+
Die Platzierung will gut gewählt sein: (v.l.) Sebastian Bacherl, Rupert Findler und Dr. Joachim Heberlein beim Aufstellen der Krippenfiguren.

In der Stadtpfarrkirche

Weilheimer Krippen-Attraktion

Die Weihnachtskrippe in der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt ist wieder aufgebaut. Sie gehört zu den größten in Bayern.

Weilheim – Am Freitag vor dem ersten Advent beginnt der Aufbau der Weihnachtskrippe im ersten Seitenaltar der Weilheimer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt. Mit einer Fläche von 17 Quadratmetern gehört sie zu den größten in Bayern. Gut eineinhalb Tage dauert der Aufbau, und am Ende entsteht jedes Jahr ein neues Bild.

„Die Landschaft gibt die Stimmung des Aufbauers wieder“, sagt Dr. Joachim Heberlein, seit 25 Jahren „Generaldirektor“ des Krippenaufbaus. Jedes Jahr werde die Landschaft der Krippe verändert. Es gebe keinen Bauplan. So wurde diesmal in der Mitte des Bildes eine Schlucht eingebaut. Ohne Veränderung könne man die Krippe auch ins Museum stellen, erläutert Heberlein. Schwierig sei es, jedes Jahr die Wurzeln in eine natürliche Landschaft zu bringen.

Neun Leute sind heuer am Aufbau beteiligt – aufgeteilt in die Abteilungen „Elektrik“, „Wurzeln“, „Moos“, „Landschaft“ und „Figuren“. „Jeder ist nur für seinen Bereich verantwortlich“, erklärt Heberlein, der seit 25 Jahren dabei ist. Er sei der Einzige, der alles dürfe.

Eine der Besonderheiten seien die Wurzeln aus dem Weilheimer Moos, sagt Heberlein. Der Stadtarchivar weiß, dass manche älter seien als die Stadt Weilheim. Sogar das Muster einer Seeschnecke sei auf einer Wurzel noch erkennbar. „Wir bewegen da schon jedes Jahr einige Kilos“, berichtet Heberlein über den Transport der „steinharten“ Wurzeln. Gelagert werde der Krippenbestand an unterschiedlichen Orten und fordere einiges an Logistik. Das Steinmoos kommt aus den Bergen. Es müsse dünn sein, damit die Figuren auch sicher darauf stehen könnten, erklärt der Krippenaufbauer. Eine eiserne Regel seines Vorgängers lautete: „Das Moos muss vor Kirchweih eingesammelt werden.“ Nachdem es also gut einen Monat austrocknen konnte, wird es nass gemacht, um sich über die Wurzeln zu legen.

14 Tage vor Ostern wird die Krippe abgebaut. Bis dahin können die Kirchenbesucher zehn verschiedene Bilder und insgesamt rund 270 Figuren und Tiere bewundern. Dabei sind drei Krippen zu einer geworden. „Eine ist die Krippe aus der Bernrieder Klosterkirche“, erzählt Heberlein. Von wann genau die ersten Figuren stammen, sei aber nicht überliefert.

Die Krippe ist „das günstigste Weilheimer Vergnügen“, wie Heberlein es nennt. Schon ab einem Münzeinwurf von zehn Cent öffnen sich die Türen, und heraus kommt das Christkind und segnet den Spender. Es ist nur eines von vielen kleinen Details, das die Weilheimer Weihnachtskrippe zu etwas Besonderem macht – nicht nur für Heberlein.

Phillip Plesch

Auch interessant

Kommentare