Rund 130 Zuhörer verfolgten die Bürgerversammlung. rf

Weiter Kontroversen in Sachen "Mobilfunk"

Seeshaupt - Die Meinungen zu der von der "Telekom" gewünschten zweiten Mobilfunkantenne in Seeshaupt gehen weit auseinander. Das wurde auf einer Bürgerversammlung deutlich.

Ein Vorschlag der Gemeinde, ein Gegenvorschlag der „Bürgerwelle“, dazu Bürger, die besseren Handyempfang wollen, und solche, denen die Antenne auf dem Postberg ausreicht: Es gab viel Zündstoff auf der Bürgerversammlung zur zweiten Mobilfunkantenne in Seeshaupt. Die wollte die „Telekom“ auf ihrer Vermittlungsstelle an der Bahnhofstraße aufstellen, um die Versorgung im Dorf zu verbessern. Weil das Gebäude in Sichtweite von Schule und Kindergarten liegt, suchte die Gemeinde in einem „Dialogverfahren“ nach Alternativen.

Einem Gutachten zufolge, bei dem 13 Plätze untersucht wurden, erfüllt allein der kleine Wald beim Friedhof alle Voraussetzungen, zudem wäre dort die Immission geringer als beim Standort „Bahnhofstraße“. „Was aber keineswegs heißt, dass ich den Standort Friedhof für gesund halte“, stellte Hans Ulrich-Raithel vom beauftragten Umweltinstitut München klar, „aber leider gibt die Topographie von Seeshaupt nicht mehr her.“

Die „Bürgerwelle“ hatte bei Peter Nießen von der Kölner Firma „EMF“ ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Der Gegenvorschlag klang zunächst recht plausibel, weil er mit einer weit geringeren Strahlung auskommt: Die Mobilfunkantenne auf dem Postberg solle aufgerüstet und zusätzlich ein zehn Meter hoher Sendemast auf dem Bootssteg des Yachtclubs aufgestellt werden. Nießen gab aber selbst zu, „dass mit dieser Lösung im Gegensatz zum Standort ,Friedhof’ nur eine brauchbare Versorgung erreicht wird“. Die „Telekom“ hat den Standort schon abgelehnt. Die schlechtere Versorgungsqualität war eines der Argumente, ein weiteres die Eigentumsverhältnisse: Der Steg liegt im Zuständigkeitsbereich der Schlösser- und Seenverwaltung.

Frank Sommer, Fachanwalt der Gemeinde in Sachen „Mobilfunk“, warnte davor, der „Telekom“ einen in deren Augen unzureichenden Platz anzubieten: „Sie könnten damit das Gegenteil erreichen!“ Die Sendestation könne doch an der Bahnhofstraße gebaut werden, was die „Telekom“ aus baurechtlicher Sicht hätte längst tun können. Dem stimmte auch Raithel zu. Doch es sah zumindest auf der Bürgerversammlung nicht so aus, als ob die „Bürgerwelle“ einen schnellen Rückzieher macht. Vor allem Hans Stegmann plädierte für „mehr Vorsorge“ statt „mehr Versorgung“. Die Gemeinde solle eine juristische Auseinandersetzung nicht scheuen. Mehr Vorsorge für die Gesundheit der Bürger statt Unterstützung wirtschaftlicher Interessen forderte rund die Hälfte der 130 Besucher, wie sich am Applaus ablesen ließ.

Die „Grüne Alternative Liste“, die drei Gemeinderäte stellt, hält laut einer schriftlichen Stellungsnahme die Antenne am Postberg für ausreichend. Der Vorstand der „Bürgerwelle“, Wolfgang Weber, mahnte: „Wir wissen ja nicht, was eine lebenslange Strahlung bei unseren Kindern bewirkt“. Junge Zuhörer stellten den größten Teil der Befürworter eines zweiten Sendemasts, doch auch nicht mehr ganz so junge Seeshaupter plädierten für eine bessere Netzversorgung. Wie es weitergeht, blieb offen.

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