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Auch auf der Bühne ein (guter) Pädagoge: Josef Brustmann am Freitagabend beim „Kabarett-Abo Weilheim“. 

Kabarett mit Josef Brustmann

Wie bei Freunden

Weilheim - Josef Brustmann schaffte  bei seinem Kabarett-Solo im ausverkauften Weilheimer Stadttheater, was nicht jeder Künstler schafft:  wunderbare Vertrautheit.

Wenn Josef Brustmann auf der Bühne steht oder sitzt, mit der Gitarre im Arm oder mit der Zither am Tisch, und erzählt und singt, dann wirkt das so, als wäre man bei einem Spezl daheim auf Besuch. Dieses Gefühl von Nähe und Vertrautheit, das mancher Kabarettist vergeblich herzustellen versucht, stellt sich bei Brustmann ganz selbstverständlich ein.  Vielleicht liegt es daran, dass er mal Lehrer war – und vermutlich ein recht beliebter. So schaut er im Weilheimer Stadttheater mit diesem verständnisvoll-nachsichtigen Pädagogenblick aufs Publikum wie auf eine ans Herz gewachsene Schülerschar. Auch als er Barbara aus der ersten Reihe („Leit, i sog’s eich: Setzt’s eich nia in die erste Reih’ beim Kabarett!“) auf die Bühne bittet, die sich erst windet und nicht mag, kommt sein pädagogisches Geschick zum Einsatz. Mit den richtigen kleinen Hilfestellungen verschafft er ihr das Erfolgserlebnis, ihm beim Kuhglocken-Song zu assistieren. Hernach findet sie es richtig gut droben auf der Bühne.

So idyllisch wie mit den Kuhglocken („Ihr spart’s eich heit an kompletten Heimatabend“) geht’s freilich nicht die ganze Zeit zu: Bei politischen Themen kann Brustmann auch austeilen, etwa als er den CSU-Slogan gegen kriminelle Asylbewerber („Wer betrügt, fliegt!“) kurzerhand gegen Seehofer & Co umdeutet. Die katholische Kirche wird auch nicht geschont: Das Lied vom verliebten Buam, der bei Pfarrer, Bischof und Papst nachfragt, ob er sein Diandl lieben darf, und scheinheilige Verbote zu hören bekommt, trifft erst beim Herrgott auf Verständnis. Der seine abweichende Haltung vom Bodenpersonal dann auch einleuchtend erklärt: „Aus dera Kirch’ bin i scho lang austret’n!“

Aber auch die Widrigkeiten des Alltags deckt Brustmann auf, etwa in der Geschichte vom Manager, der um die Welt jettet, aber komplett scheitert, als er am Automaten einen MVV-Fahrschein lösen will. Biographisches fließt ein, wenn der Wolfratshausener Musiker und Kabarettist von seiner Kindheit in Waldram erzählt, wo nur kinderreiche, katholische Flüchtlingsfamilien angesiedelt wurden, die alle bei Null neu anfangen mussten: „Aber ein Dorf voller Kinder zum Spielen – was willst du mehr?“ Ja, einen „g’scheiten Fußball“ hätten sie sich vielleicht gewünscht, aber die Isar, die gleich vor der Haustür vorüberfloss, beschreibt Brustmann als ein Kinderparadies und schwärmt von der „vollkommenen Schönheit“ der Isarauen, in denen man alle freien Stunden und die ganzen Ferien verbrachte.

So wechselt Beschaulich-Nachdenkliches mit komischen bis bösen Passagen – ein im besten Sinne unterhaltsamer Abend. „Der Applaus ist berechtigt!“, meint Brustmann denn auch, ehe er zu den Zugaben im ausverkauften Theater ansetzt. Das Publikum ist da ganz seiner Meinung.

Sabine Näher

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