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Aktuelles Interview zum  „Safer-Internet-Day“

„Kein Grund zur Panik“

Weilheim - Wie sollen Jugendliche mit dem Internet umgehen? Das weiß Erziehungsberater Kai Meyer zu Gellenbeck.

Wenn sich die Kinder im Internet besser auskennen als die Eltern, kann das für Verunsicherung sorgen, zumal das Internet für Jugendliche nicht ungefährlich ist. Kai Meyer zu Gellenbeck, Erziehungsberater des Erziehungs- und Jugendhilfeverbunds (EJV) Weilheim, hat immer wieder mit ratlosen Müttern und Vätern zu tun. Anlässlich des heutigen, weltweiten „Internet-Safer-Day“ hat die Heimatzeitung mit ihm über den richtigen Umgang von Kindern mit dem Internet gesprochen.

Welche Gefahren lauern auf Kinder und Jugendliche im Internet?

Die virtuelle Welt wie in Computerspielen kann den Jugendlichen als Zuflucht aus der realen Welt dienen und die Persönlichkeitsentwicklung negativ beeinflussen. Auch sexueller Missbrauch oder Suizid sind Themen, zu denen Jugendliche durch das Internet einen einfachen Zugang finden.


Können Sie das genauer erklären?

Jugendliche sind im Internet mit vielen Personen in Kontakt, möglicherweise auch mit Fremden. Es kann sein, dass ein vermeintlich 15-Jähriger eigentlich 25 Jahre alt ist. Manche Fake-Profile bringen den Jugendlichen zu Handlungen wie Fotos zu schicken oder sich zu treffen. Beim Thema „Suizid“ ist es so, dass Jugendliche im Internet schnell Foren finden, in denen sie auf Gleichgesinnte treffen. Dort haben alle denselben Gedanken und bestärken sich gegenseitig in ihrem Vorhaben.


Gibt es außerdem Risiken?

Ja, zum Beispiel ein finanzielles Risiko. Wenn Jugendliche unkontrolliert Apps einkaufen oder Internetseiten besuchen, die Viren enthalten und nicht sicher sind, kann das schon mal nach hinten losgehen. Und den Jugendlichen trifft dabei manchmal gar keine Schuld. Ein anderer Aspekt ist der, dass Arbeitgeber persönliche Fotos einsehen können. Das kann bei Fotos, auf denen beispielsweise ein Saufgelage zu sehen ist, schlechte Folgen haben.


Woran können Eltern erkennen, dass sich die Nutzung des Computers negativ auf ihr Kind auswirkt?

Wenn der Freundeskreis wegbröckelt und die schulischen Leistungen absinken beispielsweise. Beobachten sollte man auch, wie sich das Kind nach der Nutzung des PCs verhält. Ist es entspannt oder verhält es sich aggressiv? Wie reagiert es auf feste Essenszeiten – kann es sich dafür nicht vom Computer trennen? Registrieren die Eltern derartige Gefahrensignale, sollten sie eingreifen.


Inwiefern eingreifen?

Indem sie das Gespräch mit ihrem Kind suchen. Das könnte etwa so klingen: „Es ist meine Pflicht, auf dich aufzupassen. Deshalb muss ich wissen, was du treibst. Wenn ich sehe, dass die Computer-Nutzung sich nicht negativ auf deine schulischen Leistungen oder Freundeskreise auswirkt, ist es okay.“


Das ist vermutlich leichter gesagt als getan, oder? Manche Kinder reagieren wahrscheinlich empfindlich.

Ja, viele Eltern haben das Gefühl, sie brechen in die Privatsphäre ihres Kindes ein. Gerade dann, wenn das Kind den Computer oder das Handy mitfinanziert hat. Aber auch dann ist es wichtig, dem Kind zu erklären, dass man als Eltern das Recht und auch die Pflicht hat, sich einzumischen.


Wie viel Zeit sollte ein Kind am Tag maximal vor dem Computer verbringen?

Empfohlen werden im Kindergarten-Alter 30 Minuten, im Grundschul-Alter eine Stunde und bei Jugendlichen auf weiterführenden Schulen zwei Stunden. Wenn ein Kind mal etwas länger vorm Computer sitzt, heißt das aber nicht gleich, es ist abhängig. Grundsätzlich gilt: Je älter die Kinder, umso mehr Vertrauen sollte man ihnen gegenüber entwickeln.


Was können Eltern tun, die sich mit dem Thema Internet schlechter auskennen als ihre Kinder?

Es macht die Sache nicht einfacher, andererseits ist es aber auch sinnlos, selbst andauernd Online-Spiele zu spielen, damit man versteht, was der Jugendliche da macht. Besser ist es, dem Jugendlichen zu sagen, er soll einen teilhaben lassen und einem erklären, was er macht. Das heißt nicht, dass der Erwachsene stundenlang dabei sitzen sollte, aber es ist ihm schon geholfen, wenn er den Namen des Spiels kennt. Das ermöglicht ihm, im Internet mehr darüber herauszufinden, wie gut oder schlecht es bewertet ist.


Haben Sie das Gefühl, es gibt besonders viele Jugendliche, die die Nutzung von Computer und Internet nicht mehr unter Kontrolle haben?

Nein, es gibt keinen Grund zur Panik, viele Jugendliche integrieren die Computer-Nutzung sehr gut in ihren Alltag. Damit meine ich, dass sie sich zum Beispiel ganz normal über Facebook verabreden und sich treffen.


Was sollten Eltern unter gar keinen Umständen tun?

Ohne Vorwarnung den Stecker ziehen. Das darf nicht passieren. Das Kind muss die Chance haben, entgegensteuern zu können. Sonst hat es das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Deshalb lieber Zeitlimits setzen. Und wenn das Kind die Zeit nicht einhält, sollte man es erst verwarnen. Gelingt es dem Kind auch nach mehrmaligem Verwarnen nicht, von alleine die Computer- oder auch die Handynutzung einzustellen, kann man zu härteren Mitteln greifen und ihm das Gerät vorübergehend abnehmen.

Fragen: Luca von Prittwitz

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