aus dem gericht

Teure Falschaussagen

Weilheim - Ein Trio hatte nach einer Schlägerei bei der Polizei gelogen. Die Strafen für die jungen Männer reichen von Jugendstrafe bis Sozialdienst.

 Es waren allesamt alte Bekannte, die auf der Anklagebank im Sitzungssaal 18 des Weilheimer Amtsgerichts vor dem Jugendschöffengericht saßen. Die drei 21-Jährigen aus Weilheim, Wielenbach und Weilheim haben jeweils schon ein beachtliches Vorstrafenregister und waren – vor allem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz – schon des Öfteren vor Gericht gestanden. Diesmal mussten sie sich wegen versuchter Strafvereitelung verantworten, weil sie allesamt falsche Aussagen bei der Polizei gemacht hatten.

Am 31. Januar 2014 hatten sie sich mit anderen Bekannten in der Wohnung eines Freundes in Weilheim getroffen und dort Bier getrunken. Plötzlich griff der Freund einen der beiden Angeklagten aus Weilheim an: „Er hat zu mir gesagt, dass ich alle in den Knast bringe und ist auf mich losgegangen“, schilderte der Angegriffene vor Gericht. Er war in den Verdacht geraten, seine Freunde, die damals, wie er, zum erweiterten Kreis der Weilheimer Drogenszene gehörten, bei der Polizei angeschwärzt zu haben. „Er hat mich mit der Faust geschlagen und mit dem Knie getreten“, so der Angeklagte. Der Freund habe so lange auf ihn eingeschlagen, bis der 21-jährige Wielenbacher einschritt und die beiden auseinanderzog.

Den Vorfall hatte auch der dritte Angeklagte beobachtet. Er habe auf der Couch im Wohnzimmer des Freundes gesessen, als dieser plötzlich auf den Weilheimer losgerannt sei und ihn an die Wand gedrückt habe. Er sei zu geschockt gewesen, um einzugreifen.

Das Opfer hatte Nasenbluten und entschloss sich, den Angriff bei der Polizei anzuzeigen. Dort erzählte er zunächst auch die selbe Geschichte wie in seiner Aussage vor Gericht. Dann, so sagte er in der Verhandlung, hätten die Drohanrufe begonnen: „Am Abend schon ging es los mit den Anrufen“, sagte der 21-Jährige. Die Eltern des Freundes, der ihn geschlagen hatte, drohten, ihn hinter Gitter zu bringen, wenn er den Sohn anzeigen würde. Sie hätten genug Drogengeschäfte des 21-Jährigen aufgezeichnet, um ihn zu belasten, so der Angeklagte. Irgendwann wirkten die Drohanrufe und der 21-Jährige ging zur Polizei. Er widerrief seine erste Aussage: Er sei gegen einen Türrahmen gestoßen, deswegen die blutige, geschwollene Nase.

Seine beiden Mitangeklagten gaben bei ihrer Vernehmung eine ähnliche Geschichte zum Besten. Später ist allerdings ein Mädchen eingeknickt, das bei der Schlägerei ebenfalls in der Wohnung war. Sie schilderte die Prügelei, und die Geschichte flog auf. In der Verhandlung räumten die drei Angeklagten dann auch ein, dass sie bei der Polizei nicht die Wahrheit gesagt hatten. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Michael Eberle verurteilte die Drei, die damals noch Heranwachsende waren, wegen versuchter Strafvereitelung. Der Angegriffene muss eine Woche in Jugendarrest, zudem muss das Opfer der Schläge 600 Euro an den Hospizverein Polling zahlen. Der zweite Weilheimer, der keine Ausbildung und keine Arbeit hat, muss für drei Wochen in Jugendarrest und 120 Stunden soziale Dienste leisten. Der Wielenbacher wurde zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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