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An der Bahnlinie in Unterhausen wurden ab dem Jahr 2010 Bauplätze für ein „Einheimischenmodell“ vergeben.

Weiteres  „Einheimischenmodell“

Im Westen was Neues?

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Weilheim - Die Idee von einem weiteren „Einheimischenmodell“ macht – mal wieder – die Runde bei den Stadträten. Der Westen wird ins Auge gefasst.

Drei große neue Baugebiete werden in Weilheim gerade ausgewiesen: eins am Prälatenweg, eins am Gögerl und eins im Hardtfeld. Und dennoch wird immer wieder der Ruf nach einem weiteren laut, nach einem, in dem sich auch Einheimische einen Bauplatz leisten und ihren Traum vom Glück in den eigenen vier Wänden verwirklichen können. Denn, darin sich auch die meisten Stadträte einig, Baulandpreise um die 700 und mehr Euro für den Quadratmeter, wie sie für das neue Wohngebiet am Gögerl kolportiert werden, sind für Normalverdiener nicht mehr erschwinglich. Andererseits, und das wissen die Stadträte inzwischen aus Erfahrung, sind klassische Angebote für Ortsansässige wie das „Weilheimer Modell“, das als „Einheimischenmodell“ der ersten Stunden galt, heute nur noch schwer zu verwirklichen. Die EU-Kommission macht inzwischen strenge Vorgaben, und auch die Bezeichnung „Einheimischenmodell“ ist verpönt. Sie firmiert jetzt unter anderem unter dem Begriff „Sonderbodennutzung“.

In der Mai-Sitzung des Bauausschusses kochte das Thema wieder auf. Auslöser war ein Antrag der Firma „Wohnbau Scheurer“. Er zielte darauf ab, dass am Ortsrand am Huosiring/Parchetwiesen außerhalb der bestehenden Baugrenzen weitere Baugrundstücke ausgewiesen werden. Dazu hätte, um überhaupt Baurecht schaffen zu können, eine so genannte Ortsabrundungssatzung erlassen werden müssen.

Die Pläne von „Wohnbau Scheurer“ gingen einigen Ausschussmitgliedern aber nicht weit genug. BfW-Stadtrat Rupert Pentenrieder (BfW) sah eine Zustimmung zu Scheurers Antrag zwar als möglich an, wollte aber mehr als die vorgesehenen fünf bis sechs Häuser, nämlich „etwas für die Weilheimer“. In die gleiche Kerbe schlug Dr. Claus Reindl (BfW). „Es gibt eine Nachfrage“, stellte er fest. „Grundsätzlich vorstellen“ könnte sich ein neues „Einheimischenmodell“ im Westen auch Klaus Gast (CSU), sein Fraktionskollege Stefan Zirngibl stellte fest: „Mit den jetzigen Grundstückspreisen können wir die eigenen Kinder nicht bedienen“, sagte er. Ein „Einheimischenmodell“ könne er sich deswegen „sehr gut“ vorstellen. Das Umsetzen werde aber ein langer Weg sein „mit vielen Diskussionen“.

Schließlich wurde der Antrag von „Wohnbau Scheurer“ zurückgestellt. Ehe dazu eine Entscheidung getroffen wird, werden die Fraktionen beraten, ob die Stadt einem „Einheimischenmodell“ nähertreten soll. Wobei Bürgermeister Markus Loth schon mal auf eins hinwies: Es sei fraglich, ob größere Flächen überhaupt zur Bebauung zur Verfügung stehen.

„Einheimischenmodelle“ haben in Weilheim eine lange Tradition. Das erste wurde vor Jahrzehnten in der Au verwirklicht, es folgten weitere in den Parchetwiesen und am Narbonner Ring. Das bisher letzte Angebot gab es in Unterhausen.

Dazu hatte der Stadtrat die Vergabe- und Bewertungsrichtlinien im Jahr 2008 festgelegt. Der Grundstückspreis betrug dann 164 Euro pro Quadratmeter. Zusätzlich wurde für die Straßenerschließung ein Betrag in Höhe von 18 Euro pro Quadratmeter berechnet. Bewerben konnten sich Deutsche und andere EU-Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahre, die bereits zwei Jahre in Weilheim mit Hauptwohnsitz wohnhaft waren oder seit fünf Jahren in Weilheim eine hauptberuflichen Beschäftigung in Vollzeit hatten oder mindestens einer 50-Prozent-Teilzeit-Arbeit nachgingen.

Und wie schon „Am Hardtfeld“ zeigte sich auch in Unterhausen: Die Nachfrage nach den Bauplätzen ist zwar groß, doch auch diese subventionierten Grundstücke kann sich bei weitem nicht jeder leisten.

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