Auf Kante gefahren

Mann stürzt mit Rad - und will Schmerzensgeld

Weilheim – Michael R. (42) ärgert sich über die Stadtwerke Weilheim: Er macht das Kommunalunternehmen für seinen Fahrradunfall verantwortlich - verlangt Entschädigung und sogar Schmerzensgeld.

Für den Weilheimer Michael R. begann der Ärger am 29. Oktober 2013: Mit dem Fahrrad fuhr er abends vom Bahnhof nach Hause, er war auf dem Heimweg von der Arbeit. An der Kaltenmoserstraße, nahe des Supermarkts „Real“, passierte es: „Ich bin unverhofft gegen eine Kante gefahren und habe den Lenker verrissen. Dann lag ich platt auf der Fahrbahn“, schildert R. Sein Fahrradreifen sei an einer rund einem Quadratmeter großen und zehn Zentimeter tiefen Mulde im Asphalt hängengeblieben. Der Betriebshof der Stadtwerke hatte an der Stelle Straßenarbeiten durchgeführt. R. zog sich bei dem Sturz Schürfwunden und Prellungen zu, die im Krankenhaus behandelt wurden. „Der Fahrradlenker, mein Sakko, meine Hose und mein Hemd waren kaputt“, sagt der Weilheimer. Die Polizei war vor Ort und nahm den Unfall auf.

R. sieht die Schuld für seinen Unfall bei den Stadtwerken – diese haben seiner Meinung nach die Baustelle nicht richtig abgesichert. Dass die Polizei am Tag seines Unfalls gleich ein Blinklicht aufstellte, beweise dies.

Von der Staatsanwaltschaft wurde der Unfall strafrechtlich nicht verfolgt. Es wurde R. aber freigestellt, zivilrechtliche Schritte einzuleiten.

Er habe nicht gleich einen Anwalt einschalten wollen, sagt R., und deshalb einen Brief an die Stadtwerke verfasst. Darin fordert einen Ausgleich „für Schaden und Schmerz“ in Höhe von 700 Euro. Die Stadtwerke werden aufgefordert, diesen Betrag innerhalb von 30 Tagen auf sein Konto zu überweisen.

Doch stattdessen bekam R. einen Brief von der Versicherung der Stadtwerke. „Darin hieß es, dass die Stadtwerke alles richtig gemacht haben und sie keine Schuld tragen“, sagt R. Er schrieb nochmal einen Brief, es kam dieselbe Antwort von der Versicherung. Er fühle sich gezwungen, nun doch einen Anwalt einzuschalten, sagt der 42-Jährige. „Es ist eine Unverschämtheit, die Straße aufzureißen und nicht zu markieren“, findet er.

Wolfgang Kreppel, kaufmännischer Leiter bei den Stadtwerken, sagt dagegen, dass die Stadtwerke nicht schuld sind an dem Fahrradunfall. R. Forderungen seien der Versicherung gemeldet worden, „mit der Bitte um Regulierung des Schadens“, so Kreppel. „Diese hat uns darauf hingewiesen, dass kein Vergehen von unserer Seite vorliegt.“ Auf freiwilliger Basis könne das Kommunalunternehmen aber kein Geld auszahlen. „Das dürfen wir als kommunales Unternehmen gar nicht.“

Der Betriebshof der Stadtwerke habe an besagter Stelle Straßenarbeiten durchgeführt, das dabei entstandene Loch sei dann mit Kies verfüllt und mit einem Verkehrsschild versehen worden. „Die Kollegen haben die Stelle turnusmäßig kontrolliert“, so Kreppel, zuletzt zwei Tage vor R.s Unfall – mehr sei nicht gefordert. Zum Zeitpunkt der Unfall sei die Kiesverfüllung offenbar vom Regen ausgewaschen gewesen.

Doch Michael R. fühlt sich abgespeist: Die Stadtwerke hätte ihm kein einziges Mal persönlich geantwortet oder sich entschuldigt. „Ich finde es nicht in Ordnung, wie man mich behandelt“, klagt R. Kreppel räumt ein, dass das Verhalten der Stadtwerke vielleicht „unglücklich“ war: „Ein persönliches Wort wäre bestimmt geschickter gewesen.“

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Stephanie Wolf

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