Das lange Vorstrafenregister gab den Ausschlag für die Höhe der Strafe. dpa

Kleinkrimineller mit Geldsorgen

Weilheim - Weilheimer (31) erhielt wegen Schwarzfahrens eine Geldstrafe, in einem anderen Fall wurde er aber freigesprochen

Weilheim - Weilheimer (31) saß wegen zwei Delikten vor dem Amtsgericht Weilheim. Zum einen fuhr er im Juni und August letzten Jahres in vier Fällen ohne gültigen Fahrschein zu seiner Arbeitsstelle nach München. Und dann wurde ihm auch noch der Diebstahl eines Fahrrades vorgeworfen. In diesem Fall gab es aber einen unerwarteten Freispruch.

Die Schwarzfahrten räumte der Gerüstbauer ein. „Meine Arbeitgeber haben einfach nicht gezahlt und vom Arbeitsamt hatte ich keine Unterstützung“, begründete der Mann seine Taten. Überhaupt gab er sich ziemlich frustriert. „Zu arbeiten lohnt sich gar nicht. Ich könnte genauso von der Stütze leben“, sagte er. Er gab an, jede Gerüstbaufirma in München zu kennen, doch bei keiner würde es so richtig klappen mit der Arbeit. Der neunfach Vorbestrafte hat außerdem eine Menge Schulden angehäuft. Die Fahrten zur Arbeit habe er manchmal einfach nicht bezahlen können. „Ich hatte kein Geld. Ich war gezwungen schwarzzufahren“, meinte er. Insofern passte es ihm auch gar nicht, dass ein Bekannter ihm 150 Euro noch nicht zurückgegeben hatte. Weil die Rückzahlung nicht erfolgte, kam der Angeklagte auf eine merkwürdige Idee. Er entwendete am Arbeitsplatz des Bekannten dessen Fahrrad. Und das auch noch vor dessen Augen.

„Es war Zufall, dass ich das mitbekommen habe“, sagte der Geschädigte vor Gericht. Als er zufällig draußen war, sah er den Angeklagten mit dem Rad wegfahren. Er wollte zunächst gar keine Anzeige erstatten, da er sich sicher war, das Rad wieder zu bekommen, wenn er dem Angeklagten das geliehene Geld zurückgibt. Doch sein Chef riet ihm zur Anzeige, da der Diebstahl auf dem Betriebsgelände erfolgte. Der junge Mann behielt jedoch Recht. Nach der Rückzahlung der 150 Euro stand das Rad wieder vor der Tür.

„Diebstahl ist aber keine Rechtfertigung“, mahnte die Staatsanwältin und plädierte hinsichtlich beider Delikte für einen viermonatigen Freiheitsentzug ohne Bewährung, da der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist. Dem widersprach der Verteidiger. „Ich sehe das Entwenden des Fahrrads nur als verbotene Eigenmacht“, sagte er. Sein Mandant habe sich das Rad nicht auf Dauer aneignen wollen. Dem stimmte Richterin Katrin Krempl zu. Sie sah in der Tat keine Zueignungsabsicht. „Somit kann man das Entwenden des Rads nicht als Diebstahl bezeichnen“, sagte sie zur Begründung ihres Freispruchs in diesem Fall. Die Schwarzfahrten wurden jedoch mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro geahndet. Die hohe Strafe ergab sich aus den zahlreichen Vordelikten des Angeklagten. „Es ist zwar Kleinstkriminalität, aber bei Ihrem Vorstrafenregister bleibt mir nichts anderes übrig“, begründete die Richterin ihr Urteil.

Regina Wahl-Geiger

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