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Festlicher Auftritt: Der Chorkreis mit den Pianisten Florian Appel und Bernhard Willer. 

Konzert im stadttheater   

„Frühling ist schön – Liebe ist besser“

Weilheim - Der Weilheimer Chorkreis begeisterte mit einem ambitioniertem Programm.  Das  Motto des Konzerts hieß  „Komm, holder Lenz!“.

Vom Frühling und vom unerschöpflichen Thema „Liebe“ handelten die Madrigale und Lieder, die der Weilheimer Chorkreis am Samstagabend vor 150 Zuhörern im Stadttheater aufführte. Wobei es da ein klares Bekenntnis gab – aus dem Mund von Roswitha Bauer, die gemeinsam mit Chorvorstand Hartmut Gast informativ, aber doch in gebotener Kürze durch das Programm führte: „Frühling ist schön – aber Liebe ist besser“, sagte sie, ehe nach der Pause sechs Madrigale erklangen, darunter „Madonna ma pieta“ von Orlando di Lasso und im Kontrast dazu das frische, vom Triumphgefühl beseelte „Amor vittorioso“ von Giovanni Gastoldi.

Wer die Sprache des Sports wählt, der formuliert, auf diesen Konzertabend bezogen: Der Chorkreis hatte einen schlechten Start erwischt. Aus Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ hatte Dirigentin Elisabeth Reitzer – die Musiklehrerin leitet seit 2011 den 38-köpfigen Chorkreis – den Chor „Komm, holder Lenz!“ gewählt. Doch die Sängerinnen und Sänger waren nicht exakt beim Einsatz. Der erste Ton kam nach der Klaviereinleitung nicht präzise auf den Schlag. Nach drei Volksweisen intonierte der Chor Mendelssohns bekanntes Lied „O Täler weit, o Höhen“, wobei im Vers „Saust die geschäft’ge Welt“ die Kraft und Hektik durch das energische Forte und Stakkato gut zum Ausdruck kamen und einen klaren Kontrast zu den feinen melodiösen Zeilen bildeten.  Drei Barbershop-Songs, wie sie im 19. Jahrhundert für die Friseurläden in amerikanischen Dörfern typisch waren, standen ebenfalls auf dem Programm – darunter „Sweet Roses of Morn“. Hohe Anforderungen an den Chorkreis, der mit 25 Frauen und 13 Männern ordentlich besetzt ist, stellte das Madrigal „Mille regretz“ von Josquin Desprez (1450-1521), das älteste Stück des Abends. Voll aus sich heraus gingen die Sängerinnen und Sänger bei Carl Orffs „Odi et amo“.

Klasse, wie die beiden virtuosen Pianisten Florian Appel und Bernhard Willer im „Liebesliederwalzer“ von Johannes Brahms vierhändig, immer leicht und beschwingt die Walzer interpretierten, die mit den elf kurzen Liedern abwechselten. Das temperamentvolle Stück bildete den Abschluss des zweieinhalbstündigen Abends. Eines Konzertabends, an dem der Chorkreis als ambitioniertes Laienensemble zeigte, dass er in vielen Epochen zu Hause ist und sich auch schwieriger Werke annimmt. Freilich wäre – gerade ob der trockenen Akustik des Theaters mit seinen Vorhängen, Teppichen und Polstern – öfters ein sattes Forte angebracht gewesen.

Johannes Jais

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