Weilheim: Di-Sa 10-17, So 14-17 h.

Andreas Bretting

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