Aus dem Gericht

Der Geschädigte war der Angreifer

Weilheim – Ein Weilheimer (30) musste sich kürzlich vor dem Amtsgericht Weilheim wegen Körperverletzung verantworten. Am Ende der Verhandlung wurde das Verfahren jedoch eingestellt. 

Selbst im Gerichtssaal stritten sich der Angeklagte und der Geschädigte heftig. Amtsrichter Michael Eberle musste letztendlich in einer seiner letzten Verhandlungen in Weilheim die Kontrahenten mit einem lauten Zwischenruf zur Raison rufen. Worum es bei dem Streit im Februar dieses Jahres in einer Wohnung in Weilheim eigentlich ging, konnte nicht mehr ganz genau geklärt werden.

Der Angeklagte sprach davon, einen Kumpel begleitet zu haben, der drei Playstationspiele vom später Geschädigten zurück haben wollte, die er diesem ausgeliehen hatte. „Ich bin zur Unterstützung mitgegangen, damit nichts passiert“, sagte der Angeklagte aus. Man begab sich gemeinsam zu dem 35-jährigen Weilheimer, der sich nicht in seiner Wohnung aufhielt, sondern bei einer Bekannten war.

Nach Aussage des 35-Jährigen sollen nicht die ausgeliehenen Spiele der Grund des Besuchs der beiden Männer gewesen sein. „Sie wollten wissen, ob eine ehemalige Freundin in der Wohnung ist“, erklärte er im Zeugenstand. Eifersucht soll im Spiel gewesen sein. Das bestritt der Freund des Angeklagten sehr heftig, worüber im Gerichtssaal ein Streit entbrannte.

Wie die Situation an der Wohnungstür dann weiterging, stellte sich nach Angaben der drei Beteiligten äußerst widersprüchlich dar. Laut Aussage des Angeklagten schubste der Geschädigte seinen Freund, drängte ihn aus der Tür und rief ihm zu: „Verpiss dich, sonst bring ich dich um.“ Daraufhin griff der Angeklagte in das Geschehen ein und schubste seinerseits den Kontrahenten. Der stürzte mit dem Kopf an die Glasscheibe der Eingangstür und verletzte sich dabei geringfügig. Der 35-Jährige wollte jedoch einen Faustschlag des Angeklagten verspürt haben. Seine Schubserei und die Beleidigung räumte er ein. Aber er versuchte auch, sein Vorgehen zu rechtfertigen. „Wenn ich jemanden auffordere zu gehen und er tut das nicht, dann kann ich das machen“, sagte er.

Das sah Richter Michael Eberle anders, vor allem auch nach der heftigen verbalen Attacke des Geschädigten im Gerichtssaal. „Die Aggression ist vom Geschädigten selbst ausgegangen. Der Angeklagte musste in die Handlung eingreifen und hat etwas überreagiert“, stellte er klar. In Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren dann wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto)

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