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40 Jahre im Dienst der Wessobrunner Kultur

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Von: Paul Hopp

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Das ehemalige Benediktinerkloster in Wessobrunn
Namensgeber für „Wessofontanum“: das ehemalige Benediktinerkloster in Wessobrunn. Oben die Pfarrkirche, daneben der „Römerturm“. Unten an der Straße das als Rathaus fungierende alte Schulhaus. Dort sind das Info-Zentrum und auch das Archiv von „Wessofontanum“ untergebracht. © Mauritius Images (Archiv)

Die „Vereinigung Wessofontanum“ gibt es heuer seit 40 Jahren. Das wollten die Kulturfreunde gebührend feiern, doch Corona machte dem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Die Mitglieder waren und sind deswegen aber nicht untätig – und verfolgen viele Projekte.

Wessobrunn – Ein Aktionstag mit großem Info-Programm für Geschichtsfreunde, ein Mariensingen am Brunnenhaus, ein spezieller Vortrag und ein Konzert der „Wellbappn“ – fürs „Jubiläumsjahr“ haben sich die Mitglieder von „Wessofontanum“ einiges einfallen lassen. Der Verein, der sich die Erhaltung von Kulturgütern, insbesondere die des Klosters Wessobrunn, auf die Fahnen geschrieben hat, besteht seit 40 Jahren. Die geplanten Veranstaltungen mussten aufgrund von Corona ausfallen. „Wir feiern dann, wenn es wieder möglich ist“, verspricht Hans Rohrmann. Der promovierte Kunsthistoriker steht seit vier Jahren dem derzeit 178 Mitglieder starken Verein vor. Am heutigen Freitag, 21. August, ist Jahresversammlung mit Neuwahlen. Das Treffen (ursprünglich vorgesehen im April) wird wegen Corona möglichst kurz gehalten; unter anderem entfällt der sonst übliche Vortrag. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, sagt Rohrmann.

Zwei Männer mit einer Ehrenurkunde
Vorsitzende unter sich: Konrad Hölzl (l.) und Hans Rohrmann. Das Foto entstand 2016, als Hölzl zum Ehrenmitglied ernannt wurde. © Brigitte Gronau (Archiv)

Die Vereinigung war auch in Zeiten des Lockdowns aktiv. Die mittlerweile obligatorische Jahresschrift ist derzeit „im Druck“, berichtet der Vorsitzende. Sie erscheint heuer zwar später als gewohnt, „doch dafür ist sie umfangreicher“, sagt Rohrmann. Die Reihe mit Büchlein über Wessobrunner Künstler (den Startschuss bildete 2018 Thassilo Zöpf) soll auch noch dieses Jahr fortgesetzt werden, und zwar mit Dominikus Zimmermann (tätig unter anderem in der Wieskirche). Künftig, so Rohrmann, rücken die frühen Wessobrunner Künstler in den Fokus.

Info-Zentrum ersetzt Museum des Vereins

„Grundsätzlich fertig“, so Rohrmann, sei das Info-Zentrum im Rathaus (altes Schulhaus). In drei Räumen wird dort Interessierten vermittelt, „was man zu Wessobrunn wissen sollte“. Der Besucher kann sich über die Gründungslegende, das Kloster, das Wessobrunner Gnadenbild, die „Wessobrunner Schule“, aber auch zum Ort an sich kundig machen. Das Info-Zentrum ersetzt das Museum des Vereins, das früher im mittlerweile privatisierten Teil des Klosters untergebracht war. Offiziell eröffnet ist der Info-Punkt noch nicht, „das hat uns Corona verhagelt“, so Rohrmann.

Viel Arbeit investierte die Vereinigung zuletzt in den Umzug ihres umfangreichen Archivs, in dem sich auch Unterlagen zur jüngeren Gemeindegeschichte befinden. Zunächst, verrät Rohrmann, sei man nicht begeistert davon gewesen, den bisherigen Standort (ehemalige Raiffeisenbank) aufgeben zu müssen. Doch über das neue Domizil im ersten Stock des alten Schulhauses mit sanierten Räumen „sind wir jetzt sehr glücklich“, sagt der Vorsitzende.

Die Gründungsversammlung von „Wessofontanum“ fand am 7. März 1980 statt. Initiator war der damalige Bürgermeister Konrad Hölzl. Er übernahm den Posten des 1. Vorsitzenden und hatte diesen letztlich 36 Jahre inne. Von den 65 Interessierten, die ins Gasthaus „Zur Post“ gekommen waren, erklärten noch am gleichen Abend 53 ihren Beitritt. Insgesamt waren es 59 Gründungsmitglieder. Der Jahresbeitrag betrug seinerzeit 24 D-Mark.

Nachwuchs schwer zu generieren - Jüngere interessieren sich nicht für Geschichte

Der Großteil der Mitglieder kommt auch heutzutage aus Wessobrunn. Im Zuge des „Jubiläumsjahrs“ hätten auch Gründungsmitglieder geehrt werden sollen. Dass dies ausfallen musste, „tut sehr weh“, sagt Rohrmann. Auch in diesem Fall gilt: Die Ehrung soll in entsprechendem Rahmen nachgeholt werden.

Die meisten „Wessofontanum“-Mitglieder sind älteren Semesters. Nachwuchs sei schwer zu generieren, denn Geschichte sei nicht so das Thema für Jüngere, heißt es aus dem Verein. Womöglich könnte der Aktionstag – eine Art „Tag der offenen Tür“ – Abhilfe schaffen. Auch der war für heuer geplant, soll aber auf alle Fälle nachgeholt werden. An markanten Orten in Wessobrunn wie Tassilolinde, Römerturm, Pfarrkirche und Kreuzbergkapelle geben Mitglieder dann den Besuchern Erläuterungen zur Historie. Obendrein soll auch demonstriert werden, wie Stuck gemacht wird.

Ihren Auftrag hat die Vereinigung „in den letzten vier Jahrzehnten durch eine stattliche Reihe an Aktivitäten sicherlich erfüllt“, heißt es in einer Mitteilung. Ausstellungen, Ausflüge, Führungen im Kloster, Vorträge, die Rückholung verschollener Preziosen, verschiedene Veröffentlichungen – das Repertoire von „Wessofontanum“ war und ist vielfältig. Das Engagement wurde 2014 mit dem Kulturpreis des Landkreises gewürdigt. In Sachen „Forschung“ bestehen aktuell Kontakte zur Universität in Greifswald. Dort, so Vorsitzender Rohrmann, läuft ein Projekt, das sich mit dem Wirken der Wessobrunner Stuckateure im Ostseeraum und im Baltikum beschäftigt. Im Zuge des Blicks in Richtung Osten hat der Verein schon mit einer Reise nach St. Petersburg geliebäugelt. „Wir haben ein breites Spektrum. Und das macht viel Spaß“, sagt Rohrmann.

Jahresversammlung

„Wessofontanum“ hält am heutigen Freitag ab 20 Uhr im Wessobrunner Gasthaus „Zur Post“ seine Jahresversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen Neuwahlen. Um die Versammlung – mit Blick auf Corona – kurz zu halten, gibt es heuer keinen Vortrag.

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