Coronavirus in Bayern

Lieber ganz zu als Testpflicht: Händler enttäuscht über „Lockerungen“ - „Gehen Kunden nicht mehr mit“

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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In Bayern dürfen Geschäfte neuerdings auch bei einer Inzidenz über 100 Kunden empfangen, wenn diese einen negativen Corona-Test vorlegen. Für Händler ist das oft problematisch.

Weilheim - Ladenöffnungen trotz hoher Corona*-Inzidenz - mit dieser Regelung wollte die bayerische Staatsregierung den Einzelhändlern im Freistaat entgegenkommen. Seit vergangener Woche dürfen diese nun auch Kunden empfangen, wenn die Inzidenz in Landkreisen und Städten über 100 steigt. Erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz* von 200 müssen sie komplett für den Kundenverkehr schließen.

Was eine Erleichterung für die Einzelhändler sein sollte, von denen viele aufgrund des bereits monatelangen Dauer-Lockdowns vor den Scherben ihrer beruflichen Existenz stehen, birgt allerdings so seine Tücken. Die Kunden dürfen nämlich nur in den Laden, wenn sie, neben dem Einhalten von FFP-Maskenpflicht*und Abstandsregeln auch noch einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Doch diese Regel ist es, die den meisten Einzelhändlern einen Strich durch die Rechnung macht. Einige Unternehmer verzichten nun auf die „Lockerung“ der Regeln - und lassen ihre Filialen trotz Erlaubnis geschlossen.

Corona: Händler in Bayern verzichten auf Ladenöffnungen - die Hürden sind zu groß

Unter ihnen ist auch Florian Lipp. Er betreibt die Kaufhäuser der Rid-Gruppe in Weilheim, Penzberg und Bad Tölz. Seit mehr als 180 Jahren hat das Unternehmen bestand. „Das ist etwas Neues, dass man einen Laden, den man öffnen könnte, nicht aufmacht“, sagt Lipp im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur (DPA). Man merkt ihm an, wie scher ihm diese Entscheidung fällt, doch, so Lipp, irgendwann sei „die Grenze überschritten“.

Bisher habe er sich an alle Regeln gehalten, alle Maßnahmen mitgetragen. Auch die Kunden seien im Wesentlichen immer bereit gewesen, sich an die jeweiligen Umstände anzupassen, so Lipp. Doch die Regel zum negativen Corona-Test ist nun doch ein Schritt zu viel: „Das gehen die Kunden nicht mehr mit“. Grund seien die vielen Hürden, die der Corona*-Test mit sich bringe. Man müsse die Zeit einplanen, sich zuvor einen Termin ausmachen und auf das Testergebnis warten. Zudem sei der Test unangenehm in der Durchführung. Stattdessen bietet Lipp nun weiterhin „Click&Collect“ für seine Kunden an. Diese können also Dinge bei ihm vorbestellen und dann unter den geltenden Hygienebestimmungen abholen.

Ladenöffnungen in Bayern trotz hoher Corona-Inzidenz: Verlustgeschöft statt Lockerung

Der Handelsverband Bayern (HBE) erwartet, dass noch viele Händler Lipps Beispiel folgen und ihre Läden schließen oder auch gar nicht erst öffnen werden. Grund seien die zu erwartenden Verluste, so Geschäftsführer Bernd Ohlmann im Gespräch mit der dpa. Das was sich an Umsatz erzielen lasse „deckt nicht im Mindesten die Kosten dafür, die Läden zu öffnen.“

So sieht es auch Magnus Versen, der Geschäftsführer des Kaufhauses am Ostbahnhof in München. Er hat sich, wie auch Lipp, gegen eine Öffnung mit Termin und Test entschieden. „Es rechnet sich einfach nicht“, sagt er. Vor allem für Sortimentsbereiche, die auch in Drogerien oder Supermärkten angeboten würden, lasse sich niemand testen, wenn er dasselbe auch woanders ohne Test kaufen könne, so Versen, der wie auch Lipp nun weiterhin lediglich „Click & Collect“ anbietet. Dies erziele zwar womöglich etwas weniger Umsatz, mache jedoch auch weniger Umstände und spart die Kosten für eine komplette Öffnung.

Corona-Notbremse vom Bund könnte Öffnungsproblematik in Bayern beenden

Insgesamt sehen die Händler allerdings ihre Branche noch immer zu hart eingeschränkt. Sie würden sich wünschen, auf die Testpflicht verzichten und mit Masken und strengen Hygienemaßnahmen öffnen zu können. Dies scheint jedoch aktuell noch ferne Zukunftsmusik. Sollte die vom Bund angestrebte Corona-Notbremse durchgesetzt werden, müssten sowieso wieder alle Läden ab einer Inzidenz von 100 schließen. Für Unternehmer wie Florian Lipp würde sich dadurch dann nichts mehr ändern, so HBE-Chef Ohlmann. „Dann hat sich das Thema erledigt“. kah/dpa

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Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth/dpa

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