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Harald Bauer (49)leitet die Polizeiinspektion Weilheim.  

aktuelles interview mit harald bauer

„Bremsen, aber nicht ausweichen“

Weilheim - Man fährt durch den Wald, und plötzlich springt vor dem Auto ein Reh auf die Straße – ein Albtraum für Autofahrer. Harald Bauer, Leiter der Polizeiinspektion Weilheim, gibt  Tipps rund ums Thema „Wildunfälle“.

Wie sollte man sich verhalten, wenn plötzlich ein Reh, ein Wildschwein oder ein Fuchs vor das Auto springt?

Sofort abblenden und auf die Bremse drücken. Dem Tier nicht ausweichen, sondern geradeaus weiterfahren. Ein Autofahrer sollte lieber den Zusammenstoß mit dem Tier in Kauf nehmen, als ihm auszuweichen. Die schlimmsten Unfälle passieren, wenn der Fahrer das Steuer verreißt und in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum fährt.

Wann und wo müssen Autofahrer ganz besonders aufpassen?

Vor allem dort, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen. Aber auch sonst sollten Autofahrer in Waldgebieten die Augen offen halten und vorausschauend fahren. Es hilft auch, die Geschwindigkeit zu reduzieren, so kann man im Fall der Fälle schneller bremsen. Jeder Fahrer sollte die Situation für sich selbst einmal durchspielen und überlegen, wie er in der Situation reagieren würde. So kann man sich auf den Ernstfall vorbereiten.

Was ist zu tun, wenn man in einen Wildunfall verwickelt wurde?

Als Allererstes sollte die Unfallstelle abgesichert werden. Wir hatten vor Jahren einen schlimmen Unfall, bei dem zwei junge Menschen tödlich verunglückt sind, weil ein Fahrer nach einem Wildunfall auf der Bundesstraße die Unfallstelle nicht abgesichert hatte. Nachdem die Unfallstelle abgesichert ist, sollte der Fahrer die Polizei rufen. Sollte das Tier noch leben, wird ein Jäger kontaktiert, um es von seinem Leiden zu erlösen. Auf keinen Fall darf das Tier mitgenommen werden. Dies gilt als Wilderei.

Warum sind Wildunfälle so gefährlich?

Wenn plötzlich ein Wildtier vollkommen unerwartet vor das eigene Auto springt, kann das den Fahrer stark erschrecken und dieser das Lenkrad verreißen. Aus Reflex wollen wir dem Tier ausweichen und bringen uns so oft in größere Gefahr.

Was für Tiere sind gerade unterwegs?

Den Hauptanteil bei den Wildunfällen machen bei uns die Rehe aus. Aber es passieren auch immer mehr Unfälle mit Wildschweinen. Und auch Hasen und Füchse sind das ganze Jahr unterwegs.

Was gibt es sonst bei einem Wildunfall zu beachten? Wenn jemand zu schnell fährt, zahlt dann die Versicherung?

Wer in einen Wildunfall verwickelt ist, bei dem werden wir ohne triftigen Grund kein Geschwindigkeitsgutachten veranlassen. Wer jedoch zu schnell fährt, hat bei Wildwechsel auch einen längeren Bremsweg. Anders sieht es bei Alkohol aus. Hat der Fahrer einen Wert von 0,3 Promille oder mehr und wird in einen Unfall verwickelt, wird dies der Staatsanwaltschaft vorgelegt – auch bei einem Wildunfall. Die Staatsanwaltschaft hat dann zu prüfen, ob der Unfall vermieden hätte werden können, wenn der Fahrer komplett nüchtern gewesen wäre.

Interview: Jonas Regauer

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