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Weilheimer Stadträte und Vertreter der Stadtwerke ließen sich in der Lichtenau über den Stand der Probebohrung informieren. Im Hintergrund der Bohrturm, der nachts beleuchtet und somit weithin zu sehen ist. Rechts Projektmanager Antonio Marabotto. 

Geothermie in der Lichtenau

Schon über 2000 Meter tief in der Erde

Wielenbach/Weilheim - Das größte Geothermie-Kraftwerk Deutschlands soll in der Lichtenau entstehen, bauen will es der italienische Energiekonzern „Enel Green Power“ zusammen mit „Erdwärme Oberland“. Seit kurzem läuft die erste Probebohrung. Ein Baustellenbesuch.

 Nur mit Sicherheitsschuhen, Schutzhelm, Warnweste und Schutzbrille durften Weilheimer Stadträte sowie Peter Müller und André Behre von den Stadtwerken den Bohrplatz am Ende der Altvaterstraße besichtigen. Bei einem Rundgang mit Projektmanager Antonio Marabotto von „Enel Green Power“ durch die Anlage gab es einige Fakten: Die Bohrung war am Freitag um 9 Uhr, als die Besichtigung begann, in einer Tiefe von 2303 Metern senkrecht unter dem Bohrplatz in der Lichtenau. Die Temperatur beträgt dort 72 Grad Celsius. Noch einige hundert Meter geht es senkrecht bergab, dann soll die Bohrung um 70 Grad in Richtung Wielenbach abgelenkt werden. Bei 3900 Metern Tiefe müsste der Bohrer auf die heißes Wasser führende Malmschicht treffen, in die noch weitere 350 Meter gebohrt werden soll.

Wenn alles nach Plan läuft, soll diese erste Probebohrung etwa Ende Februar abgeschlossen sein. Durch den eigenen Druck müsste dann das rund 140 Grad heiße Wasser bis etwa 130 Meter unter die Oberfläche ansteigen. Danach ist geplant, eine zweite Bohrung vorzunehmen, die 3,5 Kilometer von der Förderbohrung entfernt in die Malmschicht mündet. Der Abstand ist nötig, damit es nicht zu einem Kurzschluss kommt, durch den das abgekühlte Wasser wieder gefördert wird.

Für das Unternehmen „Enel“, „das weltweit im Bau von nachhaltigen Energieanlagen tätig ist“, ist laut Marabotto nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern auch die Art, wie dieses erzielt wird. Besonders Wert gelegt werde dabei auch auf Arbeitssicherheit und Umweltschutz.

Weilheims 2. Bürgermeister Horst Martin zeigte sich „beeindruckt von der Anlage“. Bei der Führung habe er „ein Gefühl dafür gekriegt, wie groß sie ist“. Susann Enders, Stadträtin der Freien Wähler (FW), auf deren Anfrage hin die Besichtigung zustande gekommen war, zeigte sich „etwas enttäuscht“, dass nur sieben Räte der Einladung nachgekommen seien. Sie hätte ein größeres Interesse erwartet, so Enders. Die FW hatten sich in der Vergangenheit stets gegen ein Geothermie-Kraftwerk in der Region gestellt und wollen es weiter kritisch begleiten.

Die Geothermie-Anlage in der Lichtenau ist für die Stromproduktion geplant. Ihre elektrische Leistung hängt davon ab, wie viel heißes Wasser gefördert werden kann. „Enel“ strebt eine maximalen Leistung von 26 Megawatt an, was einer Stromerzeugung bis zu 210 Millionen Kilowattstunden im Jahr entspreche und dem Bedarf von rund 60 000 Haushalten abdecken.

An der Abwärme, die für die Einspeisung in Fernwärmenetze verwendet werden kann, haben die Stadtwerke Weilheim Interesse. Dafür müssen aber, wie Stadtwerke-Chef Peter Müller bei seinem jüngsten Bericht im Stadtrat sagte, mehrere Kriterien erfüllt sein: Die Bohrung muss erfolgreich sein, sowohl bei der Temperatur als auch der Schüttung. Erst dann sei gegebenenfalls ein Einstieg in das Wärmegeschäft möglich.  „Enel“ hatte im Januar 2016 bekanntgegeben, dass sie 78,6 Prozent von „Erdwärme Oberland“ erworben habe. Im März gab es in Weilheim eine erste Bürgerversammlung zu dem Projekt. Laut dem im Internet veröffentlichten Plan soll das Kraftwerk ab Herbst 2017 gebaut werden und Ende 2018 in Betrieb gehen. Das wäre rund elf Jahre, nachdem „Erdwärme Oberland“ erste geologische Untersuchungen in der Region Weilheim vorgenommen hat.

Alfred Schubert/Brigitte Gretschmann

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