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Schneeweißchen, Rosenrot und ein Bär, in dem ein König steckt, gastierten im Stadttheater. 

„münchner theater für Kinder“ in weilheim  

Erst braves Märchen, dann Klamauk

Weilheim - Das „münchner theater für Kinder“ zeigte in Weilheim „Schneeweißchen und Rosenrot“. Ein Stück, das zum Klamauk wurde.

Aufgeregtes Geratsche und Gerutsche herrschte am Dienstag zu Beginn von „Schneeweißchen und Rosenrot“, einem Gastspiel des „Münchner Theaters für Kinder“. Im fast vollbesetzten Stadttheater – die meisten Kinder waren kaum älter als vier – warteten leuchtende Kinderaugen auf „ihr“ Märchen, das wohl nur wenige im Original der Brüder Grimm kannten. Endlich „Vorhang auf“ für den Hofnarren, der eigentlich der Bruder des Königs war, für die emsigen, etwas kicherigen Schwestern Schneeweißchen und Rosenrot samt strickender Mama – und für den Bären, in dem ein König steckte. Es ging um Verwandlung und Erlösung von bösem Zauber – und was aufs Erste nicht gelang, konnte beim dritten Mal geschehen: „Der Zauber sei gebrochen, das Zauberwort gesprochen. Der Bär verwandle sich zum König hier an diesem Ort!“, sprach der Hofnarr die erlösenden Worte. Märchen eben. Brav ging es zu bis zum Auftritt des bösen Zwerges, der feixend und keifend auf seinen Schätzen saß: „Spinathühner, Zwetschgenhirne und Mondgesichter“, beschimpfte er die hilfsbereiten Schwestern. Auch die Kinder im Publikum bekamen des Zwerges Wut zu spüren: „Ihr schreit und kreischt so schrecklich, ihr faules Pack!“ (mancher Erwachsener wird ihm diese Worte nachgesehen haben, denn gegen das in der Tat ohrenbetäubende Gekreische der Kinder kam ein leises Erwachsenen-„Psst!“ nicht an). Angestachelt vom Gaukler, der Kinder auf die Bühne einlud und sie zum Mitmachen animierte, war die begeisterte Schar kaum mehr zu halten. Unter Gejohle wurde dem Giftzwerg der Bart gekürzt, sein Zauberbeil entwendet und der kleine Böse in die Verdammnis geschickt. Das Gute konnte siegen. Der König war erlöst. Die Schwestern durften mit Muttern ins Schloss. Ende gut, alles gut.

Nein, nicht ganz: Die Vorstellung brachte die Kinder buchstäblich außer Rand und Band. Aus einem Märchen wurde ein aufgepepptes Mitmach-Theater, das sicher auch seine Berechtigung haben kann. Doch der Zauber des Märchens ging dabei leider verloren – und auch die wunderbar märchenhafte Sprache, die (mehr als jeder Klamauk) Kinderseelen auf leise Art berühren kann.

Andrea Günther

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