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Am Kölner Dom soll in dieser Silvesternacht verschiedene Lichtbilder erscheinen.

Ein Jahr nach Übergriffen

Das plant ein Weilheimer Künstler für die Silvesternacht in Köln

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Weilheim - In Köln wollen sie alles anders machen als vor einem Jahr – und ein Weilheimer soll dabei helfen. Philipp Geist, 40, wird die Domplatte in der Silvesternacht in ein Kunstwerk aus Licht verwandeln.

Azadi heißt auf Persisch Freiheit. Der Azadi Tower ist also der Freiheitsturm und im Oktober 2015 löste er ein, was sein Name verspricht. Drei Nächte lang leuchtete er in bunten Farben, Lichtbilder rieselten an der makellosen Marmorfassade herunter. Dazwischen blitzten Worte in verschiedenen Sprachen auf: Freiheit, sunshine, Hoffnung, métamorphose. Friedensbotschaften mitten in Teheran.

Philipp Geist (40).

Philipp Geist ist noch ganz erstaunt darüber, dass niemand versucht hat, sein Projekt zu zensieren. „Das meint man ja nicht, ist aber so.“ Die „poetisch-friedliche Aussage“ konnte also die Runde machen, gerade junge Iraner sprachen darüber. Das Projekt war nicht eindeutig politisch, aber eben auch nicht ganz unpolitisch. Soll niemand sagen, die Lichtkunst des Philipp Geist sei bloß eine farbverliebte Spielerei. Geist, 40, der in Weilheim groß geworden ist, aber seit 17 Jahren in Berlin lebt, hat schon Gebäude und Plätze überall auf der Welt mit seinen Lichtinstallationen bespielt, im Senegal, in Indien oder Brasilien. Verglichen damit liegt der nächste große Auftrag quasi vor der Haustür. Geist soll die Kölner Domplatte in Kunst verwandeln. Aber nicht irgendwann, sondern in der Silvesternacht.

Silvesternacht wird zum „Alptraum einer ganzen Stadt“

Vor einem Jahr wurde diese Nacht zum Alptraum einer ganzen Stadt. Im Schatten des Doms rotteten sich Hunderte von jungen Migranten zusammen, die meisten aus Nordafrika. Viele Frauen berichteten später von sexuellen Übergriffen und Diebstählen. Die Polizei schritt nicht ein, das Herz der Stadt glich stundenlang einem rechtsfreien Raum. Diesmal will Köln positive Bilder in die Welt schicken. Deshalb hat man Geist engagiert, den Mann, der sogar Friedensbotschaften aus Teheran senden kann.

Unter dem Titel „Time Drifts Cologne“ plant Geist eine Mischung aus Lichtshow und Videoprojektionen. Die Domplatte und der benachbarte Roncalliplatz sollen mit Großbild- und Videoprojektoren bespielt werden, außerdem die Fassaden des Römisch-Germanischen Museums und des Dom-Forums. Das Ganze wird unterlegt mit sphärischer Musik.

Im Zentrum stehen, wie in Teheran, Wörter. Geist will sie auf den Boden projizieren, manche sollen im künstlich erzeugten Nebel sogar wirken, als schwebten sie in der Luft. „Wer sich in die Installation begibt, wird Teil von ihr“, sagt Geist. Im Nebel wird alles eins. Die Besucher sind also Teil des Lichtkunstwerks. Das kann man als einende Geste verstehen, Köln soll nach vorne schauen.

Geist seit 20 Jahren Lichtkünstler

Seit 20 Jahren ist Geist Lichtkünstler, sein Name ist längst zur internationalen Marke geworden. Trotzdem hängt er an Weilheim, diesem „für mich wichtigen Ort“, wo er noch immer einen Zweitwohnsitz hat. Kürzlich hat er dort ein Lichtkunstfestival ins Leben gerufen. Gut für die Kunst – und gut für die Stadt. Auch Köln hat er ins Herz geschlossen, besonders den Dom. Und auch dieser Stadt möchte er etwas geben.

Und zwar mit Hilfe von außen. Schon jetzt sammelt er Wörter, die er an Silvester auf die Domplatte projizieren kann. Jeder kann einen Vorschlag schicken, von Kiel bis Kreuth. „Gerade an diesem Abend ist es mir wichtig, mit den Leuten in Kontakt zu treten“, sagt er. Was bisher bei ihm eingetrudelt ist, klingt versöhnlich und manchmal nachdenklich. Wörter wie „Miteinander“ und „Menschenwürde“ sind darunter. Geist sagt, das zeige, dass die Menschen auch nach den Silvester-Ereignissen „nicht zumachen“.

Natürlich ist das Projekt nicht unumstritten. Kritiker halten es für unangebracht, reine Imagepolitur nach dem Totalversagen. Die Stadt macht auch keinen Hehl aus ihrer Absicht. Kürzlich sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker, von Köln sollten wieder schöne Bilder ausgehen. Denn die Welt schaut diesmal hin und man will ihr nicht noch einmal das Chaos vom letzten Jahr zumuten.

Noch konzipiert Geist seine Installation. Es geht jetzt darum, welche Videos er an die Fassade des Römisch-Germanischen Museums wirft, wie viele Projektoren er braucht und wo die Gerüste stehen müssen, auf denen er sie platziert. In den drei Tagen vor Silvester machen er und sein Team dann Probeläufe, alles muss sitzen. Es ist ja nicht irgendeine Nacht.

Wer Wortvorschläge hat, kann sie noch bis zum 28. Dezember an die Mail-Adresse deinwortfuerkoeln@videogeist.de schicken.

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