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Verwüstet: So sah es am Bahnhof nach dem Bombenangriff aus.

Erinnerungen an das Kriegsende

Vor 70 Jahren: 25 Tote bei Bombenangriff auf Weilheim 

Weilheim - Beim Angriff am 19.4.1945 kamen in Weilheim 19 Menschen ums Leben. So hieß es lang. Doch es gab mehr Tote, und der Angriff war nicht der erste.

Von Berta Antal bis Georg Wittman reicht die Liste der Opfer, das älteste Opfer war Franziska Bochansky mit 83 Jahren, das jüngste Waltraud Gansneder, sie war zwei Jahre und zwei Monate alt. Dazu kommen drei nicht identifizierte ungarische Soldaten. Sie befanden sich wie der Soldat Berta Antal in einem Lazarettzug, der kurz zuvor im Bahnhof eingefahren war.

Insgesamt 25 Menschen wurden Opfer des Luftangriffs am 19. April vor 70 Jahren, als zehn Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner Bomben auf kriegsstrategisch wichtige Stellen in der Stadt fielen. Die meisten starben sofort, einige wenige erlagen ihren Verletzungen in den nächsten Tagen.

Ein Luftbild zeigt das Ausmaß der Angriffe.

Diese neuen Opfer-Zahlen stammen von Weilheims Stadtarchivar Bernhard Wöll, der in seinem Beitrag „Weilheim in der Zeit des Zweiten Weltkriegs“ im „Lech-Isar-Land“ von 2012 auch die letzten Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner am 29. April schildert. Er durchforstete zahlreiche deutsche und amerikanische Dokumente, 53 Quellenhinweise geben einen Einblick in diese Arbeit. So geht aus einem Militärakt der in Foggia/Italien stationierten 15. US-Luftstreitkräfte hervor, dass der Weilheimer Bahnhof als wichtige Transportverbindung nach Süden – dort vermuteten die alliierten Streitkräfte ja die so genannte Alpenfestung als Rückzugsort der Nationalsozialisten – bereits am 22, Februar in Schutt und Asche gelegt werden sollte. Die Maschinen überflogen Weilheim auch, doch das Wetter war zu nebelig, um die Ziele mit dem Bomben zu treffen. Sie drehten wieder ab. Nur auf einem unbebauten Grundstück in Nähe des Öferls sind auf späteren Luftaufnahmen vier Bombentrichter zu erkennen. Weilheim blieb als Bahnknotenpunkt, aber auch als Stadt mit kriegswichtigen Industriebetrieben festes Angriffsziel der Amerikaner. Und so starteten sie am 19. April den zweiten Angriff – wieder von Foggia aus, diesmal mit 81 Jagdbombern des Typs „Lihtning P 38“. 78 von ihnen waren gegen 10.30 Uhr an ihrem Ziel. „Die Maschinen sammelten sich östlich von Weilheim und griffen in zwei Wellen an, wobei circa 250 Sprengbomben abgeworfen wurden“, schreibt Wöll. Zerstört wurden neben Bahnhof, Post, Fernmeldeamt und Zeitungsdruckerei die Zementwarenfabrik „Geisenhofer“, das Lagerhaus „Fischer“ sowie das Werksgelände von „Zarges“.

Voll getroffen wurde ein Wohnhaus an der Nordendstraße, wobei neben einem Erwachsenen zwei Kinder im Alter von zwei und zehn Jahren ums Leben kamen. 13 weitere Gebäude erlitten schwere, 132 leichte Schäden.

Die Gleise am Bahnhof wurden bald notdürftig wieder so hergerichtet, dass zumindest eingleisig Züge verkehren konnten. Der Postbetrieb wurde, so entnahm Rudolf Hochenauer aus Hohenpeißenberg mit Bleistift geschriebenen Akten, in den Nebenräumen des Hotel „Bräuwastl“ behelfsmäßig fortgeführt. Im Rückgebäude des zerstörten Postamtes wurden an zwei Tischapparaten noch Gespräche für die deutschen Truppen und Behörden vermittelt. Am 29. April wurde Weilheim dann von den amerikanischen Truppen eingenommen.

Zeitzeugen gesucht

Wer kann sich noch an die Ereignisse rund um das Kriegsende in Weilheim erinnern? Das „Weilheimer Tagblatt“ freut sich über Zeitzeugen, die darüber berichten. Rufen Sie uns an (0881/189-20), schreiben Sie uns (Münchner Straße 1) oder kommen Sie vorbei.

-Text: Brigitte Gretschmann-

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