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Inspizieren das Bühnenmodell für „Kasimir und Karoline“ im Stadttheater: Regisseurin Yvonne Brosch (r.) und Bühnenbildner Andreas Arneth (2.v.l.) mit den jungen Hauptdarstellern Sophie Sörensen und Stefan Voglhuber. 

„Weilheimer Festspiele 2017“  

Erstmals  gibt es Horváth und Shaw

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Erst Ödön von Horváth, dann George Bernard Shaw: Zwei illustre Autoren stehen heuer auf dem Spielplan der „Weilheimer Festspiele“ – beide erstmals überhaupt in der 18-jährigen Festspiel-Geschichte. Am 14. Oktober ist Premiere für Horváths „Kasimir und Karoline“, am 15. Dezember für Shaws „Pygmalion“.

Weilheim – Ein Stück von Horváth zu inszenieren, davon träumen Weilheims Festspielmacher Yvonne Brosch (Regie) und Andreas Arneth (Ausstattung) schon lange. „Er ist ein ganz wichtiger Autor, und seine Sprache passt so zu uns“, schwärmt Arneth: „Er trifft die Seele im Oberland.“ Das ist kein Zufall: Der Diplomatensohn Ödön von Horváth (1901-1938) – der in Belgrad und Budapest aufwuchs, ungarischer Staatsbürger war, aber auf Deutsch schrieb – verbrachte in den 1920er Jahren viel Zeit im Landhaus seiner Eltern in Murnau, fand dort Stoffe für mehrere Theaterstücke und seinen Roman „Jugend ohne Gott“. Im Murnauer Schloßmuseum würdigt heute eine eigene Abteilung das Werk und die Bedeutung des Schriftstellers.

Das sozialkritische Volksstück „Kasimir und Karoline“ schrieb Horváth 1932, es spielt auf dem Münchner Oktoberfest in der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise von 1929. Der Taxifahrer Kasimir hat gerade seinen Job verloren, und ausgerechnet jetzt soll er seine Verlobte Karoline auf die Wiesn ausführen – sie will sich amüsieren. Es kommt zum Streit, sie lässt sich mit dicken, betuchten Herren ein, er mit Kleinkriminellen und Besoffenen. Horváth selbst beschrieb das Stück als „eine Ballade voll stiller Trauer, gemildert durch Humor“.

Symbol für allerlei Desillusionierungen ist das „Teufelsrad“, das altbekannte Fahrgeschäft mit der Drehscheibe: Wer sich nicht halten kann, rutscht raus, wird dafür auch noch ausgelacht und derbleckt. Diese Scheibe ist das Zentrum des Bühnenbilds, das Arneth für die Weilheimer Inszenierung zimmert – als „Sinnbild für das Leben“. Was sich darauf und drumherum abspielt, ist für die Festspielmacher auch 85 Jahre nach der Uraufführung noch hoch aktuell: Da sind zwei junge Menschen, die in einer krisenhaften Welt einerseits der Gesellschaft gerecht werden und sich andererseits amüsieren wollen. „Es geht darum, in schwierigen Zeiten das Glück zu finden“, erklärt Brosch.

„Damit ist es auch ein Stück für junge Leute“, ergänzt Arneth. Deshalb bieten die Festspiele zusätzlich zu den sechs regulären Aufführungen drei Schulvorstellungen von „Kasimir und Karoline“ im Stadttheater an. Junge Gesichter finden sich auch im elfköpfigen Ensemble: Neben den Titelhelden Stefan Voglhuber und Sophie Sörensen – beide schon mehrmals in Weilheim zu sehen – spielen als Neuzugänge Verena Thorhauer, Mona Weiblen, Timo Alexander Wenzel, Lisa Wittemer und Daniel Farid Wittmann; Letzterem verlieh der Bezirk Oberbayern 2016 den „Lore-Bronner-Preis“, mit dem stets ein Engagement bei den „Weilheimer Festspielen“ verbunden ist. Als wohlbekannte Weilheimer wirken Michael Golf und Thomas Koterba mit. Dazu kommen zwei hoch erfahrene Darsteller: Winfried Hübner, der schon in zahlreichen Fernsehserien auftrat, sowie – erstmals bei den Festspielen dabei – Florian Münzer, der auch als Chef der „Seebühne Utting“ bekannt ist.

„Ich freu’ mich narrisch auf beide Stücke“, sagt Brosch. Denn auch mit der zweiten Inszenierung betreten die 1999 gegründeten „Weilheimer Festspiele“ Neuland. Gesucht war ein Stück, das heiter, „aber nicht wieder Boulevard“ ist, wie es Arneth formuliert. „Pygmalion“ von Shaw sei definitiv „Literatur“, zugleich wohlbekannt ob seiner Nähe zum Musical „My fair Lady“. Es biete „bösen Humor, sei aber auch nachdenklich. Neun Schauspieler (darunter die Weilheimer Anita Kurzrock, Heinz Fink und Lukas Wörle) stehen dafür ab 15. Dezember auf der Bühne – auch wieder in einer Silvestervorstellung.

Aufführungen

von „Kasimir und Karoline“ sind am 14./15. und 27./28./29. Oktober sowie am 1. November im Stadttheater – freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags und an Allerheiligen um 18 Uhr. Karten gibt es im Rathaus und beim Medienhaus-Ticketservice (Sparkasse/Marienplatz, Tel. 0881/68611). Auch für „Pygmalion“ läuft der Vorverkauf bereits; für die Silvestervorstellung gibt es erst ab 2. November Karten (im Rathaus). Weitere Info: weilheimer-festspiele.de.

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